Hyundai setzt auf Atlas-Roboter in der Autoproduktion
Die Hyundai Motor Group zeigt auf der CES 2026 seine neue KI-Robotikstrategie. Der humanoide Atlas von Boston Dynamics soll ab 2028 in einem Fahrzeugwerk Teile sequenzieren und später Montageaufgaben übernehmen.
Auf der CES Bühne zeigt Hyundai seine humanoiden Roboter.
Hyundai
Immer wieder geistert der Begriff der sogenannten menschenleeren Fabrik umher, wenn es um die Zukunft der Autoindustrie geht. Besonders im Fokus aktuell: Humanoide Roboter. Nun richtet auch die Hyundai Motor Group seine neue KI-Robotikstrategie auf den Einsatz in Produktionsumgebungen aus. Der Konzern hat auf der CES 2026 angekündigt, humanoide Roboter schrittweise in realen Fabrikumgebungen einzusetzen und sie dort für Serienprozesse zu qualifizieren. Ziel sei es, Robotik nicht nur zu demonstrieren, sondern in großem Maßstab in bestehende Produktionssysteme zu integrieren. Die Fahrzeugfertigung dient dabei als Trainings- und Lernumgebung, in der Roboter mithilfe realer Prozessdaten weiterentwickelt werden sollen.
Im Fokus steht die Verbindung von künstlicher Intelligenz und Robotik, um Systeme zu schaffen, die sich flexibel an wechselnde Produktionsanforderungen anpassen können. Hyundai beschreibt diesen Ansatz als softwaredefinierte Fabrik, in der Daten und Software den gesamten Fertigungsprozess begleiten und sowohl Effizienzsteigerungen als auch neue Automatisierungsstufen ermöglichen sollen.
Atlas startet 2028 im Werk Savannah
Konkret plant Hyundai, den humanoiden Roboter „Atlas“ von Boston Dynamics ab 2028 im Hyundai Motor Group Metaplant America in Savannah im US-Bundesstaat Georgia einzusetzen. Dort soll Atlas zunächst Aufgaben in der Teile-Sequenzierung übernehmen. Ab 2030 könnten, sofern sich Vorteile bei Sicherheit, Qualität und Prozessstabilität bestätigen, auch komplexere Montagearbeiten folgen. Langfristig soll der Roboter in der Lage sein, in gesamten Produktionsstätten eingesetzt zu werden.
Atlas ist für den industriellen Einsatz ausgelegt. Drehgelenke und umfangreiche Sensorik ermöglichen es dem Roboter, sich in komplexen Fabrikumgebungen zu bewegen und wiederkehrende Aufgaben auszuführen. Er verfügt über menschengroße Hände mit Tastsensorik, kann Lasten von bis zu 50 Kilogramm bewegen und ist sowohl wasser- als auch wetterfest. Der Einsatzbereich reicht von minus 20 bis plus 40 Grad Celsius, was den Betrieb in unterschiedlichen Produktionsumgebungen ermöglichen soll.
Zachary Jackowski, Vice President und General Manager Atlas bei Boston Dynamics, ordnete die Entwicklung ein und sagte: „Die Zusammenführung von Robotik und künstlicher Intelligenz ist mehr als ein technologischer Fortschritt. Sie ist eine grundlegende Innovation, die das menschliche Leben sicherer und produktiver machen soll.“
Skalierung, Marktpotenzial und Kostenannahmen
Hyundai verfolgt das Ziel, humanoide Robotik nicht nur einzusetzen, sondern auch industriell zu skalieren. Der Konzern plant den Aufbau eines Produktionssystems mit einer Kapazität von bis zu 30.000 Robotern pro Jahr. Analysten von Morgan Stanley Research prognostizieren dem Markt für humanoide Robotik ein Volumen von rund fünf Billionen US-Dollar bis zum Jahr 2050. Für den Zeitraum um 2028, wenn Hyundai die skalierbare Produktion aufnehmen will, wird ein Stückpreis von etwa 150.000 US-Dollar erwartet.
Morgan Stanley geht davon aus, dass humanoide Roboter in den kommenden Jahrzehnten vor allem für strukturierte, repetitive und industrielle Aufgaben eingesetzt werden dürften. Die Akzeptanz werde sich zunächst langsam entwickeln und sich ab den späten 2030er Jahren deutlich beschleunigen. Automobilhersteller könnten dabei eine Schlüsselrolle einnehmen, da sie sowohl Bedarf an solchen Systemen hätten als auch über Erfahrung im Bau komplexer Maschinen verfügten.
Training, KI-Partnerschaften und neue Geschäftsmodelle
Um die Roboter für den industriellen Einsatz zu qualifizieren, plant Hyundai in diesem Jahr die Eröffnung eines „Robot Metaplant Application Centers“ in den USA. Dort sollen humanoide Roboter Bewegungsabläufe wie Heben, Drehen und Greifen erlernen und für konkrete Produktionsaufgaben trainiert werden. Ziel ist es, Atlas bis 2028 für hochrepetitive Tätigkeiten auszubilden und ihn bis 2030 schrittweise für Montagearbeiten einzusetzen.
Für die technologische Weiterentwicklung setzt Hyundai auf Partnerschaften mit führenden KI-Unternehmen. Nvidia soll die notwendige KI-Infrastruktur bereitstellen, während Google DeepMind gemeinsam mit Boston Dynamics an humanoiden Robotern der nächsten Generation arbeitet. Carolina Parada, Senior Director und Leiterin der Robotik bei Google DeepMind, sagte: „Robotik vereint viele verschiedene Bereiche des maschinellen Lernens, von Wahrnehmung über multimodales Verständnis bis hin zu fortgeschrittenem Denken und Planen. Gerade in der realen Welt wird sie zu einer der anspruchsvollsten Anwendungen von KI.“
Parallel dazu plant Hyundai, die Roboter über ein Robotics-as-a-Service-Modell anzubieten. Das Abonnement soll Wartung, Software-Updates, Hardware-Skalierung und Fernüberwachung umfassen und damit Investitionshürden für Industriekunden senken. Nach Angaben des Unternehmens könnten dadurch Vorlaufkosten reduziert und Bedenken hinsichtlich Wartung und Betrieb ausgeräumt werden.
Humanoide Robotik als Branchenthema
Hyundai ist nicht der einzige Automobilhersteller, der humanoide Robotik für die Produktion prüft. BMW, Mercedes-Benz und Tesla untersuchen ebenfalls den Einsatz menschenähnlicher Roboter für Logistik-, Transport- und Fertigungsaufgaben. Auch Zulieferer positionieren sich in diesem Feld. Schaeffler etwa plant, speziell für humanoide Roboter entwickelte Antriebslösungen vorzustellen und überträgt dabei Knowhow aus der Automobiltechnik auf neue Anwendungen.
Branchenweit richtet sich der Blick auf Robotersysteme, die nicht in abgeschotteten Zellen arbeiten, sondern direkt in bestehende Produktionslinien integriert werden können. Der Fokus liegt auf Tätigkeiten, die heute körperlich belastend, repetitiv oder ergonomisch anspruchsvoll sind und sich durch humanoide Robotik flexibler automatisieren lassen.