Mit der fünften Auflage des Sportage setzt Kia ein optisches Ausrufezeichen

Mit der fünften Auflage des Sportage setzt Kia ein optisches Ausrufezeichen. (Bild: Kia)

Der Kia Sportage war in der Vergangenheit vor allem als Schnäppchen gefragt. Doch mit den verlockend niedrigen Preisen ist es mittlerweile vorbei. Fast 50.000 Euro kostet die Anfang 2022 gestartete fünfte Generation in der von uns getesteten Version mit Mildhybrid-Benziner, Allrad, Automatik und Vollausstattung. Damit bewegt sich der Koreaner preislich auf dem Niveau eines VW Tiguan. Im Gegenzug bekommt man allerdings ein Auto, dass sich auch technisch mit seinen deutschen Mitbewerbern messen kann.

Was zunächst auffällt: Der neue Sportage macht eine erstaunlich gute Figur. Vor allem im Vergleich zu seinen Vorgängern. Diese waren vielleicht gefällig, aber stets auch ein wenig beliebig. Der neue Sportwage hingegen ist ein Typ mit Charakter und versteht es zugleich, mit vielen feinen Details zu gefallen. Egal aus welchem Winkel man schaut, die Sicken sitzen, die Proportionen stimmen. Auch innen.

Vorne wie hinten ist das Platzangebot im viereinhalb Meter langen SUV großzügig. Der Kofferraum der elektrisch öffnenden Heckklappe liegt volumentechnisch sogar auf Spitzenniveau. In nüchternen Zahlen ausgedrückt: 562 bis 1.751 Liter lassen sich bei Bedarf im Heck verstauen. Unter dem mit der Ladekante bündig abschließenden Zwischenboden befinden sich noch zusätzliche Staufächer. Dank Fernentriegelung der im Verhältnis 40:20:40 umklappbaren Rückbanklehne lässt sich der Stauraum mit kurzem Handgriff erweitern.

E-Maschine verleiht Drehmoment-Extra

Erfreulich stimmig ist auch die Ergonomie am Arbeitsplatz des Fahrers. Dieser sitzt gut eingebettet im Fahrzeug und hat neben dem Verkehr auch dank der beiden über 12 Zoll großen Bildschirme alles im Blick. Die in einem leicht gebogenen Black Panel schick eingefassten Digitalanzeigen sind allerdings ebenso wie die talentierten Infotainmentlösungen den höherwertigeren Ausstattungen vorbehalten. In unserem Fall war es die Topversion GT-line. Hier gefällt der Sportage zudem mit tadelloser Verarbeitung, die Materialwahl an den Kontaktflächen wirkt überwiegend edel. An vielen anderen Stellen findet man allerdings auch dünnwandiges Hartplastik vor.

Definitiv übertrieben hat es Kia mit den schwarzen Hochglanzflächen, die sich in der aufgeräumten Mittelkonsole besonders breit machen. Smart gelöst: Unter dem großen Touchscreen befindet sich eine Touchleiste, die wahlweise als Bedieneinheit für die Klimaanlage fungiert oder alternativ Direktwahltasten für das Infotainmentsystem anzeigt. Ohne weitere Mätzchen lassen sich Apple- und Android-Smartphones mit dem Bordsystem verbinden, in einer speziellen Schale darf das Telefon zudem kabellos Stromlinge nuckeln. Ein kurzer Druck auf den Motorstartknopf in der Mittelkonsole und den Regler des Automatikgetriebes auf D drehen – schon ist der Sportage startklar.

Der 1,6-Liter-Benziner wird von einem kleinen E-Motor unterstützt, der über das 48-Volt-Bordsystem mit Strom aus einer Batterie im Heck versorgt wird. Das Motorenduo wirkt im Zusammenspiel mit dem siebenstufigen Doppelkupplungsgetriebe und Allradantrieb sehr geschmeidig. Angenehm ist die Extraportion Drehmoment der kleinen E-Maschine, was den Vortrieb ein bärigen Extraschub verleiht. Wer es drauf ankommen lässt, schafft den Sprint auf 100 km/h in glatt neun Sekunden, maximal sind gut 200 km/h drin.

Kia Sportage gibt sich beim Fahrwerk keine Blöße mehr

Zum Vergleich: Der VW Tiguan 2.0 TSI mit 140 kW/190 PS, Allradantrieb und DSG sprintet in 7,4 Sekunden auf 100 und erreicht 214 km/h. Alternativ erlaubt die E-Maschine immer wieder Segeln. Dann zieht sich der Benziner zurück und hält der ansonsten häufig rekuperierende E-Motor das Tempo. Effizienzwunder bleiben in der Praxis allerdings aus. 8,2 Liter Benzin waren es in unserem Fall, bei vornehmlich auf der Autobahn mit Tempo 130 zurückgelegten Fahrten. Wer effizienter mit dem neuen Sportage unterwegs sein will, sollte auf Allradantrieb verzichten und/oder sich für eine Diesel- oder Plug-in-Hybrid-Version entscheiden.

Einen großen Schritt nach vorne hat der neue Sportage beim Fahrwerk gemacht. Im Vergleich zu einem für seine Ausgewogenheit bekannten VW Tiguan wirkte das Korea-SUV in der Vergangenheit eher ungelenk. Die Neuauflage ist hingegen erfreulich harmonisch. Das Fahrwerk ist angenehm komfortabel und verbindlich zugleich. Bei hohem Tempo liegt das SUV satt auf der Straße und gibt sich auch in schnell gefahrenen Kurven keine Blöße. Unsicherheit kommt jedenfalls keine auf. Dafür sorgt auch ein breites Arsenal an Assistenzsystemen, die aktiv in der Spur und den Abstand zum Vordermann halten oder das Tempo an die jeweils geltenden Limits anpassen.  

Der Fortschritt hat allerdings auch bei Kia seinen Preis. Frühere Generationen des Sportage waren stets deutlich günstiger als vergleichbare Modelle deutscher Hersteller. Mittlerweile startet die Basisversion mit 150-PS-Benziner bei stolzen 28.000 Euro, unser Mildybrid-Benziner mit Automatik und Allrad kostet sogar 10.000 Euro mehr. Nochmals gut 10.000 Euro sind es, werden die höchste Ausstattung GT-line und ein paar Extras geordert. Kommt das schicke Panorama-Glasschiebedach obendrauf, liegt das vollausgestattete SUV bei rund 49.000 Euro. VW verlangt für einen vergleichbar ausgestatteten Tiguan nur unwesentlich mehr.

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