Gewinneinbruch, neuer Stellenabbau
Darum steckt Porsche im Krisenmodus fest
Für Porsche hatte sich bereits 2024 scharfer Gegenwind angedeutet. Im vergangenen Jahr kam es noch dicker. Probleme gibt es zuhauf, der Gewinn liegt in Trümmern. Wie reagiert der neue Chef?
Der neue Mann an der Spitze des Sportwagenbauers: Porsche-CEO Michael Leiters muss nach Wegen aus der Krise suchen.
Porsche
Stolz prangt das Pferd in der Mitte des Porsche-Wappens. Es
steht für Kraft und Agilität. Zu spüren ist davon aktuell aber wenig. Früher
raste der Sportwagenbauer von Erfolg zu Erfolg – und spülte der Mutter
Volkswagen einen großen Teil des Gewinns in die Kassen. Eine Absatzkrise in
China, die US-Zölle und die Kehrtwende zum Verbrenner, die Milliarden
verschlingt, haben aus Porsche aber einen Konzern im Krisenmodus gemacht. Bei
manchem Aktionär gilt Porsche bereits als lahmendes Ross aus
Stuttgart-Zuffenhausen.
Die Probleme erkannt hat auch der neue Porsche-Chef Michael
Leiters. Der Manager, der früher bei Ferrari und McLaren arbeitete, hat seinen
Posten zu Jahresbeginn angetreten. „In einer politisch und wirtschaftlich
unsicheren Welt bleiben wir hinter unseren eigenen Erwartungen und den
Erwartungen des Marktes zurück“, sagte Leiters bei der Bilanzvorlage. Für die
aktuellen Zahlen zeichnet er zwar nicht verantwortlich – er muss in den
nächsten Monaten aber sehr wohl Wege finden, wie Porsche wieder auf die
Erfolgsspur kommen kann.
Im Rahmen der Bilanzvorlage kündigte er eine neue Strategie
an: „Seit meinem Amtsantritt hat unser Führungsteam die Lage systematisch
analysiert und eine Reihe erster gezielter Maßnahmen eingeleitet“, teilte
Leiters mit. „Wir werden Porsche umfassend neu aufstellen, das Unternehmen
schlanker, schneller und die Produkte noch begehrlicher machen“. Nachgedacht
wir demnach auch über neue hochpreisige Modelle, die besonders profitabel sein
sollen.
Dass Leiters die Probleme schnell angeht, ist auch nötig:
Für den Volkswagen-Konzern ist die einstige Ertragsperle mittlerweile zur
Belastung geworden. Das Ergebnis nach Steuern ist im vergangenen Jahr massiv
abgesackt – um 91,4 Prozent auf 310 Millionen Euro. 2024 waren es noch fast 3,6
Milliarden. Der Umsatz sank um fast ein Zehntel auf rund 36,3 Milliarden Euro.
Strategiewende belastet Porsche
Die größte Belastung für die Schwaben war eine strategische
Kehrtwende, die Ex-Porsche-Chef Oliver Blume vor gut einem Jahr angestoßen
hatte. Damals zeichnete sich ab, dass die ehrgeizigen E-Auto-Ziele des
Managements nicht zu erreichen sind. Blume zog die Notbremse – und begründete
das damit, dass die E-Mobilität sich in vielen Märkten deutlich langsamer
entwickelt hat, als „wir und viele Experten es noch vor Jahren erwartet hatten“.
2025 waren gut 22 Prozent der verkauften Porsche-Modelle reine Stromer.
Richten soll es angesichts der „Marktrealitäten und
Kundenbedürfnisse“ nun ein Verbrenner-Comeback bis weit ins nächste Jahrzehnt.
Allein dafür fielen rund 2,4 Milliarden Euro an. Zusätzlich belasteten die
Abwicklung der Batterie-Pläne mit rund 700 Millionen Euro – und die US-Zölle
mit ungefähr demselben Betrag. Insgesamt waren das Sonderkosten von rund 3,9
Milliarden Euro.
„Die globalen Herausforderungen und die Neuausrichtung des
Unternehmens haben das Ergebnis 2025 belastet“, teilte Finanzchef Jochen
Breckner mit. Er erwartete, dass die Maßnahmen auch im laufenden Jahr in hoher
dreistelliger Millionenhöhe auf den Gewinn durchschlagen werden. Das nehme man
in Kauf, um die Widerstandsfähigkeit von Porsche zu stärken.
Mit Vollgas in die China-Flaute
Zum Dreiklang, mit dem Blume im vergangenen Jahr die großen
Probleme von Porsche erklärte, gehörten neben der schleppend anlaufenden
E-Mobilität und den US-Zöllen von Präsident Donald Trump auch die Feststellung,
dass die Geschäfte in China nicht mehr laufen. Dort sei das Marktsegment für
teure Luxusprodukte in kurzer Zeit um mehr als 80 Prozent eingebrochen.
Das liegt unter anderem daran, dass es in der Volksrepublik
mittlerweile starke Konkurrenz durch heimische Hersteller gibt, die mit hohen
Rabatten auf den Markt drängen. Außerdem leidet das Unternehmen Porsche – das
unter anderem den Sportwagenklassiker 911 herstellt – bereits länger unter der
Kaufzurückhaltung von wohlhabenden Chinesen, bei denen das Geld durch die
Immobilienkrise nicht mehr so locker sitzt.
2025 verkauften die Schwaben gut 41.900 Fahrzeuge in China und
damit gut ein Viertel weniger als im Vorjahr. Es handelt sich um den vierten
Rückgang in Folge. Zum Vergleich: Im Jahr 2021 hatte Porsche noch fast 95.700
Sport- und Geländewagen in der Volksrepublik ausgeliefert. In China rechnet
Porsche nicht mit einer Erholung der Geschäfte, sondern mit einem weiteren
Rückgang. Es ging aber auch in anderen Weltregionen bergab. Insgesamt verkaufte
die VW-Tochter gut 279.400 Fahrzeuge. Das ist ein Zehntel weniger als im
Vorjahr und zugleich der niedrigste Stand seit dem Corona-Jahr 2020.
Nächster Stellenabbau in Sicht
Porsche setzt daher den Rotstift an. Bis 2029 sollen in der
Region Stuttgart rund 1.900 Stellen sozialverträglich abgebaut werden.
Zusätzlich sind die Verträge von rund 2.000 befristeten Angestellten
ausgelaufen. Das reicht aber nicht aus: Dieses Programm werden „wir jetzt noch
einmal umfassend verschärfen“, sagte Leiters. „Ja, und das wird auch weiteren
Stellenabbau einschließen.“
In welcher Größenordnung Stellen abgebaut werden sollten,
ließ er offen. „Das erfordert Gespräche zwischen den Sozialpartnern und es wäre
unfair, wenn wir dem hier heute vorgreifen“. Unter seinem Vorgänger wurden
bereits im Herbst Gespräche über ein weiteres Zukunftspaket begonnen. Man sei
in einem sehr frühen Stadium des Austausches, die er als konstruktiv
wahrnehmen, sagte Leiters. Dazu, wann es Ergebnisse geben soll, äußerte er sich
ebenfalls nicht.
Wie geht es weiter bei Porsche?
Insgesamt erwartet Porsche für das laufende Jahr eine etwas
bessere Lage, die Ziele sind aber verhalten. Das Management rechnet mit einem
Umsatz von rund 35 bis 36 Milliarden Euro, von dem wieder etwas mehr operativer
Gewinn übrigbleiben soll. Porsche ging von „sehr herausfordernden
Marktbedingungen“ aus – und davon, dass sich an der US-Zollpolitik nichts
ändern wird. Und die potenziellen Folgen des Iran-Kriegs sind noch gar nicht
eingepreist.
„Aktuell stehen wir bei Porsche vor schwierigen Zeiten“,
sagte Leiters. Er wolle die Dinge nun durchdringen, um gute Entscheidungen
treffen zu können. Seine Strategie soll dann in den kommenden Monaten
Schritt für Schritt Gestalt annehmen. Die Details will er im Herbst der
Öffentlichkeit präsentieren.