Standorte in Sachsen mit unsicherer Zukunft
Darum verzögert sich die VW-Integration der Ost-Werke
Volkswagen Sachsen bangt um die Integration in den Konzern: Verzögerungen, Überkapazitäten und der Stellenabbau sorgen für Unsicherheit. Brisant: In Dresden gibt es Gerüchte über einen Einstieg von BYD in die Gläserne Manufaktur.
Im VW-Werk in Zwickau wird unter anderem der ID. 5 produziert - aktuell nur noch in zwei Schichten.
Volkswagen
Die Mitarbeiter von Volkswagen in Sachsen müssen um die für
Jahresende geplante Integration in die Volkswagen AG bangen. „Durch die
notwendige Umstellung zahlreicher Systeme in der Volkswagen AG kam es in den
vergangenen Monaten zu Verzögerungen, sodass der Prozess mehr Zeit in Anspruch
nehmen wird als ursprünglich geplant“, teilte das Unternehmen auf Anfrage mit.
Darüber hatte zuvor das Handelsblatt berichtet.
Die Volkswagen Sachsen GmbH mit ihren drei Standorten in Zwickau, Chemnitz und
Dresden firmiert bisher als eigenständiges Unternehmen. Allerdings ist per
Tarifvertrag eine Integration in die Muttergesellschaft vereinbart. Es werde
nach einer Lösung gesucht, um den Beschäftigten in Sachsen zum 1. Januar einen
Arbeitsvertrag der Volkswagen AG anzubieten, hieß es. Betroffen sind rund
10.000 Mitarbeiter. Dazu gebe es intensive Gespräche zwischen Unternehmen und
der Arbeitnehmerseite. Am Montag sollte dazu auch der Aufsichtsrat von
Volkswagen Sachsen tagen.
VW kämpft mit Überkapazitäten in Deutschland
Materielle Auswirkungen hätten die Verzögerungen für die VW-Mitarbeiter in
Sachsen nicht, hieß es auf Nachfrage. Sie sind den Angaben zufolge ihren
Kollegen an den westdeutschen Standorten bereits tariflich gleichgestellt. Das
gelte für die Entlohnung ebenso wie für der 35-Stunden-Woche.
Der Autobauer Volkswagen hat mit Überkapazitäten an seinen deutschen Werken zu
kämpfen und baut bundesweit 35.000 Stellen bei der Kernmarke ab. Das trifft
auch die Standorte in Sachsen. In der Zwickauer E-Auto-Fabrik wird nur noch in
zwei Schichten produziert und es sollen Modelle an andere Standorte abgegeben
werden. Die Produktion von VW-Fahrzeugen in der Gläsernen Manufaktur in Dresden
wurde eingestellt.
Fällt die Gläserne Manufaktur in chinesische Hände?
Allerdings könnten dort künftig Modelle eines anderen
Herstellers vom Band laufen. Wie das Portal carnewschina.com berichtet, soll
der chinesische Elektroautohersteller BYD in Gesprächen mit
Volkswagen sein, um einen Teil des Dresdner Werks zu übernehmen.
Demnach könnte BYD insbesondere den bislang
ungenutzten zweiten Hallenbereich nutzen und dort Elektrofahrzeuge für den europäischen Markt produzieren.
Im Gegenzug würde BYD
investieren und sich erstmals mit einer eigenen Produktionsstätte in
Deutschland positionieren. Volkswagen selbst wies den Bericht zwar als „nicht
zutreffend“ zurück, bestätigte jedoch grundsätzlich, dass die Nutzung freier
Kapazitäten durch externe Partner ein denkbares Instrument zur Entlastung des
Konzerns sei.
Ein Engagement in Dresden wäre für BYD strategisch
attraktiv: Eine Fertigung in Deutschland würde dem Konzern nicht nur ein „Made
in Germany“‑Label, sondern auch eine bessere Position gegenüber möglichen EU‑Zöllen auf chinesische Elektroautos verschaffen. Parallel dazu ist
vorgesehen, den übrigen Teil der Gläsernen Manufaktur ab 2026 als Innovations‑ und
Forschungsstandort gemeinsam mit dem Freistaat Sachsen und der TU Dresden
weiterzuentwickeln. Neben BYD sollen auch andere chinesische Hersteller wie MG
oder XPeng Interesse an freien Volkswagen‑Kapazitäten in
Europa zeigen. Eine Entscheidung sei laut Bericht jedoch bislang nicht
gefallen.