Anstieg auf 300.000 Einheiten

Rivian erhöht Produktionspläne für Georgia-Werk

Rivian will mit einem überarbeiteten Bauprogramm und angepassten Kredit die Serienproduktion der R2-Plattform in Georgia ab Ende 2028 vorbereiten. Zugleich soll die neue US-Fertigungsstätte kosteneffizienter und besser skalierbar aufgestellt werden.

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Weißes Rivian-Elektroauto hängt in gelber Förderanlage einer Fabrikhalle
Das Werk in Georgia soll die zentrale Produktionsstätte für Fahrzeuge auf Rivians neuer Mittelklasse-Plattform werden.

Rivian hat eine umfassende Überarbeitung seiner Produktionspläne für das künftige Werk in Stanton Springs North im US-Bundesstaat Georgia angekündigt. Die jährliche Anfangskapazität steigt um 50 Prozent von ursprünglich 200.000 auf 300.000 Fahrzeuge. Zugleich wird der bisher zweistufig geplante Ausbau in eine einzige, größere erste Bauphase zusammengeführt. Laut Unternehmen soll dieser Ansatz die Stückkosten senken und gleichzeitig ausreichend Flexibilität für spätere Erweiterungen bieten.

Parallel dazu wurde der Kredit mit dem Office of Energy Dominance Financing des US-Energieministeriums (DOE) neu verhandelt. Die aktualisierte Vereinbarung umfasst bis zu 4,5 Milliarden US-Dollar – bestehend aus 4,006 Milliarden US-Dollar Darlehenssumme und 494 Millionen US-Dollar kapitalisierten Zinsen. Damit liegt sie deutlich unter der ursprünglich im Januar 2025 vereinbarten Summe von 6,6 Milliarden US-Dollar. Rivian zufolge ist die Finanzierung nun exakt auf das überarbeitete Einphasen-Konzept abgestimmt. Zudem soll die erste Kredittranche bereits Anfang 2027 abgerufen werden können – ein Jahr früher als geplant.

Produktionsstart weiterhin für Ende 2028 geplant

Der Hochbau am Standort soll im Frühjahr beginnen. Erste Vorbereitungen für den Aufbau der Presswerkhalle laufen bereits. Dieser Bereich gilt als einer der kapitalintensivsten und technisch anspruchsvollsten Teile der gesamten Anlage. Im Sommer soll sich die Bautätigkeit deutlich beschleunigen, während die Hauptgebäude Form annehmen. Der Produktionsstart ist weiterhin für Ende 2028 vorgesehen. Das Werk in Georgia wird die zentrale Produktionsstätte für Fahrzeuge auf Rivians neuer Mittelklasse-Plattform. Im Fokus steht zunächst das SUV-Modell R2. Die Plattform unterstützt drei Antriebskonfigurationen: Hinterradantrieb mit einem Motor, Allradantrieb mit zwei Motoren sowie eine dreimotorige Variante.

Als Energiespeicher kommt eine neu entwickelte 4695-Batteriezelle zum Einsatz, die beide Batteriegrößenvarianten unterstützt. Für die größere Batterie wird eine Reichweite von über 300 Meilen (rund 480 km) erwartet. Darüber hinaus verfügt das Fahrzeug über ein Sensor-Setup mit elf Kameras und fünf Radarsystemen, das einen deutlichen Fortschritt bei den autonomen Fahrfunktionen darstellen soll. Fahrzeug und Fertigung wurden dabei parallel entwickelt. Rivian nutzte einen digitalen Zwilling der Fabrik, um das Produktionssystem bereits während der Fahrzeugentwicklung virtuell zu planen und zu optimieren. Dieser Ansatz ermöglichte eine durchgängige Optimierung des gesamten Lebenszyklus – von der Montage bis zur späteren Wartbarkeit.

Teilereduktion und geringere Komplexität

Durch die gleichzeitige Entwicklung von Fahrzeug und Fabrik konnte der Montageprozess deutlich verschlankt werden. So wurden im R2 rund 3,7 Kilometer Verkabelung eingespart. Zudem reduzierte Rivian die Bauteilkomplexität durch den verstärkten Einsatz großformatiger Hochdruck-Druckgusskomponenten.

Diese Bauteile ersetzen tausende Schweißpunkte und Verbindungselemente, verkürzen die Fertigungszeit und senken das Fahrzeuggewicht gegenüber dem R1 um rund 900 Kilogramm. Ergänzend kommt eine strukturelle Batterieeinheit zum Einsatz, bei der die Oberseite des Batteriepakets gleichzeitig als Fahrzeugboden dient. Dadurch werden weitere Komponenten eingespart und der Aufbau vereinfacht.

In der Karosseriefertigung sorgt ein vollautomatisiertes „Hang-on“-System für präzise Spalt- und Bündigkeitsmaße aller Außenhautteile. KI-gestützte Roboter übernehmen das Scannen und Positionieren von Bauteilen ohne manuelle Eingriffe. Drahtlose Diagnosesysteme erkennen Fehler in Echtzeit und verhindern deren Weitergabe entlang der Linie. Zusätzlich führen bildverarbeitende Roboter kontinuierliche Qualitätsprüfungen durch.

KI-Algorithmen optimieren außerdem fortlaufend die Flächennutzung und den Personaleinsatz. Am bestehenden Standort in Normal, Illinois, erreicht Rivian nach eigenen Angaben bereits eine Jahreskapazität von 155.000 R2-Fahrzeugen – ein Wert, der im Werk Georgia deutlich übertroffen werden soll.

Robotaxi-Produktion stärkt strategische Bedeutung

Das Werk in Georgia wird jedoch nicht ausschließlich für die Produktion von Kundenfahrzeugen genutzt. Im Rahmen der Partnerschaft mit Uber plant Rivian, dort bis zu 50.000 Robotaxis auf Basis des R2 zu fertigen. Auch diese Produktion soll Ende 2028 starten. Die ersten autonomen Flotteneinsätze sind in San Francisco und Miami vorgesehen, eine Ausweitung auf 25 Städte bis 2031 ist geplant. Mit dem Robotaxi-Programm kommt somit ein zusätzlicher, volumenstarker Produktionsstrang hinzu, der die strategische Bedeutung des Standorts weiter erhöht. Zukünftige Erweiterungen über die aktuelle erste Bauphase hinaus sollen aus Eigenmitteln finanziert werden und nicht über den DOE-Kredit laufen. Damit verfügt Rivian nun über eine größere Produktionsanlage bei gleichzeitig geringerer Fremdfinanzierung – und erhält früher Zugriff auf das benötigte Kapital.