Jaguar I-Pace

Bis 2030 will JLR jede Baureihe mit vollelektrischen Antrieben wie im Jaguar I-Pace anbieten. (Bild: JLR)

Die zur Tata Group gehörende Automobilsparte Tata Motors mit Sitz in Mumbai ist der größte Autohersteller Indiens, unter dessen Dach seit 2008 die britischen Edelmarken Jaguar und Land Rover beheimatet sind. Sowohl die Urheimat der Marken JLR, England, als auch jene von Tata Motors, Indien – zugleich drittgrößte Volkswirtschaft Asiens – wurden durch die Coronapandemie arg gebeutelt. Mit Blick auf den Fahrzeugabsatz boomt das asiatische Land mit seinen rund 1,3 Milliarden Einwohnern zwar, bewegt sich bei jährlichen Abverkäufen im einstelligen Millionenbereich aber längst nicht auf vergleichbarem Niveau wie die mobilitätsaffinen Märkte USA oder China.

Was auf dem indischen Markt zählt, sind bezahlbare Fahrzeuge, wie der 2008 vorgestellte Tata Nano, der bei seiner Vorstellung als günstigster Viersitzer der Welt galt. Das aktuelle Produkt-Angebot der Inder ist mit den Modellen Tiago, Altroz und Tigor im Kleinwagen- und Kompaktsegment angesiedelt. Mit den Modellen Punch, Nexon, dem Harrier sowie dem Safari hat Tata obendrein ein recht breites SUV-Angebot im Köcher. Eine veritable Größe ist das Unternehmen im Nutzfahrzeugsektor mit einem großen Portfolio aus Trucks, Bussen und Militärfahrzeugen.

Tata Harrier
Zum SUV-Angebot von Tata zählt unter anderem der Harrier, der in modernem Design auftritt. (Bild: Tata Motors)

Bei Tata steht die Reduzierung der Komplexität im Fokus

Die jüngsten Lockdowns in Ostasien hätten die Versorgungssituation verschlechtert und so sei man gezwungen gewesen, die Produktions- und Abnahmemengen zu mäßigen, heißt es von Seiten Tatas. Die Situation sei fließend und man werde weiterhin daran arbeiten, die Auswirkungen zu mildern und Kundenaufträge durch einen agilen, mehrgleisigen Ansatz zu erfüllen, einschließlich einer engen Zusammenarbeit mit den erweiterten Lieferkettenpartnern, der Beschaffung von Chipsätzen vom freien Markt, der Verwendung alternativer Halbleiter und der Verwaltung des eigenen Modellmixes.

Das Unternehmen hat mit Blick in die Zukunft sechs Mobilitätstreiber identifiziert, an denen es sich orientiert: eine modulare Architektur, Komplexitätsreduzierung in der Fertigung, vernetzte und autonome Fahrzeuge, saubere Antriebsstränge, gemeinsame Mobilität und niedrige Gesamtbetriebskosten. Die zuletzt von Tata genannten Verkaufszahlen auf dem nationalen und internationalen Markt lagen im Monat August 2021 bei 57.995 Fahrzeugen, was im Vergleich zum Vorjahresmonat einer Steigerung um 53 Prozent entspricht. Für die Nutzfahrzeuge melden die Inder im August 5.840 Einheiten und damit ein Plus von 113 Prozent. Der Auftragsbestand sei stark, man wolle die robuste Nachfrage trotz der Angebotsherausforderungen bestmöglich erfüllen, heißt es beim Unternehmen mit Sitz in Mumbai.

Thierry Bolooré, CEO von Jaguar Land Rover
Seit Herbst 2020 leitet Thierry Bolloré die britischen Edelmarken Jaguar Land Rover. (Bild: JLR)

Reimagine-Strategie soll Jaguar Land Rover beflügeln

Bei Jaguar Land Rover trat Thierry Bolloré im September 2020 als CEO in die Fußstapfen des bei seinen Mitarbeitern beliebten Ralf Speth und musste das Unternehmen sogleich weiter durch die Corona-Krise führen. „Jaguar Land Rover ist gut aufgestellt, um aus der Pandemie als ein stärkeres und noch widerstandsfähigeres Unternehmen hervorzugehen, das in der Lage ist, die vorausliegenden Möglichkeiten zu ergreifen und zu kapitalisieren“, sagte der neue JLR-Chef im Mai 2021.

Die britischen Marken meldeten zur Jahresmitte eine Erholung des coronabedingt eingeschränkten Geschäfts. Bereits im letzten Quartal des Jahres 2020 stieg der Fahrzeugabsatz um 12,4 Prozent. Im gesamten Geschäftsjahr allerdings fiel der Absatz um 13,6 Prozent auf knapp 440.000 Einheiten. Ein Hoffnungsträger unter den Modellen ist der noch relativ neue Defender. Ein Ziel in der globalen Strategie ist es den Briten zufolge, dass sie zum Fiskaljahr 2025/26 zweistellige EBIT-Margen erzielen.

Ein Mittel auf diesem Weg soll die sogenannte Reimagine-Strategie bilden, die das Unternehmen bereits zu Anfang des Jahres 2021 bekanntgab. Dazu zählt etwa, dass man Jaguar ab 2025 zur rein elektrischen Luxusmarke wandeln will. Zum anderen soll Land Rover in den kommenden fünf Jahren sechs rein elektrisch angetriebene Modelle auf den Markt bringen. Bis 2030 will JLR dann jede Baureihe mit vollelektrischen Antrieben anbieten. Ab da sollen 100 Prozent der Jaguar-Verkäufe und immerhin 60 Prozent des Land-Rover-Absatzes auf rein elektrisch angetriebene Modelle ohne lokale Emissionen entfallen.

JLR setzt auf die Zukunfts-Architekturen MLA und EMA

Im Rahmen von Reimagine will man darüber hinaus die Zahl der Plattformen und Modelle konsolidieren, die in den einzelnen Werken vom Band laufen. Auf Seiten der Produktion kündigte das Unternehmen erst kürzlich an, sämtliche Werke in Großbritannien und weltweit zu erhalten. Das Werk Solihull in den West Midlands soll JLR zufolge nicht nur die Heimat der sogenannten MLA-Architektur (Modular Longitudinal Architecture) sein, sondern auch die der rein elektrischen Jaguar-Plattform. Die modulare elektrische Architektur EMA (Electric Modular Architecture) soll daneben die Nutzung mit der Kombination Elektro- und Verbrennungsmotor erlauben. Künftige Jaguar-Modelle sollen ausschließlich die Elektroarchitektur EMA nutzen.

Land Rover Defender auf einer Landstraße
Land Rover führt auch Tests mit wasserstoffbetriebenen Brennstoffzellenfahrzeugen, wie hier mit einem Defender, durch. (Bild: JLR)
François Dossa, Leiter des Strategy & Sustainability-Teams bei JLR
François Dossa leitet seit Mitte 2021 bei Jaguar Land Rover das Strategy & Sustainability-Team. (Bild: JLR)

Eine Aktivität mit Blick auf emissionsfreie Mobilität verkündete das Unternehmen im Rahmen des Projekts Zeus, aus dem heraus die FuE-Mannschaft 2021 mit Tests eines Land Rover Defender mit wasserstoffbetriebener Brennstoffzelle begonnen hat. „Neben batterieelektrischen Modellen bieten wasserstoffbetriebene Brennstoffzellenfahrzeuge eine weitere emissionsfreie Lösung für die besonderen Fähigkeiten und Anforderungen der hochentwickelten Modellpalette von Jaguar Land Rover", sagt Ralph Clague, Leiter Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie.

Passend dazu meldete JLR Mitte 2021 die Schaffung einer neuen Führungsposition im Bereich Nachhaltigkeit: Das neue Strategy & Sustainability-Team unter Leitung von Executive Director François Dossa soll stark in die Reimagine-Strategie eingebunden werden und bestehende funktionsübergreifende Fähigkeiten in den Bereichen Mobilitätsdienste, Nachhaltigkeit sowie Digitalisierung zusammenführen und ausbauen. Wie CEO Bolloré wechselte auch Dossa von Renault zu den Briten.

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