COO Marc Winterhoff muss gehen

Lucid streicht weitere Stellen und Schichten

Lucid verschärft seinen Sparkurs: Der US-Elektroautobauer reduziert seine US-Belegschaft um rund 18 Prozent, streicht eine Produktionsschicht im Werk Arizona und trennt sich von COO Marc Winterhoff. Lucids neuer CEO Silvio Napoli steht vor großen Herausforderungen.

1 min
US-E-Autobauer Lucid steht unter massivem Erfolgsdruck.

Der US-Elektroautohersteller Lucid setzt ein weitreichendes Restrukturierungsprogramm um. Wie aus einer Pflichtmitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC hervorgeht, will das Unternehmen rund 18 Prozent seiner US-Belegschaft abbauen. Betroffen sind festangestellte Mitarbeiter, Auftragnehmer sowie Produktionsmitarbeiter in der Fertigung. Gleichzeitig wird die zweite Schicht im Werk AMP-1 im US-Bundesstaat Arizona eingestellt.

Nach Angaben des Unternehmens soll das Programm den Weg zur Profitabilität und zu einem positiven Cashflow beschleunigen. Lucid rechnet mit jährlichen Einsparungen von rund 158 Millionen US-Dollar. Für Abfindungen, Sozialleistungen und Unterstützungsmaßnahmen beim Mitarbeiterübergang kalkuliert das Unternehmen einmalige Kosten von etwa 32 Millionen US-Dollar. Die Maßnahmen sollen bis Ende des dritten Quartals 2026 weitgehend abgeschlossen sein.

Produktion wird an die Nachfrage angepasst

Lucid begründet die Einschnitte mit einer Anpassung der Produktion an die erwartete Marktnachfrage. Ein Unternehmenssprecher erklärte gegenüber dem Newsportal CNBC: „Diese schwierigen Entscheidungen wurden getroffen, um die Produktion an die Nachfrage anzupassen, Lagerbestände zu reduzieren und auf rückläufige Marktbedingungen zu reagieren.“

Zugleich sollen die Organisation verschlankt und die operative Umsetzung verbessert werden. Die Einstellung der zweiten Schicht im Werk Arizona unterstreicht den Druck auf das Unternehmen, das trotz steigender Auslieferungszahlen weiterhin hohe Verluste schreibt. 2025 verzeichnete Lucid einen Verlust von 2,7 Milliarden US-Dollar bei einem Umsatz von 1,35 Milliarden US-Dollar. Der negative freie Cashflow lag bei 3,8 Milliarden US-Dollar.

Dabei hatte die Einführung des Gravity-SUV zuletzt für Rückenwind gesorgt. Im vierten Quartal 2025 erreichte Lucid mit 5.345 ausgelieferten Fahrzeugen einen neuen Bestwert. Gleichzeitig arbeitet das Unternehmen an einer neuen mittelgroßen Elektrofahrzeugplattform, die ab 2026 weitere Volumen bringen soll.

COO Marc Winterhoff scheidet aus

Parallel zum Stellenabbau kommt es zu einem weiteren Führungswechsel. Lucid teilte der SEC mit, dass Chief Operating Officer Marc Winterhoff das Unternehmen mit sofortiger Wirkung verlässt. Die Position des COO wurde im Zuge der Neuausrichtung vollständig gestrichen. Winterhoff erhält Leistungen aus dem Abfindungsprogramm für Führungskräfte.

Winterhoff hatte das Unternehmen zuletzt als Interims-CEO geführt, ehe Anfang Juni der bereits angekündigte Führungswechsel vollzogen wurde.

Neuer CEO muss Lucid stabil kriegen

Neuer Vorstandsvorsitzender von Lucid ist seit dem 1. Juni 2026 Silvio Napoli. Der ehemalige CEO des Aufzugherstellers Schindler soll den Elektroautobauer operativ stabilisieren und die Kostenbasis verbessern. „Unser Fokus wird darauf liegen, die Kundenbindung zu stärken, mit Konsequenz und Verantwortlichkeit zu handeln, Kostenwettbewerbsfähigkeit zu erreichen und unsere Organisation sowie Prozesse zu verschlanken,“ hatte Napoli bei seinem Amtsantritt erklärt.

Die nun angekündigten Stellenstreichungen und Produktionsanpassungen zeigen, wie schnell Lucid diese Prioritäten umgesetzt sehen will. Angesichts eines schwächeren E-Auto-Marktes, hoher Lagerbestände und anhaltender Verluste verschärft der Hersteller damit seinen Kurs in Richtung Kostendisziplin und Effizienzsteigerung.