Das Thema bidirektionales Laden scheint die Pilotphase hinter sich zu lassen. Volkswagen startet mit Elli ein V2G-Angebot für Privatkunden in Deutschland, während Valeo und Nissan den Markt in Europa adressieren. Das Einsparpotenzial für Netz und Nutzer könnte erheblich sein.
Redaktion Redaktion
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Beim bidirektionalen Laden wird das E-Auto zum Energiespeicher – und für den Autonutzer zum Sparschwein.Volkswagen
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Lange Zeit schien das Thema bidirektionales Laden speziell
in Deutschland aufgrund mehrerer Hürden nicht so recht aus den Puschen zu
kommen. Das könnte sich jetzt ändern. Gleich zwei aktuelle Ankündigungen
zeigen, wie ernst es der Autoindustrie mit dem Thema Vehicle-to-Grid (V2G) ist:
Während Volkswagen über seine Energiemarke Elli erstmals ein integriertes
V2G-Angebot für Privatkunden in Deutschland vorbereitet, haben Valeo und Nissan
eine strategische Vereinbarung zur Vermarktung bidirektionaler Ladelösungen in
Europa geschlossen.
Im Kern verfolgen beide Initiativen dasselbe Ziel:
Elektrofahrzeuge sollen künftig nicht nur Strom verbrauchen, sondern als
dezentrale Energiespeicher aktiv zur Stabilisierung der Stromnetze beitragen.
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Volkswagen setzt auf skalierbares Ökosystem
Volkswagen präsentiert auf der aktuell laufenden Messe
Power2Drive in München ein Komplettpaket aus Fahrzeug, bidirektionaler Wallbox,
Stromtarif und App. Das Angebot richtet sich zunächst an Kunden der Marken
Volkswagen, Volkswagen Nutzfahrzeuge und Cupra in Deutschland. Grundlage ist
der neue „Elli BiDi Charger“ in Verbindung mit dem Volkswagen „Naturstrom V2G
Flow“-Tarif sowie einer Steuerungs-App.
„Mit Vehicle-to-Grid machen wir diesen Vorteil für Kundinnen
und Kunden nutzbar“, sagt Volkswagen-Technikvorstand Thomas Schmall. „Das
Elektroauto wird Teil eines digitalen Energie- und Mobilitätssystems: Es kann
Strom speichern, gesteuert laden, Energie zurückgeben und damit auch während
der Parkzeit wirtschaftlichen Mehrwert schaffen.“
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Eine wichtige Voraussetzung für die Skalierung sieht der
Konzern in seiner bereits vorhandenen Fahrzeugbasis. Nach Unternehmensangaben
sind in Europa rund eine Million MEB-Fahrzeuge unterwegs, die technisch auf
bidirektionales Laden vorbereitet sind. Rund 360.000 davon befinden sich in
Deutschland.
Für Kunden stellt Volkswagen im ersten Vertragsjahr einen
Bonus von bis zu 720 Euro in Aussicht, abhängig von der Anschlussdauer des
Fahrzeugs an die Wallbox.
Valeo und Nissan fokussieren europäischen Rollout
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Auch der Nissan Leaf wird mit Valeos Hilfe zum smarten Energiespeicher.Valeo
Parallel dazu haben Valeo und Nissan auf der Münchner Messe einen
Vertrag zur Vermarktung intelligenter Ladeinfrastruktur geschlossen. Startpunkt
ist Großbritannien, anschließend soll das Angebot auf weitere europäische
Märkte ausgeweitet werden. Herzstück sind sowohl intelligente unidirektionale
AC-Ladestationen (V1G) als auch bidirektionale V2G-Lösungen für kompatible
Nissan-Elektrofahrzeuge.
Die Partner wollen Elektroautos damit stärker als flexible
Energieressourcen positionieren. Laut Valeo ermöglicht die bidirektionale
Technologie einen intelligenten Energieaustausch zwischen Fahrzeug und
Stromnetz. Gespeicherte Energie kann bei hoher Nachfrage ins Netz
zurückgespeist werden, wodurch Netzstabilität und Wirtschaftlichkeit verbessert
werden sollen.
Isabelle D'Ambrosio, Vice President Smart Mobility bei
Valeo, bezeichnet die Zusammenarbeit mit Nissan als „entscheidenden Schritt“
für die weitere Entwicklung der elektrischen Mobilität.
Die aktuellen Industrieinitiativen treffen auf eine
zunehmend positive Bewertung durch Energieexperten. Eine Analyse von Agora
Verkehrswende kommt zu dem Ergebnis, dass bidirektionales Laden sowohl für
E-Autofahrer als auch für das Stromsystem wirtschaftliche Vorteile schaffen
kann. Demnach könnten Fahrzeughalter im Jahr 2030 durch die Vermarktung von
Batteriekapazitäten Erlöse von bis zu 500 Euro jährlich erzielen. Voraussetzung
ist, dass Fahrzeuge bei niedrigen Strompreisen laden und Energie bei höheren
Preisen wieder ins Netz einspeisen. In Kombination mit einer privaten
Photovoltaikanlage könnten die Einnahmen sogar darüber hinausgehen.
„Elektrofahrzeuge bieten dem Stromsystem wichtige
Flexibilität“, erklärt Christian Hochfeld, Direktor von Agora Verkehrswende.
Durch die Rückspeisung von Strom aus Fahrzeugbatterien könnten Schwankungen von
Wind- und Solarenergie ausgeglichen und die Netzstabilität erhöht werden.