Neue Rüstungs-Partnerschaft in den USA
GM und Lockheed Martin schmieden Produktionsallianz
Die Defense-Tochter von General Motors und der Rüstungskonzern Lockheed Martin wollen gemeinsam die Massenfertigung von Militärgütern ausloten. Hintergrund ist das Bestreben der US-Regierung, die industrielle Kapazität für kritische militärische Systeme auszubauen.
General Motors baut für die US Army bereits militärische Einsatzfahrzeuge.
General Motors
Lockheed Martin und GM Defense haben eine neue
Zusammenarbeit angekündigt, die die Fertigungsbasis für Rüstungsgüter der
Vereinigten Staaten stärken soll. Mit Unterstützung des
US-Verteidigungsministeriums wollen beide Unternehmen prüfen, wie sie Verteidigungssysteme schneller bereitstellen können. Die Partner wollen dabei die Expertise
von Lockheed Martin in der Rüstungsproduktion mit den großvolumigen Fertigungs-
und Engineering-Kompetenzen von General Motors zusammenführen.
Laut Absichtserklärung der beiden US-Traditionsfirmen konzentriert
sich die Kooperation auf drei Bereiche: Lieferketten im Verteidigungssektor
sollen gestärkt, Fertigungs- und Entwicklungsprozesse verbessert und bestehende
industrielle Produktionsanlagen für zusätzliche Kapazitäten nutzbar gemacht
werden.
In einem ersten Schritt untersuchen die Unternehmen, wie bewährte
Ansätze aus der kommerziellen Großserienfertigung in der Autobranche auf
Programme der Verteidigungsproduktion übertragen werden können. Ziel sei es,
die Produktionsreife zu verbessern und die Ausbringung zu erhöhen, ohne
Abstriche bei den Qualitäts- und Zuverlässigkeitsstandards zu machen, die für
missionskritische Systeme erforderlich sind, erklären beide Konzerne.
GM setzt auf ein altbekanntes Geschäft
Für General Motors ist die militärische Fertigung weniger
ein neues Geschäftsfeld als vielmehr eine Rückkehr zu den eigenen Wurzeln und zu jener industriellen Rolle, die Detroit einst den Ruf als Waffenschmiede der amerikanischen Demokratie einbrachte. Der
Autobauer beliefert die US-Streitkräfte seit dem Ersten Weltkrieg mit
Fahrzeugen. Während des Zweiten Weltkriegs weitete GM seine Produktion massiv
aus und wurde zu einem der größten Industriepartner der alliierten
Kriegsanstrengungen.
Diese Tradition wurde 2017 mit der Gründung von GM Defense
als eigenständiger Tochtergesellschaft formalisiert. Seither hat das
Unternehmen unter anderem auf Chevrolet-Plattformen basierende Fahrzeuge für
das Infantry Squad Vehicle der US Army entwickelt und
Wasserstoff-Brennstoffzellenantriebe für taktische Mobilitätsanwendungen
erprobt.
Frank St. John, Chief Operating Officer bei Lockheed Martin,
erklärte, die Partnerschaft spiegele die wachsende Bedeutung industrieller
Fertigungskapazitäten für die nationale Sicherheit wider. „Amerikas Sicherheit
hängt nicht nur davon ab, fortschrittliche Technologien zu entwickeln, sondern
auch von unserer Fähigkeit, sie schnell, zuverlässig und in großem Maßstab zu
produzieren“, sagte er.
„Diese Zusammenarbeit bringt zwei führende Unternehmen der
amerikanischen Fertigung und Innovationskraft zusammen, um neue Wege zu prüfen,
die verteidigungsindustrielle Basis zu stärken, Produktionskapazitäten
auszubauen und die Bereitstellung kritischer Fähigkeiten für die Vereinigten
Staaten und ihre Verbündeten zu beschleunigen.“
Gemeinsam werden GM Defense und Lockheed die amerikanische Fertigung und die nationale Verteidigung weiter stärken, indem sie mehr Geschwindigkeit, Effizienz und Innovation in die Luft- und Raumfahrt- sowie Verteidigungssektoren bringen.
Steve duMont, GM Defense
„Gemeinsam werden GM Defense und Lockheed die amerikanische
Fertigung und die nationale Verteidigung weiter stärken, indem sie mehr
Geschwindigkeit, Effizienz und Innovation in die Luft- und Raumfahrt- sowie
Verteidigungssektoren bringen“, sagte GM Defense-Chef Steve duMont. „In den
kommenden Wochen werden wir daran arbeiten, erste Projekte zu identifizieren,
die wir gemeinsam verfolgen wollen.“
Eine breitere industrielle Neuordnung
Die Kooperation entsteht vor dem Hintergrund einer
umfassenderen Neuausrichtung in der Automobilindustrie. Hersteller auf beiden
Seiten des Atlantiks richten ihren Blick zunehmend auf Verteidigungsausgaben,
um eine schwächere Nachfrage und ungenutzte Produktionskapazitäten inmitten
militärischer Eskalationen auf der Weltbühne auszugleichen.
Unabhängig davon will GM bei einem Auftrag des britischen
Verteidigungsministeriums für 4x4-Militärfahrzeuge mitbieten. Das Volumen liegt
bei 900 Millionen Pfund, umgerechnet rund 1,04 Milliarden Euro. Dazu hat der
Konzern ein Konsortium mit BAE Systems und NP Aerospace gebildet, das gegen den
konkurrierenden Bieter Jaguar Land Rover antritt – obwohl GM derzeit über keine
Produktionsstandorte in Großbritannien verfügt.