Volkswagen führt Steuerung zentraler Funktionen zusammen
Ab Januar 2026 steuert Volkswagen zentrale Funktionen der Volumenmarken gemeinsam. Ein neuer Markengruppenvorstand soll Entscheidungen beschleunigen, Kosten senken und die industrielle Basis der Brand Group Core neu ordnen.
Thomas Schäfer bleibt der Chef der neu strukturierten Brand Group Core.Volkswagen / Collage
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Rund ein Jahr nach der Einigung rund um die Zukunft der
deutschen VW-Werke und den damit verbundenen Plänen zum massiven Personalabbau
geht der Volkswagen-Konzern nun den nächsten Schritt. Dieses Mal betrifft es
jedoch nicht die „einfachen“ Arbeiter, sondern die hochbezahlten Manager.
Bereits Ende 2025 kommunizierte der zweitgrößte Autobauer der Welt, seine Verantwortlichkeiten
auf der iberischen Halbinsel zu bündeln. Nun wird dieser Weg fortgesetzt: Die
Wolfsburger wollen die Steuerung zentraler Funktionen ihrer Volumenmarken in
der Brand Group Core zusammenführen. Produktion, Technische Entwicklung und
Beschaffung werden künftig markenübergreifend geführt. Der Konzern zieht damit weitere
Konsequenzen aus wachsendem Kostendruck, steigender Komplexität und parallelen
Modellanläufen.
Kern der Neuordnung ist ein neu geschaffener
Markengruppenvorstand, der die übergreifenden Entscheidungen für VW, Skoda,
Seat/Cupra und Volkswagen Nutzfahrzeuge trifft. Gleichzeitig werden die
Vorstände der einzelnen Marken verschlankt. Künftig bestehen sie jeweils aus
vier geschäftssteuernden Funktionen. Dadurch soll sich die Gesamtzahl der
Vorstandsmitglieder in der Brand Group Core bis Sommer 2026 um rund ein Drittel
reduzieren.
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Zentrale Steuerung statt paralleler Linien
Was organisatorisch nüchtern klingt, greift tief in die
industrielle Logik der Gruppe ein. Produktion, Entwicklung und Einkauf werden
aus der Markenhoheit herausgelöst und auf Ebene der Brand Group Core
zusammengeführt. Entscheidungen zu Kapazitäten, Technologien oder Lieferanten
sollen damit nicht mehr parallel, sondern gemeinsam getroffen werden. Das soll
Reibungsverluste dort reduzieren, wo bislang ähnliche Fragen mehrfach
beantwortet wurden.
Neues markenübergreifendes Steuerungsmodell in der Brand Group.Volkswagen
Der neue Markengruppenvorstand bringt mehr Schnelligkeit
und Steuerung im Sinne des markenübergreifenden Optimums. Thomas
Schäfer, CEO von Volkswagen Pkw und Leiter der Brand Group Core sagt, im Fokus stünden Effizienz im Management und eine höhere
Prozessgeschwindigkeit für wettbewerbsfähigere Produkte. Die neue Governance
reduziere Kosten und Strukturen und erhöhe zugleich das Effizienzniveau, so
Schäfer.
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Produktion als Hebel
Besonders konkret wird die Neuordnung in der Produktion.
Allein hier beziffert Volkswagen das kumulierte Einsparpotenzial bis 2030 auf
rund eine Milliarde Euro. Erreicht werden soll das über das neue
Steuerungsmodell „Future Production Governance“. Die mehr als 20 weltweit
produzierenden Werke der Brand Group Core werden künftig in fünf
Produktionsregionen organisiert. Regionsleiter übernehmen marken- und
länderübergreifend Verantwortung für Planung, Steuerung und Logistik.
Regionen sollen selbstständiger werden, schneller reagieren und Kapazitäten
flexibler nutzen.
Weniger Entwicklungsaufwand, mehr Skalierung
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Auch in der Technischen Entwicklung soll die neue
Struktur wirken. Durch die stärkere Bündelung markenübergreifender
Entwicklungsumfänge will Volkswagen Doppelarbeit reduzieren. Plattformen,
Module und Prozesse sollen konsequenter gemeinsam genutzt werden. Der
einzelne Entwicklungsbereich verliert dadurch Autonomie, aber Skaleneffekte
könnten, ja sollen davon profitieren.
Die Gesamtinvestitionen innerhalb der Brand Group Core
sollen dadurch auf ein höheres Effizienzniveau gehoben werden, so der OEM in
seiner Erklärung. Strategische Themen wie Software und Batterie verbleiben
dabei auf Konzernebene. Operative Entscheidungen rücken näher an die
Markengruppe.
Schlankere Führung, klarere Rollen
Parallel zur funktionalen Bündelung verändert sich die
Führungsarchitektur der Marken. Mit künftig vier Vorstandsressorts je Marke
verschiebt sich der Fokus stärker auf Ergebnisverantwortung,
Marktpositionierung und Vertrieb. Volkswagen formuliert das Prinzip wie folgt:
starke Geschäftssteuerung und Markenprägung vor dem Kunden, getragen von einem
schlanken und effizienten Innenverhältnis. Die vollständige Umsetzung des neuen
Steuerungsmodells ist bis Sommer 2026 geplant.
Von außen betrachtet ist dieser Schritt lange überfällig.
Insbesondere für die Belegschaft in Deutschland dürfte diese Ankündigung auf
Zufriedenheit stoßen, forderten die Beschäftigten doch immer wieder, dass nicht
nur bei ihnen, sondern auch im Management der Gürtel enger geschnallt werden
müsse.
Die Neuordnung der Brand Group Core ist weniger eine
Organisationsreform als ein industriepolitischer Schritt. Sie adressiert genau
dort, wo Komplexität teuer wird: in parallelen Entscheidungen, fragmentierten
Strukturen und langsamen Abstimmungen. Für die Werke bedeutet das mehr
regionale Verantwortung bei gleichzeitig klareren Vorgaben. Ob die versprochenen Effekte eintreten, wird
sich jedoch nicht in Organigrammen zeigen, sondern in
Investitionsentscheidungen, Anlaufstabilität und Stückkosten.