Renault verschärft seine Produktionsstrategie: Mit digitalisierten Werken, neuen Elektro-Plattformen und strafferen Entwicklungsprozessen will der Konzern Kosten deutlich senken und bis 2030 über zwei Millionen Fahrzeuge pro Jahr absetzen.
Redaktion Redaktion
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Wie viele andere OEMs hofft auch Renault auf mehr Produktivität und geringere Fertigungskosten durch den Einsatz künstlicher IntelligenzRenault / PRG PHOTOGENIC
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Renault richtet mit dem Strategieprogramm „futuREady“ seine
globale Industrie- und Produktplanung neu aus. Der Konzern verfolgt damit das
Ziel, Effizienz und Entwicklungsgeschwindigkeit deutlich zu erhöhen und
zugleich ambitionierte Wachstumsziele bis 2030 zu erreichen.
Unternehmensboss François Provost bezeichnet den Ansatz als
„entscheidenden Schritt“ in einem Umfeld verschärfter internationaler
Konkurrenz und betont, man habe seit seinem Amtsantritt im vergangenen Sommer
„weltweit gemeinsam einen Plan erarbeitet, der Renault auf einen Pfad zu
robuster und nachhaltiger Performance führt“.
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Zuletzt meldete Boulogne-Billancourt für das vergangene Jahr einen Verlust in zweistelliger Milliardenhöhe und prognostizierte für das laufende Jahr deutlich niedrigere Gewinnmargen. Neben Altlasten durch die Neustrukturierung rund um die japanische Schwester Nissan dürften vor allem zunehmende Konkurrenz in Europa, die Expansion etwa nach Lateinamerika und Asien sowie der Anlauf neuer Elektromodelle auf die Profitabilität der Renault-Gruppe drücken.
Renault formuliert neue Absatz-Ambitionen
Reanault-CEO Provost setzt auf straffere Produktion und EntwicklungRenault / philippe servent
Bis 2030 planen die Franzosen den Absatz der Marke Renault
auf mehr als zwei Millionen Fahrzeuge jährlich zu
steigern, wobei die Hälfte der Verkäufe außerhalb Europas erfolgen soll. Renault strebt in Europa vollständig elektrifizierte Verkäufe an, während Dacia sein Wachstum im C‑Segment fortsetzen und seinen
Modellmix deutlich elektrifizieren will. Alpine wiederum arbeitet an einer
breiteren Modellpalette, die über die nächste Generation des A110 hinausgeht.
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Für Provost ist die Zielsetzung eng mit
industrieller Leistungsfähigkeit verbunden: „Europas führender
Automobilhersteller zu werden, bedeutet, in Europa Produkte zu entwickeln und
herzustellen, die in Bezug auf Technologie und Wettbewerbsfähigkeit erstklassig
sind.“
So will Renault die Fertigungs- und Logistikkosten senken
Besonders tiefgreifend fallen die Veränderungen in der
Produktion aus. Renault will die Fertigungskosten pro Fahrzeug um ein Fünftel
reduzieren und die Zahl der verbauten Komponenten um rund 30 Prozent senken.
Gleichzeitig sollen dank KI‑gestützter
Fertigungsüberwachung die Maschinenstillstände halbiert und der Energieverbrauch in den Werken um ein
Viertel verringert werden.
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Ein vollständig
digitalisiertes Produktionssystem auf Basis eines industriellen Metaverse aller
Werke soll sämtliche Prozesse in Echtzeit erfassen
und Qualitätsabweichungen frühzeitig erkennbar machen. Ergänzend werden 350
humanoide Roboter in Bereichen eingesetzt, in denen heute noch schwere oder
monotone Arbeitsschritte nötig sind.
Ein zusätzlicher Schwerpunkt liegt im Bereich der
Lieferketten. Renault baut seine Supply‑Chain‑Steuerung mit drei digitalen
Control Towers aus, die sämtliche Warenströme – von den Werken über Zulieferer
und Händlernetzwerke bis hin zum Kunden – in Echtzeit überwachen sollen. Das
System soll Risiken frühzeitig identifizieren, die Lieferfähigkeit sichern und
die Abläufe über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg stabilisieren. Ziel ist
es, die Logistikkosten durch die ganzheitliche Steuerung um rund 30 Prozent zu
senken.
„China Speed“ auf französisch
Renault will die Entwicklungszeiten für neue Modelle deutlich verkürzen.Renault
Parallel dazu verkürzt der Konzern die Entwicklungszyklen
neuer Modelle auf zwei Jahre, um mit dem Tempo chinesischer Wettbewerber mithalten
zu können. Provost spricht in diesem Zusammenhang von der Notwendigkeit,
„Leistung, Innovation und Robustheit zu kombinieren“.
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Auch technologisch setzt das Unternehmen auf eine tiefere
Integration moderner E/E-Architekturen. Mit der neuen RGEV‑Medium‑2.0‑Plattform
entwickelt Renault eine 800‑Volt‑Struktur, die Ladezeiten von etwa
zehn Minuten ermöglichen soll und gleichzeitig die
Herstellkosten der Plattform um etwa 40 Prozent senkt. Das System ist modular
ausgelegt und soll Reichweiten von bis zu 750 Kilometern ermöglichen, sodass es für Modelle vom
B+‑
bis zum D‑Segment nutzbar ist. Gefertigt und entwickelt wird die
Plattform überwiegend in Frankreich, was Renaults Anspruch unterstreichen soll,
die zentrale technologische Wertschöpfung in Europa zu halten.
Renault setzt auf internationale Expansion
Parallel zur eigenen Modelloffensive baut der Konzern seine
Rolle als Fertigungspartner aus. Renault rechnet damit, bis 2030 mehr als
300.000 Fahrzeuge für Nissan, Mitsubishi, Volvo Trucks und Ford zu produzieren.
Besonders die Standorte in Indien gewinnen dabei an Bedeutung, da sie sowohl
lokale Märkte bedienen als auch globale Fertigungslieferungen abdecken sollen.
Auch Südkorea und Südamerika bleiben wichtige Produktionsstandorte im
internationalen Netzwerk.
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Mit futuREady bereitet Renault sein industrielles Fundament
so auf, dass Produktionsprozesse stärker digitalisiert, Strukturen gestrafft
und technologische Plattformen kosteneffizient weiterentwickelt werden.
Insgesamt soll die Kombination aus niedrigeren Fertigungskosten, beschleunigten
Entwicklungsprozessen und einem erweiterten internationalen Produktionsverbund
eine stabile Wachstumsbasis schaffen. Provost fasst den Anspruch wie folgt zusammen:
„Heute wissen wir, wohin wir wollen, wie wir dorthin gelangen – und mit wem.“