VW-Beschäftigte in Zwickau kämpfen für ihre Zukunft
Beschäftigte des VW-Werks in Zwickau demonstrieren für die Zukunft ihres Arbeitsortes. Trotz Stellenabbau und Sparplänen fordern sie klare Perspektiven – und hoffen auf neue Jobs durch Kreislaufwirtschaft ab dem Jahr 2030.
In Zwickau werden mittlerweile ausschließlich E-Autos von VW gebaut. Das bedeutet indes keine sichere Zukunft für die Beschäftigten am sächsischen Standort.
Volkswagen / Oliver Killig
Beschäftigte von Volkswagen haben mit ihren Familien für
eine langfristige Zukunft der Automobilproduktion in Zwickau demonstriert. „Diese
Region und das Land Sachsen sind mit dem Automobilbau groß geworden“, sagte der
Betriebsratsvorsitzende Mario Albert. Und den müsse es hier auch in Zukunft
geben. Sein Stellvertreter Mike Rösler ergänzte: „Lasst uns alle gemeinsam
kämpfen, dass wir nach dem 31.12.2030 hier noch ein Volkswagen-Logo am Tor
haben, hier noch Volkswagen-Produkte bauen.“
Jüngst hatte ein Bericht über ein weiteres Sparprogramm mit einem Volumen von
rund 60 Milliarden Euro bei Volkswagen für Aufregung gesorgt. Laut Manager
Magazin sollen die Kosten bis 2028 um 20 Prozent sinken. Grund für den Schritt
seien die schleppenden Verkäufe in China und die US-Zölle. Die
Tarifvereinbarung von Ende 2024 sieht vor, bis 2030 bundesweit 35.000 Stellen
sozialverträglich abzubauen. Dafür wurden Werkschließungen ausgeschlossen.
1.200 Arbeitsplätze abgebaut
Infolgedessen hat auch die Zwickauer Auto-Fabrik Federn lassen müssen. Den
Angaben zufolge sind seither 1.200 Arbeitsplätze verloren gegangen – durch
altersbedingte Abgänge, Aufhebungsverträge und weil befristete Verträge nicht
verlängert wurden. Inzwischen werden in Zwickau nur noch in zwei statt früher
drei Schichten Autos gebaut. In den kommenden Jahren muss das Werk zudem
mehrere Modelle an andere Standorte abgeben.
Dafür erhält Zwickau das neue Geschäftsfeld der Kreislaufwirtschaft. Ab 2030
sollen hier jährlich bis zu 15.000 Fahrzeuge je nach Zustand für Kunden neu
aufbereitet oder zerlegt werden, um einzelne Bauteile zum Beispiel für Gebrauchtwagen
wiederzuverwenden oder Rohstoffe zurückzugewinnen. Die Rede ist von etwa 1.000
Jobs, die so gesichert werden.
Aktuell Mehrarbeit für viele VW-Beschäftigte in Zwickau
Im Zwickauer Volkswagen-Werk werden ausschließlich Elektroautos gebaut. Aktuell
gibt es an einer der beiden Produktionslinien Mehrarbeit. So arbeitet die
Spätschicht eine Stunde länger, die Frühschicht absolviert eine wöchentliche
Sonderschicht. Das sei aber nur eine Momentaufnahme, erklärte Albert. Die
Entwicklung im Nahen Osten mit ihren Auswirkungen auf die Benzinpreise
hierzulande zeige, dass E-Mobilität die Zukunft sei, ergänzte Rösler. Es
brauche aber weitere flankierende Maßnahmen mit Blick auf die
Ladeinfrastruktur, den Ladestrompreis und ein einheitliches Bezahlsystem.
Die Beschäftigten in Zwickau wählen in der kommenden Woche einen neuen
Betriebsrat. Etwa 8.200 Mitarbeiter sind wahlberechtigt. Um die 35 Plätze
konkurrieren neben der traditionell starken IG Metall zwei weitere Listen. Im
Chemnitzer Motorenwerk von VW hat sie nach eigenen Angaben jüngst 77 Prozent
der Stimmen geholt und damit 13 von 17 Sitzen. Die übrigen gehen an das Bündnis
freie Betriebsräte.