Visualisierung des Projekts Trinity

Ob es das Modell Trinity jemals geben wird, steht in Frage. Bisher existiert vom Modell lediglich eine schemenhafte Visualisierung. (Bild: Volkswagen)

Ein Vorbild für alle anderen zukünftigen Werke auf der Welt sollte es werden. So hatte es Sebastian Schmickartz, CPO des neuen Trinity-Werks auf der IZB im Oktober noch angepriesen. Moderner, smarter, schneller, einfach besser als alle anderen Werke – und das alles bis 2026. Gut einen Monat vorher trat Volkswagens neuer CEO seinen Dienst an. Lange hat er nicht gebraucht, um den Konzern auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen. „Oliver Blume ist pragmatischer und geht die Probleme an, die es jetzt gibt, Anstatt die Vision zu haben, langfristig Tesla zu schlagen“, sagt Thomas Meininger von S&P Global Mobility. Und die aktuellen Probleme scheinen nicht kleiner zu werden.

Vor allem die Software bereitet den Wolfsburger Bauchschmerzen. Dabei sollte gerade sie der Schlüssel zur ebenfalls mit Vorschusslorbeeren überschütteten Zukunftsplattform SSP werden. „Die Grundidee hinter der SSP-Plattform war, dass es ein Regal gibt, in das der komplette Konzern reingreifen kann, wo der Konzern aber auch vorgibt, was es alles gibt“, so Meininger. Dadurch wollte man die Einzelgänge der verschiedenen Marken ein Stück weit eingrenzen. Doch auch die Zukunft der Einheitsplattform steht in den Sternen.

Kommen ID.Golf und ID.Tiguan?

Noch hat Volkswagen die Gerüchte rund um die Zukunft des Trinity-Projekts weder bestätigt noch dementiert. Sollte es jedoch so kommen, würde das eine Stärkung der bisherigen Modellreihen bedeuten, prophezeit Meininger. Vor allem die MEB-Plattform dürfte Upgrades erhalten. Derivate bekannter Modelle wie des ID.3 seien wahrscheinlich. Und auch das Ende beliebter Modellnamen aus der Verbrennerzeit, allen voran Golf und Tiguan, könnte abgewendet werden. Ein ID.Golf oder ein ID.Tiguan sind aus Sicht des Experten nicht unwahrscheinlich.

Ein weiterer möglicher Grund für die Diskussionen um Trinity findet sich in Ingolstadt und Stuttgart. Vor allem für Audi und Porsche sei es immer ein Problem gewesen, dass Trinity der VW-Marke als allererstes die SSP-Plattform bescheren würde, so Meininger. Insgesamt passe es in die Stimmung im Konzern, dass die bekannteren Produkte und Marken gestärkt würden und weniger auf Speedboat-Lösungen gesetzt wird.

Das Problem der Produktionszeit

Doch gerade Speed sollte ein weiterer Kernfaktor der neuen SSP-Plattform sein. Durch sie wollte Volkswagen es schaffen, ein Auto in zehn Stunden zu bauen und damit zu Tesla aufzuschließen. Gelingen sollte dies durch weniger Hardware-Komponenten und eine entsprechend geringere Komplexität. Trotzdem sollten die Individualisierungsmöglichkeiten mehr werden – dank innovativer Software. Womit sich jedoch wieder der Kreis zu eben diesen aktuellen Problemen im Konzern schließt. Eine Verbesserung der aktuellen Plattformen zeichnet sich ab und würde zunächst einmal die Produkte verbessern, nicht aber zwingend die Produktionszeit-Thematik lösen. Diese signifikant zu senken und damit auch die Kosten in den Griff zu bekommen, sei ein wesentlicher Punkt, so Meininger.

Wie konkurrenzfähig sind MEB und PPE?

Statt großer Zukunftsvisionen lautet die Devise der Gegenwart also Schadensbegrenzung. Wenn schon Trinity und die SSP-Plattform in Frage stehen, will der OEM wenigstens die bisherigen Projekte auf Kurs bringen – allen voran die Premium-Plattform PPE. Sie soll Over-the-Air-Updates ermöglichen, doch auch dafür bedarf es einer reibungslosen Software. Auch hier bestehen bei Volkswagen Sorgen, den Anschluss zur Konkurrenz zu verlieren. „Offensichtlich ist Mercedes mit der EVA2-Plattform schon dort, wo Volkswagen mit der PPE hinwill“, sagt Thomas Meininger. Daher sei für Blume und sein Team oberste Priorität, gegenüber dem direkten Premiumumfeld nicht noch weiter nach hinten zu fallen.

Ein Lichtblick könnte die für die MEB-Plattform geplante Einheits-Batteriezelle werden, die in 80 Prozent aller Konzernmodelle eingebaut werden soll. Sie könnte zumindest für die erhofften Skaleneffekte sorgen. Trotzdem würde man die eigentliche erhofften Synergieeffekte nicht erreichen.

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