Rüstungskonzern KNDS sucht Partner
Wird der Mercedes-Standort Ludwigsfelde zum Panzer-Werk?
Rüstungskonzern KNDS sucht aktuell nach Partnern für den Panzer-Hochlauf. Im Spiel scheint unter anderem auch das Mercedes-Werk Ludwigsfelde zu sein. Noch ist nichts in trockenen Tüchern, beide Unternehmen signalisieren Offenheit.
Werden in Mercedes' Sprinter-Werk in Ludwigsfelde künftig Panzer vom Band rollen?
Mercedes-Benz
Die wachsende Nachfrage nach Rüstungsgütern bringt Bewegung
in die deutsche Automobilindustrie: Der deutsch-französische Rüstungskonzern
KNDS prüft im Zuge seines geplanten Kapazitätsausbaus mögliche Partnerschaften
– und rückt dabei auch das Mercedes-Benz-Werk im brandenburgischen Ludwigsfelde
in den Fokus.
KNDS bestätigte gegenüber dem Spiegel, dass das Unternehmen
im Zuge seines Wachstums geeignete Partner für den Hochlauf im Rüstungsbereich
sucht. Zu konkreten Kandidaten äußerte sich der Konzern jedoch nicht. „An
Spekulationen zu möglichen Partnern beteiligen wir uns nicht“, erklärte ein Sprecher
gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.
Verschiedene Szenarien für Ludwigsfelde im Gespräch
Nach Informationen aus Branchenkreisen wird neben einer
vollständigen Übernahme auch ein Stufenmodell diskutiert: Demnach könnte KNDS
zunächst Teile des Werks anmieten, um dort militärische Fahrzeuge zu fertigen,
während parallel weiterhin Transporter von Mercedes-Benz produziert werden.
Betroffen wären auch Teile der rund 2.000 Beschäftigten am Standort.
Mercedes-Benz äußert sich nicht konkret zu den Spekulationen
, bestätigt jedoch strategische Überlegungen für Ludwigsfelde. Der Standort
produziert aktuell Varianten des Transporters Sprinter sowie des E-Sprinters.
Nach Angaben des Unternehmens wird die Nachfrage über das Jahr 2030 hinaus als
stabil eingeschätzt, gleichzeitig steht die Fertigung unter Kostendruck.
Parallel dazu führt die Geschäftsleitung Gespräche mit dem Betriebsrat über die
künftige Ausrichtung des Werks. Ziel sei eine „zukunftsfähige Lösung“, die
sowohl wirtschaftliche als auch beschäftigungspolitische Aspekte
berücksichtigt.
Rüstungsboom trifft auf Überkapazitäten
Der mögliche Schulterschluss ist Teil eines größeren Trends:
Während die Automobilindustrie in Europa mit Überkapazitäten, Transformation
zur Elektromobilität und schwankender Nachfrage konfrontiert ist, wächst die
Rüstungsindustrie deutlich. Steigende Verteidigungsbudgets in Europa treiben
den Bedarf an militärischen Fahrzeugen und Systemen.
KNDS, hervorgegangen aus der Fusion von Krauss-Maffei
Wegmann und Nexter, plant massive Investitionen in neue Produktionskapazitäten.
Hintergrund ist unter anderem die erwartete Nachfrage nach gepanzerten
Fahrzeugen wie dem Radpanzer Boxer. Für mögliche Großaufträge – etwa durch die
Bundeswehr – reichen die bestehenden Kapazitäten nach Einschätzung des
Unternehmens gegenüber dem Spiegel nicht aus.
Bereits heute kooperiert KNDS mit Automobilzulieferern: So
unterstützt etwa Dräxlmaier die Produktion des Boxer. Weitere Partnerschaften würden
aktiv geprüft.
Automobil-Knowhow als strategischer Hebel
Auch bei Mercedes-Benz wächst die Offenheit gegenüber dem
Verteidigungssegment. Konzernchef Ola Källenius betonte gegenüber dem Wall
Street Journal , dass ein Engagement „wirtschaftlich sinnvoll“ sein müsse,
schloss eine Ausweitung entsprechender Aktivitäten jedoch nicht aus. Die Stärke
des Konzerns liege insbesondere in der effizienten Großserienproduktion
komplexer Fahrzeuge – ein Knowhow, das auch im militärischen Kontext zunehmend
gefragt sei.
Das Unternehmen verweist darauf, bereits seit Jahren im
Sicherheits- und Verteidigungsumfeld aktiv zu sein, etwa durch modifizierbare
Fahrzeugplattformen und die Lieferung von Fahrgestellen an spezialisierte
Anbieter. Dieser Bereich werde als „strategisches Entwicklungsfeld“ gesehen und
in Kooperation mit Partnern weiterentwickelt.
Offene Perspektiven für den Standort
Die Zukunft des Werks Ludwigsfelde bleibt indes offen. Neben
KNDS gibt es auch branchenweit weitere Überlegungen zur Nutzung freier
Kapazitäten in der Automobilproduktion für militärische Zwecke. Parallel wird
bekannt, dass KNDS auch andere Standorte prüft, darunter das VW-Werk in
Osnabrück.
Für Ludwigsfelde zeichnet sich damit ein mögliches
Transformationsszenario ab, in dem klassische Automobilproduktion und
militärische Fertigung koexistieren könnten. Ob daraus eine dauerhafte
Partnerschaft oder ein vollständiger Eigentümerwechsel entsteht, ist jedoch
weiterhin unklar.
Mit Material der dpa.