Vor dem Start der Neuen Klasse

BMW startet Vorserienfertigung des neuen i3 im Werk München

Mit den ersten Vorserienfahrzeugen des neuen i3 beginnt im BMW-Stammwerk München die finale Phase vor dem Serienanlauf der Neuen Klasse in der zweiten Jahreshälfte 2026.

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Der neue i3 ist das zweite Modell von BMWs Neuer Klasse und soll Ende 2026 in München in Serie produziert werden.

Man soll den Tag bekanntlich nicht vor dem Abend loben, doch bislang läuft es bei BMW. Der Anlauf des ersten Modells der Neuen Klasse, dem iX3, ist in vollem Gange. Und nun hat im Stammwerk München die Vorserienfertigung des neuen i3 begonnen. Erstmals entstehen dort nahezu serienreife Fahrzeuge, die sämtliche Produktionsschritte im Stammwerk durchlaufen. Damit startet die finale Vorbereitungsphase für den Serienanlauf in der zweiten Jahreshälfte 2026. 

Auch wenn die Stückzahlen in dieser Phase noch niedrig sind, müssen alle Logistikprozesse, Anlagen und Arbeitsschritte bereits unter Realbedingungen funktionieren. Jedes Bauteil wird über die vorgesehenen Materialflüsse an die Linie gebracht, jeder Prozessschritt überprüft und feinjustiert. Ziel ist es, potenzielle Schwachstellen frühzeitig zu erkennen und die Abläufe vor dem Hochlauf zu stabilisieren.

Für das Münchner Werk markiert dieser Schritt einen tiefen Einschnitt. Noch 2024 war der Standort von massiven Umbauarbeiten geprägt.  Während täglich rund 1.000 Fahrzeuge produziert wurden, entstanden neue Gebäude, alte Produktionsbereiche wurden zurückgebaut und Logistikrouten neu organisiert. Auf engstem Raum liefen Abriss, Neubau und Serienfertigung parallel. Dass nun komplette Fahrzeuge der Neuen Klasse im Werk gefertigt werden können, ist ein sichtbares Signal, dass die umfangreichen Umbauprozesse die entscheidende Phase erreicht haben.

„Die Produktion der Vorserienfahrzeuge ist ein wichtiger Meilenstein für unser Werk“, sagt Peter Weber, Leiter des BMW Werk München. „Damit haben wir erstmals einen BMW i3 komplett in unserem Werk gefertigt. Die nun nahezu serienreife Produktion zeigt, dass unsere Logistik- und Produktionsabläufe unter Realbedingungen funktionieren.“

Belastungstest für neue Produktionsstrukturen

Mit dem Vorserienlauf werden erstmals alle modernisierten Fertigungs- und Logistikbereiche gemeinsam erprobt. Dazu zählen das modernisierte Presswerk, der neu aufgebaute Karosseriebau, die Lackiererei sowie neue Montage- und Logistikstrukturen. Alle Teile werden bereits über die final vorgesehenen Materialflüsse bereitgestellt und verarbeitet. Ein besonderer Fokus liegt auf der Freigabeprüfung der neuen Fertigungsanlagen und Werkzeuge sowie deren digitaler Anbindung an bestehende Systeme. Die Erkenntnisse aus diesem Testbetrieb sollen genutzt werden, um Prozesse weiter zu verfeinern und einen stabilen Serienstart abzusichern.

Parallel dazu laufen intensive Qualifizierungsmaßnahmen für die Belegschaft. Die Mitarbeiter werden zunächst virtuell geschult, unter anderem mit Augmented-Reality-Anwendungen, und anschließend direkt an den neuen Anlagen trainiert. Die enge Zusammenarbeit aller Produktionsbereiche soll sicherstellen, dass beim Serienanlauf alle Abläufe ineinandergreifen und Schnittstellen zwischen Produktion, Logistik und Instandhaltung stabil funktionieren.

Zweites Serienmodell der Neuen Klasse

Der neue i3 ist das zweite Serienfahrzeug der Neuen Klasse von BMW. Den Auftakt bildete der iX3, der im neuen ungarischen Greenfield-Werk in Debrecen produziert wird. Dort ist die Nachfrage nach dem elektrischen SUV aktuell so hoch, dass bereits eine zweite Schicht beauftragt wurde. Die Erfahrungen aus dem Hochlauf in Debrecen fließen auch in die Vorbereitung der Münchner Produktion ein, insbesondere bei Anlaufsteuerung, Qualifizierung und Prozessabsicherung.

Für BMW besitzt der i3 jedoch eine besondere strategische Bedeutung. Der 3er zählt seit Jahrzehnten zu den wichtigsten und ikonischsten Modellen der Marke. Kaum ein anderes Fahrzeug steht so stark für Volumen, Ertrag und Markenidentität. Entsprechend hoch sind die Erwartungen an die elektrische Neuinterpretation der Limousine und daran, wie sie von den Kunden angenommen wird. Dass der Vorserienlauf nun planmäßig startet, dürfte daher sowohl intern als auch extern aufmerksam registriert werden.

Schlüsselrolle für das Stammwerk

Für das Stammwerk in der bayrischen Landeshauptstadt bekommt der i3-Anlauf zusätzlich eine strukturelle Dimension. Der Standort fertigt heute mehrere Modelle und Antriebsarten auf einer Linie, darunter Verbrenner, Plug-in-Hybride und vollelektrische Fahrzeuge. Mit der Neuen Klasse steigt die Komplexität zunächst weiter, bevor sie mittelfristig wieder reduziert wird. Der i3 dient dabei als Referenzmodell, an dem Materialflüsse, Taktzeiten und die neue Hochbau-Logik unter Volumenbedingungen erprobt werden. Gelingt dieser Hochlauf wie geplant, dürfte er maßgeblich darüber entscheiden, wie schnell und stabil weitere Modelle der Neuen Klasse in bestehende Brownfield-Strukturen integriert werden können.