Bosch und Schaeffler forcieren humanoide Robotik
Auf dem Gebiet der humanoiden Roboter herrscht Bewegung. Technologieunternehmen wie Schaeffler und Bosch melden neue Technolgiepartnerschaften mit dem Ziel der Skalierung auf diesem Feld.
Schaeffler kündigt an, humanoide Roboter des britischen Unternehmens Humanoid in sein globales Fertigungsnetzwerk zu integrieren.
Daniel Karmann, Schaeffler
Sie stehen für Bewegung und Präzision in Perfektion, so Andreas Schick, Vorstand Produktion, Supply Chain Management und Einkauf bei Schaeffler. Der Manger des Zulieferers betont damit die Eigenschaften humanoider Roboter. Mehr denn je stehen die menschenähnlichen Systeme für eine neue Ära in der Fertigung. Man mag diesen Schub, den das Thema derzeit erfährt, dem technologischen Fortschritt zuschreiben, ähnlich der rasanten Entwicklungen auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz. Sicher ist jedoch auch, dass der allgegenwärtige Fachkräftemangel sowie die zahlreichen repetitiven Abläufe in der modernen Industrie dem Themenfeld eine zuletzt starke Präsenz verliehen hat. Nun geht das Thema mit neuen Engagements namhafter Industriekonzerne wie Schaeffler und Bosch in eine nächste Phase.
Schaeffler will bevorzugter Technologiepartner sein
Das für seine hochpräzisen Getriebe und Aktoren bekannte Zulieferunternehmen Schaeffler gibt aktuell bekannt, eine strategische
Technologiepartnerschaft mit dem britischen Technologieunternehmen
„Humanoid“ vereinbart zu haben. Im Fokus der Kooperation stehen die Entwicklung und
Lieferung von Schlüsselkomponenten, darunter innovative Aktoren, die sowohl in
radgestützten als auch in zweibeinigen Humanoiden zum Einsatz kommen. Für
radgestützte Systeme wird Schaeffler eigenen Angaben zufolge bevorzugter Lieferant von Aktoren. Zudem
plane man in den kommenden fünf Jahren mehrere hundert Humanoide in das eigene globale Fertigungsnetzwerk zu integrieren. Die Partnerschaft umfasst Liefervereinbarung von Aktoren sowie die Abnahme von
Humanoiden für die weltweite Fertigung.
Schaeffler bietet ein umfassendes Produktportfolio für humanoide Roboter an.
Dazu gehören skalierbare Lösungen wie lineare und rotatorische Aktoren
für präzise Bewegungen in Robotergelenken. Ein zentraler Bestandteil
der Partnerschaft mit dem Unternehmen Humanoid ist die Entwicklung und Lieferung von
Schaeffler-Wellgetriebeaktoren. Diese Aktoren werden vor allem im Oberkörper, in den Schultern und Armen von Humanoiden
eingesetzt. Dank ihres dem Zulieferer zufolge hervorragenden Gewichts-Drehmoment-Verhältnisses und
einer großen Hohlwelle sollen sie eine vollständig interne Verkabelung der
Aktoren und Extremitäten ermöglichen.
Schaeffler-Vorstand Schick erläutert: „Durch die enge Verzahnung von Entwicklung und Produktion realisieren
wir maßgeschneiderte Lösungen, die moderne humanoide Roboter auf ein neues
Level heben werden." Artem Sokolov, CEO und Gründer von Humanoid, sagt: „Seit Jahren findet
humanoide Robotik in Laboren, bei Produktdemonstrationen und ‚Proof-of-Concepts‘ statt, doch die reale Anwendung in großen Stückzahlen ist der Moment,
in dem die Technologie wirklich auf die Probe gestellt wird." Der CEO sieht die weitere Zukunft nicht alleine in beeindruckendem Potenzial von Demonstartionen sondern in der Fähigkeit,
sie im großen Maßstab zu skalieren und in realen Umgebungen einzusetzen.
Bosch kooperiert mit schwäbischem Roboterhersteller
Auch bei Bosch sieht man das Potenzial der humanoiden Robotik. Das Unternehmen hat dazu im vergangenen Jahr eigens ein Tochterunternehmen gegründet, die Robert Bosch Robotics GmbH. Durch sie wolle man die Möglichkeiten der Technologie stärker nutzen, heißt es in der Unternehmenszentrale in Stuttgart. Aktuellen Medienberichten zufolge hat man sich nun mit dem unweit der Landeshauptstadt in Metzingen ansässigen Roboterhersteller Neura Robotics zusammengetan und eine Kooperation vereinbart.
Neura Robotics ist ein 2019 gegründetes Startup, das im November vergangenen Jahres bereits eine
Zusammenarbeit mit Schaeffler verkündet hat. Ziel der Zusammenarbeit von Neura Robotiks mit Bosch sei es, die industrielle Skalierung von
humanoider Robotik voranzutreiben und das Zukunftsfeld weiterzuentwickeln. Für die neue Bosch-Einheit sollen in einem ersten
Schritt rund 70 Menschen arbeiten.
„Physische Trainingsdaten sind die größte Herausforderung in der
Robotik, niemand hat diese Daten", sagte Neura-Robotics-Chef David Reger
laut einer Mitteilung. Mit Bosch habe das Unternehmen nun „die Möglichkeit,
reale Daten zu erfassen, sie zu strukturieren und zu nutzen." Dafür sollen
laut Neura Robotics reale Arbeits-, Bewegungs- und Umgebungsdaten in
Bosch-Werken mit Sensor-Anzügen gesammelt werden.
Mit Material der dpa.