Diese chinesischen Autobauer produzieren in Europa
Von Ungarn und Spanien bis zum Vereinigten Königreich und der Slowakei investieren chinesische Autobauer in ganz Europa in neue Fabriken, Produktionspartnerschaften und Übernahmen – auch dank regulatorischer Änderungen, die die Lokalisierung vorantreiben.
BYD gehört zu einer Reihe chinesischer Automobilhersteller, die ihre Produktionspräsenz in Europa ausbauen.
BYD
Chinesische Autohersteller stehen kurz davor, Europas Fahrzeugfertigung ihren Stempel aufzudrücken. Sie bauen neue Werke, übernehmen ungenutzte Standorte oder springen dort rein, wo Kapazitäten freiliegen. Und von alldem werden sie in den nächsten Jahren noch viel mehr tun.
Es gibt viele Triebkräfte hinter diesen Schritten. Die entscheindenden sind sicherlich die Ende 2024 von der Europäischen Union angekündigten Zusatzzölle auf in China hergestellte E-Autos und der kommende Industry Accelerator Act (IAA). Zusammen ermutigen diese chinesische Unternehmen dazu, Pläne zur Herstellung von Fahrzeugen in der EU und potenziell auch im Vereinigten Königreich zu beschleunigen. Vorerst scheint die Türkei, von der erwartet worden war, ein Empfänger chinesischer Investitionen zu sein, das Nachsehen zu haben: BYD hat Pläne zum Bau einer Fabrik dort abgesagt – sehr zum Ärger der türkischen Behörden.
Aktuelle europäische Produktionspräsenz chinesischer OEMs
Diese besteht aus Folgendem:
Chery, das gerade die Produktion von Omoda-5-Fahrzeugen im ehemaligen Nissan-Werk in Barcelona aufgenommen hat; dieses Werk hat mehrere Verzögerungen erlebt, obwohl es in der Zwischenzeit einige Nutzfahrzeuge für die rein spanische Marke Ebro hergestellt hat. Chery hat gesagt, dass es möchte, dass dieses Werk eine globale Exportrolle spielt, mit einer Produktionskapazität von 150.000 Fahrzeugen pro Jahr; es bleibt abzuwarten, wie sich die Rolle dieses Werks ändert, falls die Produktion von Chery-Modellen bei Nissan in Sunderland beginnt
Das planen Chinas OEMs in Europa
Dies wird sich in den kommenden Jahren rasch ändern. Einige Projekte sind bereits bestätigt, aber noch nicht gestartet, da viele Details noch offen sind. Andere Vorhaben gelten bislang lediglich als Gerücht und wurden noch nicht offiziell bestätigt.
Bestätigte chinesische Investitionen:
MG (Teil von SAIC) wird in Galicien im Norden Spaniens ein Werk eröffnen, das 2028 eröffnet wird; eine Kapazität von 100.000 Einheiten pro Jahr wurde angekündigt, aber nicht, welche Modelle dort gebaut werden
Leapmotor wird bei Stellantis eine größere Rolle spielen und den Betrieb des Stellantis-Werks in Villaverde in Madrid übernehmen; die Übertragung dieses Werks könnte möglicherweise erst abgeschlossen sein, wenn die aktuelle Citroen C4/C4X-Baureihe 2028-29 ausläuft
Polestar wird das neue Volvo-Werk in Kosice in der Slowakei nutzen; Volvo verlautbarte, dass dieses Werk Modelle auf Basis der neuen SPA3-Plattform bauen wird, hat aber noch nicht gesagt, welche Volvo-Modelle betroffen sein werden. Der Polestar 7 wird dort jedoch ab 2027 gebaut werden
Chinesische Fahrzeuge werden auch bei Santana in Linares, Spanien, hergestellt werden. In den 1980er Jahren produzierte das Werk den Suzuki Samurai; in den letzten drei Jahrzehnten hat diese Fabrik jedoch entweder überhaupt keine Fahrzeuge produziert oder nur ein geringes Volumen an Geländefahrzeugen für den spanischen Markt hergestellt. Das Werk erlebt eine neue Blüte und produziert einen Pick-up auf Basis des Zhengzhou Z9 sowie SUVs auf Basis des SUV BAIC BJ40; Volumina wurden nicht bestätigt, dürften aber kaum mehr als 50.000 pro Jahr betragen
Mögliche weitere chinesische Investitionen
Zusätzlich zu den oben bestätigten Programmen gibt es mehrere sehr wahrscheinliche Programme, darunter:
BYD übernimmt ein bestehendes Werk
Eigentlich hatte BYD den Bau eines Werks in der Türkei angekündigt. Dennoch hielten sich Spekulationen, wonach das Unternehmen zusätzlich einen dritten Produktionsstandort innerhalb der EU prüfe, der parallel zum ungarischen Werk betrieben werden sollte. Ein konkreter Standort wurde jedoch nie bestätigt. Möglicherweise dem Beispiel von Leapmotor und Dongfeng folgend, erklärte BYD stattdessen, eine bestehende Fabrik übernehmen zu wollen, wobei Spanien als bevorzugter Standort gilt.
Unklar bleibt allerdings, welches Werk in Spanien dafür infrage kommen könnte. Renault hat erklärt, keinen Partner zu benötigen, während die spanischen Volkswagen-Werke durch feste Modellzuweisungen ausgelastet sind und jüngste Investitionen in die Elektromobilität nun in die Serienproduktion übergehen. Auch die spanischen Werke von Stellantis gelten als vergeben, und das Ford-Werk in Valencia scheint ebenfalls keine Option zu sein. Sollte BYD tatsächlich die Übernahme einer bestehenden Produktionsstätte anstreben, müsste das Unternehmen entweder mit einem anderen chinesischen Hersteller konkurrieren oder seinen Fokus auf Stellantis-Standorte in anderen europäischen Ländern richten. Dort bestehen unter anderem in Italien, Deutschland und Frankreich noch freie Kapazitäten.
Chery übernimmt Linie 1 bei Nissan
Nissan wird die Produktion in seinem Werk Sunderland auf die zweite Fertigungslinie konzentrieren, wodurch die erste Linie frei wird. Parallel dazu arbeiten Nissan und Chery an Plänen, die Produktion von Chery-Fahrzeugen nach Sunderland zu holen. Zwar wurde bislang lediglich eine unverbindliche Absichtserklärung unterzeichnet, Brancheninsider berichten jedoch, dass die Gespräche zügig voranschreiten. Ein Produktionsstart von Chery-Modellen ab 2028 gilt daher als wahrscheinlich, möglicherweise sogar bereits im dritten Quartal 2027.
Noch offen ist, wie hoch der lokale Wertschöpfungsanteil ausfallen wird und ob die Fertigung zunächst überwiegend auf angelieferten Bausätzen basieren wird. Langfristig dürfte Chery jedoch einen deutlich höheren lokalen Produktionsanteil benötigen. Mit einer reinen CKD- oder SKD-Montage wären die erforderlichen Lokalisierungsquoten für einen nachhaltigen Erfolg auf dem europäischen Markt kaum zu erreichen.
Dongfeng nutzt freie Kapazitäten bei Stellantis
Kurz vor seinem jüngsten Investor Day im Juni kündigte Stellantis Pläne an, wonach Dongfeng künftig bis zu 40.000 Voyah-SUVs pro Jahr im Werk Rennes produzieren könnte. Der Standort fertigt derzeit ausschließlich den Citroën C5 Aircross. Eine Umsetzung des Vorhabens würde voraussichtlich nicht vor 2028 beginnen. Allerdings wurde die entsprechende Vereinbarung Medienberichten zufolge bislang noch nicht unterzeichnet, sodass das Projekt weiterhin unter Vorbehalt steht.
Geely nutzt freie Kapazitäten bei Ford und bei Volvo
Ford verfügt in seinem spanischen Werk in Valencia über freie Produktionskapazitäten von mehr als 150.000 Fahrzeugen pro Jahr. Geely gilt derzeit als aussichtsreichster Kandidat für die Übernahme einer ungenutzten Montagehalle am Standort. Eine offizielle Bestätigung wird zwar seit Längerem erwartet, zuletzt gab es jedoch kaum neue Entwicklungen.
Darüber hinaus wird spekuliert, dass Geely oder andere Marken des Konzerns, etwa Lynk & Co, einen Teil ihrer Produktion aus China in das Volvo-Werk im belgischen Gent verlagern könnten. Diese Möglichkeit erscheint umso realistischer, seit die belgische Regierung ihre Bereitschaft signalisiert hat, den Standort zu unterstützen und damit dessen langfristige Zukunft zu sichern.