Aus Valencia

Ford nutzt Geely-Plattform für neues SUV 

Fords neuer Crossover für den europäischen Markt wird auf der GEA-Architektur von Geely basieren. Der amerikanische OEM treibt damit in Valencia die Lokalisierung seiner europäischen Lieferkette weiter voran.

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Geelys GEA-Architektur wurde von Beginn an darauf ausgelegt, unterschiedliche Antriebskonzepte innerhalb einer gemeinsamen Fahrzeugstruktur zu ermöglichen.

Als Ford und Geely im Juli ihr Joint Venture für das Werk in Valencia ankündigten, erläuterten beide Unternehmen ausführlich die wirtschaftliche Logik hinter der Zusammenarbeit. Über die technische Basis des Projekts hielten sie sich jedoch weitgehend bedeckt. Diese Informationslücke schließt sich nun teilweise. An Conghui, seit Kurzem Chairman von des Geely-Konzerns, bestätigte im Rahmen einer Bilanzpressekonferenz, dass Fords kommender Multi-Energie-Crossover für Europa auf Geelys „Global Intelligent New Energy Architecture“ (GEA) aufbauen wird.

Eine Plattform für unsichere Marktbedingungen

Die Entscheidung ist weniger aufgrund der Plattform selbst bemerkenswert als vielmehr wegen der Signale, die sie über Fords Einschätzung des europäischen Marktes aussendet. Die GEA-Architektur wurde von Beginn an darauf ausgelegt, unterschiedliche Antriebskonzepte innerhalb einer gemeinsamen Fahrzeugstruktur zu ermöglichen. Sie unterstützt batterieelektrische Antriebe ebenso wie Plug-in-Hybride und Range-Extender-Konzepte.

Diese Flexibilität besitzt für Ford besondere Relevanz. Der Hersteller hat seine ursprünglich sehr ambitionierten Elektrifizierungspläne für Europa zuletzt zugunsten eines breiter aufgestellten Antriebsportfolios angepasst. Anstatt auf eine reine Elektrofahrzeug-Plattform zu setzen, erhält Ford mit GEA eine Architektur, die sich an die tatsächliche Nachfrage des Marktes anpassen kann.

Dabei handelt es sich keineswegs um ein unerprobtes Konzept. Die Plattform kommt bereits in der Geely-Galaxy-Modellfamilie sowie im EX5 zum Einsatz. Zudem findet sie über eine separate Kooperation zwischen Geely und Renault bereits Verwendung in Fahrzeugen für den südamerikanischen Markt.

Mit Ford erreicht die Architektur nun auch Westeuropa. Noch vor wenigen Jahren hätte eine derart enge Plattformkooperation zwischen einem US-amerikanischen und einem chinesischen Automobilhersteller als eher unwahrscheinlich gegolten.

Auswirkungen auf das Werk Valencia

Copilot said: Auf Basis der Geely-GEA-Plattform entwickelt, ist der EX5 das meistverkaufte vollelektrische Modell des chinesischen Herstellers

Für das Werk in Valencia bringt die Bestätigung zusätzliche Klarheit in ein Projekt, das bislang vor allem unter den Gesichtspunkten Produktionsvolumen und Werksauslastung diskutiert wurde. Nach aktuellem Stand soll der Standort künftig fünf unterschiedliche Modelle fertigen: den bestehenden Ford Kuga, ein neues SUV der Bronco-Familie, zwei vollelektrische SUVs von Geely sowie den neuen Ford-Crossover auf Basis der GEA-Plattform. Alle Fahrzeuge werden innerhalb der im Juli vereinbarten Joint-Venture-Struktur produziert.

Branchenberichten zufolge wird der neue Ford-Crossover wesentliche technische Gemeinsamkeiten mit den beiden Geely-SUVs aufweisen, die ebenfalls in Valencia vom Band laufen sollen. Die drei Modelle werden auf denselben technischen Grundlagen aufbauen, gleichzeitig aber ihre eigenständigen Markenidentitäten behalten.

Genau dieser hohe Grad gemeinsamer Entwicklung macht die Kooperation wirtschaftlich attraktiv. Eine gemeinsame Architektur reduziert den Aufwand für Werkzeuge und Produktionsanlagen und erleichtert zugleich die Lokalisierung der Lieferkette. Beide Faktoren sind entscheidend für Fords Ziel, die von chinesischen Wettbewerbern gesetzten Kostenmaßstäbe auf dem europäischen Markt zu erreichen.

Für Geely bietet die Integration der eigenen Plattform in ein Ford-Fahrzeug wiederum die Möglichkeit, die Leistungsfähigkeit der Architektur in einem westlichen Marktumfeld unter Beweis zu stellen. Eine solche Bewährungsprobe haben bislang nur wenige in China entwickelte Fahrzeugplattformen durchlaufen.

Die Lieferkette rückt in den Fokus

Offen bleibt allerdings, in welchem Umfang Ford die Beschaffung der GEA-bezogenen Komponenten in Europa lokalisieren wird oder ob zentrale Systeme weiterhin aus China importiert werden. Diese Frage hat direkte Auswirkungen auf die Zulieferlandschaft rund um Valencia und auf die grundsätzliche Debatte über den Anteil chinesischer Wertschöpfung in Europa produzierter Fahrzeuge.

Fords Europachef Jim Baumbick bezeichnete das Joint Venture in Valencia bereits in der Vergangenheit als einen Schritt zur Stärkung der industriellen Resilienz und nicht lediglich als Frage der Bequemlichkeit. Alex Nan, Vice President der Geely Auto Group, wiederum sieht die Zusammenarbeit als einen zentralen Baustein der europäischen Wachstumsstrategie des Unternehmens.

Wie die konkrete Beschaffungs- und Lieferkettenstruktur unterhalb der eigentlichen Fahrzeugarchitektur aussehen wird, haben beide Seiten bislang jedoch nicht offengelegt. Genau dort dürfte sich allerdings entscheiden, wie das nächste Kapitel dieser ungewöhnlichen transkontinentalen Automobilallianz geschrieben wird.