In der Slowakei entstehen die Batterien für den E-Cayenne
In Horná Streda entsteht eine Batteriemodulfertigung, die eher an Reinraumlogik als an klassische Montage erinnert. Hoher Automatisierungsgrad, Echtzeitdaten und ein Analysezentrum sollen den Serienhochlauf des Cayenne Electric absichern.
2018 fiel die strategische Entscheidung zum Ausbau, im Februar 2022 wurde die Porsche Smart Battery Shop s.r.o. gegründet. Kurz darauf startete der Bau der rund 40.000 Quadratmeter großen Serienfläche.Porsche
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Wie schnell der Transfer wohl mit dem Fahrzeug hätte gehen
können, um das es im Folgenden geht? Bei freier Bahn
und anarchischen Verkehrsregeln wie auf deutschen Autobahnen
sicherlich in der Hälfte der Zeit, doch an diesem komplett vernebelten Dienstag
hätte auch Porsches neuer Cayenne Electric, mit seinen bis zu 1156
PS, Probleme bekommen. Im Bus dauerte es gute anderthalb Stunden vom
Wiener Flughafen bis ins slowakische Hinterland. Gefühlt mitten im
Nirgendwo steht eine Halle, die für die elektrische Zukunft des
Stuttgarter Sportwagenherstellers von oberster Priorität
ist. In Horna Streda betreibt die Porsche Werkzeugbau GmbH
ihren Smart Battery Shop. Wie also entsteht das Herzstück des
stärksten Porsches aller Zeiten?
Klare Zonen, saubere Übergänge und außerordentliche Helligkeit zeichnen die Arbeitsstätte in der westslowakischen Stadt aus.Porsche
Der erste Eindruck ist Licht und Ordnung. Die Halle ist
hell. Der Boden wirkt wie frisch gezogen. Überall Laufwege, klare Zonen,
saubere Übergänge. Bevor es rein geht, kommen blaue Überzieher über
die Schuhe und weiße Kittel werden übergestreift. Kontamination ist
ein Risiko und Risiken sind in der Batteriemodulfertigung
teuer. Die Maschinen hier laufen in langen, ruhigen Takten.
Menschen sind da, aber sie stehen nicht im Mittelpunkt, auch wenn die Hersteller
diesen Satz noch so gerne sagen. Die Mitarbeiter beobachten,
prüfen, greifen punktuell ein. Hier soll eine Batteriekomponente in Serie
laufen, die im Fahrzeug nicht mehr nur Energiespeicher ist, sondern Struktur
und Qualitätskriterium zugleich.
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Von der Entscheidung zur Serienhalle
Markus Kreutel, Vorsitzender der Geschäftsführung der
Porsche Werkzeugbau Group, beschreibt den Standort als Ergebnis eines Plans,
nicht als spontane Erweiterung. Die Werkzeugbaugruppe ist technologisch breit
aufgestellt, von Großwerkzeugbau über Anlagenbau bis hin zu Consulting. Genau
diese Bandbreite erklärt die Rolle von Horná Streda. Der Standort
begann nicht mit einer Serienhalle, sondern mit einem Technikum und der
systematischen Entwicklung von Prozessen. 2018 fiel die strategische
Entscheidung zum Ausbau, im Februar 2022 wurde die Porsche
Smart Battery Shop s.r.o. gegründet. Kurz darauf startete der
Bau der rund 40.000 Quadratmeter großen Serienfläche. Bereits im September 2023
wurden die Produktionsanlagen installiert, im Mai 2024 verließ das erste
Serienmodul das Werk. Die Geschwindigkeit ist hier kein Nebenaspekt, sondern
Teil des industriellen Konzepts.
Innovation endet nicht in der Entwicklung. Sie muss bis ins Werk hinein industriell abgesichert werden.
Albrecht Reimold, Vorstand für Produktion und Logistik bei Porsche
Sechs Module als Bauprinzip
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Stefanie Fischer lenkt den Blick weg von der Architektur des
Werks hin zur Architektur der Batterie. Als Geschäftsführerin des Porsche
Smart Battery Shop beschreibt sie den Aufbau des Energiespeichers für
den E-Cayenne als konsequent modular. Die Batterie besteht aus sechs Modulen,
was Reparaturen erleichtern soll. Gleichzeitig ist sie funktionsintegriert. Sie
fügt sich in die Karosseriestruktur ein, steift diese zusätzlich aus und
beeinflusst damit Montagepunkte, Toleranzketten und Prüfstrategien. Es geht um
mehr als Packaging. Im Ergebnis wird die Batterie zur Schnittstelle
zwischen Karosserie, Fahrwerk und Qualitätsabsicherung. In Bratislava zeigt
sich diese Logik später im skateboardartigen Layout, das die
zentralen Montagepunkte definiert.
Die Fertigung folgt einer klar strukturierten Abfolge. Die
Batteriezellen, die von LG stammen, werden positioniert und vorbereitet,
anschließend gestapelt und verschweißt. Es entsteht der sogenannte Stack,
der in ein Modulgehäuse eingesetzt wird. Danach folgen Prozesse wie Schäumen,
die Integration der Kühlplatten sowie die elektrische Prüfung. Fischer
beschreibt eine hochautomatisierte Linie mit nur wenigen manuellen Eingriffen.
Roboter, unter anderem von Fanuc, übernehmen die zentralen Prozessschritte. Der
Mensch steht nicht am Prozess, sondern am Rand. Das ist kein Selbstzweck,
sondern Konsequenz aus der Produktlogik. Wer ein Batteriemodul einmal schließt,
will es nicht mehr öffnen. Präzision und Wiederholbarkeit sind deshalb
entscheidend. Die Linie muss Fehler vermeiden, nicht später verwalten.
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Unser Ziel ist es, den Wertstrom transparent zu machen – vom Karosseriebau über den Batterieeinbau bis hin zur finalen Qualitätsabsicherung.
Albrecht Reimold, Vorstand für Produktion und Logistik bei Porsche
Qualität als Echtzeitdaten und Rückkopplung
Zentrales Prinzip ist die Echtzeit-Prozessdatenerfassung.
Jeder Fertigungsschritt wird überwacht, alle relevanten Produktionsdaten
gespeichert. Bevor ein Modul das Werk verlässt, sind die Qualitätsdaten in der
Cloud gesichert. Ergänzt wird die Serienfertigung durch ein Analysezentrum in
räumlicher Nähe. Dort werden Module aus der laufenden Produktion untersucht,
ebenso Rückläufer oder Teile aus dem Feld. Ziel ist es, Prozesse und Produkt
kontinuierlich zu verbessern. Der klassische Kreislauf aus Serie, Reklamation
und Ursachenanalyse wird dadurch deutlich verkürzt.
Horná Streda ist dabei kein Endpunkt, sondern ein
Knoten. Die Module werden weitertransportiert, zu Batterien komplettiert und
anschließend Just in Sequence nach Bratislava geliefert, wo der
Cayenne seit Jahren gefertigt wird.
Was Horná Streda wirklich zeigt
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Der Smart Battery Shop wirkt auf den ersten Blick
wie ein Sonderfall. Reinraumgefühl, wenig Hände, viel Automatisierung.
Tatsächlich fügt er sich in einen größeren Umbau ein. Batteriefertigung wird
bei OEMs und Partnern zunehmend als eigenständige Kompetenzzone
aufgebaut. Horná Streda ist dabei keine Gigafactory, sondern ein
gezielt platzierter Baustein im Porsche-Netzwerk. Entwicklung,
Industrialisierung, Serie und Analyse liegen eng beieinander. Hinzu kommt die
Kopplung an ein Werk, das Variantenvielfalt beherrscht und den E-Anlauf nicht
als Parallelwelt organisiert. Wenn der elektrische Cayenne 2026 in
Bratislava anläuft, ist Horná Streda die stille Voraussetzung
dafür, dass die neue Antriebsform industriell selbstverständlich wird.