Wie BMW sein Wasserstoff-Modell fertigungstauglich macht
Flacher Speicher, bis zu 750 Kilometer Reichweite und fünf Antriebsvarianten in einer Baureihe: BMW verbindet Packaging, Produktion und Brennstoffzelle zu einem eng verzahnten Konzept.
Der neue Flachspeicher lässt sich so integrieren, dass Wasserstoff in moderne Mehrantriebsarchitekturen passt.BMW Group, Jonas Rattel
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BMW hat für den iX5 Hydrogen ein überarbeitetes
Wasserstoff-Speichersystem entwickelt. Die Tanks sind anders angeordnet und
dimensioniert als bisher. Das Ergebnis ist laut Unternehmen eine Reichweite von
bis zu 750 Kilometern.
Für die Produktion wichtiger als der reine
Reichweitengewinn ist jedoch das Packaging. Der Flachspeicher nutzt den Bauraum
so, dass er mit der neuen Generation der Hochvoltbatterie (Gen6) kompatibel bleibt und im Innenraum
keinen zusätzlichen Platz beansprucht. Damit wird die Brennstoffzellenvariante
nicht zum Sonderfall, sondern lässt sich in eine Baureihe integrieren, die
verschiedene Antriebsarten auf derselben Linie abbildet.
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Hinzu kommt ein sicherheitsrelevanter Aspekt: Die
700-bar-Druckbehälter profitieren vom mechanischen Schutz der Fahrzeugstruktur.
Auch das ist aus Sicht von Entwicklung und Produktion kein Nebenthema, sondern
Voraussetzung für eine robuste Serienumsetzung.
BMW-Entwicklungsvorstand Joachim Post beschreibt
das Konzept als eine Art „Bauraum-Tetris“. Hinter dem Bild steckt ein
nüchterner industrieller Gedanke: Der Antrieb soll sich in die
Fahrzeugarchitektur einfügen, ohne das Gesamtpaket neu aufbauen zu müssen.
Was den Speicher von bisherigen Lösungen
unterscheidet
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Das neue Tanksystem besteht aus sieben
miteinander verbundenen und parallel geschalteten Hochdrucktanks aus
kohlenstofffaserverstärktem Verbundmaterial. Sie sind in einen Metallrahmen
integriert und bilden nicht mehrere lose Einzelbehälter, sondern eine geschlossene
Einheit mit mehreren Kammern. Gesteuert wird das System über ein zentrales
Hauptventil.
Technisch ist das relevant, weil sich damit Speicherlayout, Einbauraum und Systemanbindung präziser auf die Fahrzeugarchitektur abstimmen lassen. BMW verbindet mit dem Konzept mehrere Patentanmeldungen.
Man kann sich das wie Bauraum-Tetris vorstellen. Technologieoffenheit und Ingenieurskunst wie wir Entwickler sie lieben.
Joachim Post, BMW-Entwicklungsvorstand
Gespeichert werden mindestens sieben Kilogramm Wasserstoff. Vollständig betankt ist das System in weniger als fünf Minuten. Für den späteren Fahrzeugeinsatz ist das ein Argument. Für Produktionsverantwortliche ist vor allem interessant, dass damit ein Antriebskonzept entsteht, das sich funktional klar von batterieelektrischen Lösungen unterscheidet, ohne die Plattformlogik zu verlassen.
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Technisch ist das relevant, weil sich damit
Speicherlayout, Einbauraum und Systemanbindung präziser auf die
Fahrzeugarchitektur abstimmen lassen. BMW verbindet mit dem Konzept mehrere
Patentanmeldungen.
Expertendialog
Die Hydrogen Mobility Tech Conference am 10. Juni 2026 in München thematisiert die Zukunft der Wasserstoffmobilität und -technologie, mit Fokus auf Markt- und Rahmenbedingungen, technologische Enabler sowie Wasserstoff-Infrastruktur, Betankungsnetze, treibende Kooperationen und konkreten Anwendungen im Mobilitätsbereich.
Gespeichert werden mindestens sieben Kilogramm
Wasserstoff. Vollständig betankt ist das System in weniger als fünf Minuten.
Für den späteren Fahrzeugeinsatz ist das ein Argument. Für
Produktionsverantwortliche ist vor allem interessant, dass damit ein Antriebskonzept
entsteht, das sich funktional klar von batterieelektrischen Lösungen
unterscheidet, ohne die Plattformlogik zu verlassen.
Brennstoffzelle, Batterie und Software abgestimmt
Der Flachspeicher ist nur ein Teil des
Antriebsstrangs. Hinzu kommen das Brennstoffzellensystem, eine Hochvoltbatterie
und die neue Steuerungssoftware. BMW setzt hier auf das eigenentwickelte System Heart of Joy sowie auf die Dynamic Performance Control.
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Für die industrielle Bewertung ist entscheidend,
dass Wasserstofftechnik hier nicht als isolierte Komponente erscheint, sondern
als Teil eines abgestimmten Gesamtpakets aus Speicher, Energieumwandlung,
Pufferbatterie und Software. Die eingesetzte Brennstoffzellengeneration der dritten Generation (Gen3) soll dabei effizienter und leistungsfähiger arbeiten als die vorherigen
Entwicklungsstufen.
Das ist deshalb bedeutsam, weil mit zunehmender
Systemreife auch die Chancen steigen, Brennstoffzellentechnik aus dem
Pilotstatus herauszuführen und in stabile Produktionsprozesse zu überführen.
Fünf Antriebsarten in einer Baureihe
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BMW verfolgt beim neuen X5 einen Ansatz, der für
die Automobilproduktion seit Jahren an Bedeutung gewinnt: eine Modellreihe,
mehrere Antriebsformen. In derselben Baureihe sollen batterieelektrische
Antriebe, Plug-in-Hybride, konventionelle Antriebe und die
Wasserstoff-Brennstoffzelle darstellbar sein.
Der Vorteil liegt auf der Hand. Einheitliche
geometrische Vorgaben für Energiespeicher und Antriebskomponenten senken die
technische Komplexität, erleichtern die Variantensteuerung und verbessern die
Auslastung bestehender Fertigungsstrukturen. Wo Gleichteile, identische
Schnittstellen und vergleichbare Einbauvolumina möglich sind, sinken in der
Regel Aufwand und Kosten.
Für die Werke bedeutet das mehr Robustheit in der
Produktion und mehr Spielraum bei der Skalierung neuer Technologien. Aus dieser
Perspektive ist der iX5 Hydrogen weniger ein Nischenfahrzeug als ein Testfall
für die Frage, wie sich alternative Antriebe in ein bestehendes Produktionsnetz
einpassen lassen. Die breite Einführung ist bei BMW für 2028 vorgesehen.
BMW hält am Prinzip der Technologieoffenheit
fest. Dahinter steht weniger ein Bekenntnis zur Vielfalt um ihrer selbst willen
als eine industriepolitische und produktionstechnische Abwägung. Wasserstoff
bietet elektrisches Fahren mit kurzer Betankungszeit und großer Reichweite.
Zugleich verteilt die Technologie Risiken auf mehrere Energie- und
Rohstoffpfade.
Für die Automobilproduktion ist das ein
strategischer Punkt. Wer langfristig nur auf eine einzige Infrastruktur, eine
einzige Speicherlogik oder bestimmte Rohstoffketten setzt, macht sich abhängig.
Wasserstoff ist deshalb für Hersteller nicht automatisch die Lösung für alles,
wohl aber eine Option, die das Portfolio widerstandsfähiger machen kann —
vorausgesetzt, Technik, Kosten und Infrastruktur entwickeln sich in die
richtige Richtung.