Axial-Fluss-Motoren als Besonderheit

So fertigt Mercedes-Benz den neuen AMG GT 4-Türer

Mit dem neuen AMG GT 4 Türer-Coupé industrialisiert Mercedes-Benz unter anderem seine neuen Axial-Fluss-Motoren. Die Fertigung in Berlin-Marienfelde nutzt neue Laserprozesse und KI. In Sindelfingen wird das vollelektrische Coupé vollendet.

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Mercedes' neues Performance-Modell soll das AMG-Leistungsversprechen mit der Elektromobilität in Einklang bringen.

Mercedes-Benz hat das neue viertürige und vollelektrische AMG-GT-Coupé der Öffentlichkeit präsentiert. Damit zeigen die Schwaben nicht nur eine neue Hochleistungs-Elektroplattform, sondern auch Anpassungsleistungen in Sachen Produktion. Denn für das elektrifizierte Coupé muss neben Mercedes‘ neuen Axial-Fluss-Motoren auch ein innovatives Batterie- und Kühlkonzept industrialisiert werden.

Erstmals kommen in einem Serienfahrzeug von AMG drei Axial-Fluss-Motoren zum Einsatz – zwei an der Hinterachse, einer an der Vorderachse. Die Technologie zeichnet sich laut Mercedes durch eine besonders kompakte Bauweise und hohe Leistungsdichte aus. Damit steigen jedoch die Anforderungen an Fertigungstiefe, Präzision und Integration deutlich.

Berlin-Marienfelde als Produktions- und Entwicklungszentrum

Die Fertigung der Axial-Fluss-Motoren erfolgt im Werk Berlin-Marienfelde. Der Standort wurde gezielt zum Kompetenzzentrum für High-Performance-Elektromotoren ausgebaut und soll eine Schlüsselrolle im Powertrain-Produktionsverbund des Stuttgarter OEM übernehmen.

Gleichzeitig fungiert Marienfelde als Teil des Mercedes-Benz Digital Factory Campus (MBDFC) als globales Innovationszentrum für Produktions- und Digitalisierungstechnologien. Neue Prozesse werden hier unter realen Bedingungen entwickelt, getestet und anschließend in das weltweite Produktionsnetzwerk übertragen. Hier zeigte Mercedes vergangenes Jahr erstmals auch den eigenen humanoiden Roboter „Apollo“.

Die Grundlage bildet das digitale Produktionsökosystem MO360, das Daten, Software und Fertigungssysteme miteinander vernetzt und zunehmend um KI-Funktionalitäten erweitert wird.

Axial-Fluss-Motor: Komplexität treibt Prozessinnovation

Die industrielle Fertigung der Axial-Fluss-Motoren ist ein zentraler Innovationstreiber. Insgesamt umfasst die Produktion rund 100 Prozessschritte. Rund 65 davon sind neu für Mercedes-Benz, etwa 35 gelten laut OEM als Weltneuheit.

Für die Fertigung der Axial-Fluss-Motoren in Marienfelde kommen neue Produktionsverfahren zum Einsatz.

Im Fokus stehen neue Lasertechnologien, innovative Fügeverfahren und der Einsatz künstlicher Intelligenz zur Prozesssteuerung und Qualitätssicherung. Diese Kombination soll die präzise Fertigung der flach aufgebauten Motoren ermöglichen, deren Design sich deutlich von klassischen radialen Elektromotoren unterscheidet. Die Komplexität zeigt sich auch in der Integration: Die Axial-Fluss-Motoren sind Bestandteil hochintegrierter Electric Drive Units, in denen Motor, Getriebe, Leistungselektronik und Kühlsystem zusammengeführt werden. Das erfordert eng abgestimmte Fertigungsabläufe sowie eine hohe Prozessstabilität.

Die Bedeutung dieser Entwicklung unterstreicht auch die Zahl der Schutzrechte: Mehr als 30 Patente wurden im Zuge der Industrialisierung angemeldet. Parallel zur Prozessentwicklung setzt Mercedes-Benz in Marienfelde konsequent auf Digitalisierung. KI-gestützte Systeme analysieren Produktionsdaten in Echtzeit und unterstützen bei der Identifikation von Qualitätsabweichungen und Optimierungspotenzialen.

Batterieintegration und Fertigungsstruktur

Neben dem Antrieb spielt auch die Batterie eine zentrale Rolle für die Produktionsorganisation. Die Hochvoltbatterie des AMG GT besteht aus 2.660 Rundzellen, die in 18 Modulen organisiert und direkt gekühlt werden.

Die Konstruktion stellt Mercedes zufolge hohe Anforderungen an Fertigung und Montage: Jede Zelle wird gezielt temperiert, um konstante Leistungsabgabe unter Last zu gewährleisten. Zudem ist die Batterie als strukturelles Element in die Fahrzeugarchitektur integriert, was den Rohbau und die weitere Montage beeinflusst.

Mercedes-Benz AMG GT 4-Türer Coupe in Bildern:

Produktion in Sindelfingen

Die Endmontage des Fahrzeugs erfolgt im Werk Sindelfingen. Dort wurde die Produktion gezielt auf die Anforderungen der neuen AMG.EA-Plattform vorbereitet. Die Montagehalle 32 wurde entsprechend umgerüstet, um die Integration von Batterie, Antriebseinheiten und komplexen Kühlsystemen abzubilden. Neben der Endmontage werden am Standort auch zentrale Fertigungsschritte wie Presswerk, Karosserierohbau und Lackierung durchgeführt, was die vertikale Integration weiter verbessern soll.

Ein weiterer zentraler Aspekt ist die thermische Auslegung des Fahrzeugs. Mit dem sogenannten „Central Coolant Hub“ bündelt Mercedes-Benz mehrere Kühlfunktionen in einem kompakten Modul. Diese Integration reduziere die Anzahl der Schnittstellen in der Montage und erleichtere gleichzeitig die präzise Steuerung der Kühlkreisläufe für Batterie, Inverter und Motoren.

Strategische Bedeutung 

Für Mercedes-AMG steht der AMG GT 4‑Türer nicht nur für ein neues Fahrzeugkonzept, sondern für einen grundlegenden Wandel in der industriellen Umsetzung elektrischer Hochleistungsantriebe. Produktionsvorstand Michael Schiebe, der vor kurzem im Interview mit Automobil Produktion unter anderem über die antriebsflexible Fertigung sprach, ordnet die Bedeutung entsprechend ein: „Das neue Mercedes-AMG GT 4‑Türer Coupé […] ist eine absolute Hochleistungsmaschine, gespickt mit zukunftsweisenden Innovationen.“

Mit der Industrialisierung der Axial-Fluss-Motoren und der konsequent digitalisierten Fertigung in Berlin entwickelt sich Marienfelde zum Leitwerk für neue Produktionsprozesse im Konzern. Gleichzeitig zeigt das Projekt, wie stark sich Produktentwicklung und Fertigung im Zuge der Elektromobilität verzahnen.

 

Factsheet: Mercedes-AMG GT 4-Türer (Elektro)

­Modell: Mercedes-AMG GT 63 / 55 4‑Türer Coupé (BEV) 

Plattform: AMG.EA (Electric Architecture) 

Produktionsstart: Sommer 2026, Werk Sindelfingen

Antrieb & Performance

  • 3 Axial-Fluss-Motoren (2 hinten, 1 vorne)
  • Leistung: bis 860 kW (1.169 PS)
  • Drehmoment: bis 2.000 Nm
  • 0–100 km/h: ab 2,1 s
  • Vmax: bis 300 km/h
  • Allrad: AMG Performance 4MATIC+

Batterie & Laden

  • 106 kWh (netto), 800-Volt-System
  • 2.660 Rundzellen in 18 Modulen
  • Direktkühlung jeder Zelle
  • Ladeleistung: bis 600 kW
  • 10–80 %: ca. 11 Minuten

Reichweite & Verbrauch

  • WLTP: ca. 596–700 km
  • Verbrauch: ca. 17,8–21,0 kWh/100 km

Fahrwerk & Architektur

  • AMG ACTIVE RIDE CONTROL Fahrwerk
  • Hinterachslenkung (bis 6°)
  • Torque Vectoring & vollvariable Momentenverteilung