Mit dem neuen AMG GT 4 Türer-Coupé industrialisiert Mercedes-Benz unter anderem seine neuen Axial-Fluss-Motoren. Die Fertigung in Berlin-Marienfelde nutzt neue Laserprozesse und KI. In Sindelfingen wird das vollelektrische Coupé vollendet.
Redaktion Redaktion
2 min
Mercedes' neues Performance-Modell soll das AMG-Leistungsversprechen mit der Elektromobilität in Einklang bringen.Mercedes-Benz
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Mercedes-Benz hat das neue viertürige und vollelektrische
AMG-GT-Coupé der Öffentlichkeit präsentiert. Damit zeigen die Schwaben nicht
nur eine neue Hochleistungs-Elektroplattform, sondern auch Anpassungsleistungen
in Sachen Produktion. Denn für das elektrifizierte Coupé muss neben Mercedes‘
neuen Axial-Fluss-Motoren auch ein innovatives Batterie- und Kühlkonzept
industrialisiert werden.
Erstmals kommen in einem Serienfahrzeug von AMG drei
Axial-Fluss-Motoren zum Einsatz – zwei an der Hinterachse, einer an der
Vorderachse. Die Technologie zeichnet sich laut Mercedes durch eine besonders
kompakte Bauweise und hohe Leistungsdichte aus. Damit steigen jedoch die Anforderungen an Fertigungstiefe, Präzision und
Integration deutlich.
Berlin-Marienfelde als Produktions- und Entwicklungszentrum
Die Fertigung der Axial-Fluss-Motoren erfolgt im Werk
Berlin-Marienfelde. Der Standort wurde gezielt zum Kompetenzzentrum für
High-Performance-Elektromotoren ausgebaut und soll eine Schlüsselrolle im
Powertrain-Produktionsverbund des Stuttgarter OEM übernehmen.
Gleichzeitig fungiert Marienfelde als Teil des Mercedes-Benz
Digital Factory Campus (MBDFC) als globales Innovationszentrum für Produktions-
und Digitalisierungstechnologien. Neue Prozesse werden hier unter realen
Bedingungen entwickelt, getestet und anschließend in das weltweite
Produktionsnetzwerk übertragen. Hier zeigte Mercedes vergangenes Jahr erstmals auch
den eigenen humanoiden Roboter „Apollo“.
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Die Grundlage bildet das digitale Produktionsökosystem
MO360, das Daten, Software und Fertigungssysteme miteinander vernetzt und
zunehmend um KI-Funktionalitäten erweitert wird.
Die industrielle Fertigung der Axial-Fluss-Motoren ist ein
zentraler Innovationstreiber. Insgesamt umfasst die Produktion rund 100
Prozessschritte. Rund 65 davon sind neu für Mercedes-Benz, etwa 35 gelten laut
OEM als Weltneuheit.
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Für die Fertigung der Axial-Fluss-Motoren in Marienfelde kommen neue Produktionsverfahren zum Einsatz.Mercedes-Benz
Im Fokus stehen neue Lasertechnologien, innovative
Fügeverfahren und der Einsatz künstlicher Intelligenz zur Prozesssteuerung und
Qualitätssicherung. Diese Kombination soll
die präzise Fertigung der flach aufgebauten Motoren ermöglichen, deren Design
sich deutlich von klassischen radialen Elektromotoren unterscheidet. Die
Komplexität zeigt sich auch in der Integration: Die Axial-Fluss-Motoren sind
Bestandteil hochintegrierter Electric Drive Units, in denen Motor, Getriebe,
Leistungselektronik und Kühlsystem zusammengeführt werden. Das erfordert eng abgestimmte
Fertigungsabläufe sowie eine hohe Prozessstabilität.
Die Bedeutung dieser Entwicklung unterstreicht auch die Zahl
der Schutzrechte: Mehr als 30 Patente wurden im Zuge der Industrialisierung
angemeldet. Parallel zur Prozessentwicklung setzt Mercedes-Benz in
Marienfelde konsequent auf Digitalisierung. KI-gestützte Systeme analysieren
Produktionsdaten in Echtzeit und unterstützen bei der Identifikation von
Qualitätsabweichungen und Optimierungspotenzialen.
Batterieintegration und Fertigungsstruktur
Neben dem Antrieb spielt auch die Batterie eine zentrale
Rolle für die Produktionsorganisation. Die Hochvoltbatterie des AMG GT besteht
aus 2.660 Rundzellen, die in 18 Modulen organisiert und direkt gekühlt werden.
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Die Konstruktion stellt Mercedes zufolge hohe Anforderungen
an Fertigung und Montage: Jede Zelle wird gezielt temperiert, um konstante
Leistungsabgabe unter Last zu gewährleisten. Zudem ist die Batterie als
strukturelles Element in die Fahrzeugarchitektur integriert, was den Rohbau und
die weitere Montage beeinflusst.
Die Endmontage des Fahrzeugs erfolgt im Werk Sindelfingen.
Dort wurde die Produktion gezielt auf die Anforderungen der neuen
AMG.EA-Plattform vorbereitet. Die Montagehalle 32 wurde entsprechend
umgerüstet, um die Integration von Batterie, Antriebseinheiten und komplexen
Kühlsystemen abzubilden. Neben der Endmontage werden am Standort auch zentrale
Fertigungsschritte wie Presswerk, Karosserierohbau und Lackierung durchgeführt,
was die vertikale Integration weiter verbessern soll.
Ein weiterer zentraler Aspekt ist die thermische Auslegung
des Fahrzeugs. Mit dem sogenannten „Central Coolant Hub“ bündelt Mercedes-Benz
mehrere Kühlfunktionen in einem kompakten Modul. Diese Integration reduziere die Anzahl der Schnittstellen in der Montage und erleichtere gleichzeitig die
präzise Steuerung der Kühlkreisläufe für Batterie, Inverter und Motoren.
Strategische Bedeutung
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Für Mercedes-AMG steht der AMG GT 4‑Türer nicht nur für ein neues
Fahrzeugkonzept, sondern für einen grundlegenden Wandel in der
industriellen Umsetzung elektrischer Hochleistungsantriebe. Produktionsvorstand
Michael Schiebe, der vor kurzem im Interview mit Automobil Produktion unter anderem über die antriebsflexible Fertigung sprach, ordnet die Bedeutung entsprechend ein: „Das neue Mercedes-AMG
GT 4‑Türer Coupé […] ist
eine absolute Hochleistungsmaschine, gespickt mit zukunftsweisenden
Innovationen.“
Mit der Industrialisierung der Axial-Fluss-Motoren und der
konsequent digitalisierten Fertigung in Berlin entwickelt sich Marienfelde zum
Leitwerk für neue Produktionsprozesse im Konzern. Gleichzeitig zeigt das
Projekt, wie stark sich Produktentwicklung und Fertigung im Zuge der
Elektromobilität verzahnen.