Partnerschaft mit britischem Startup
Bosch will humanoide Roboter in den Serieneinsatz bringen
Bosch und das britische KI-Startup Humanoid wollen den nächsten Schritt in der Nutzung humanoider Roboter gehen: Nach einem Praxistest soll nun die Industrialisierung starten. Ziel ist der breite Einsatz in Logistik und Produktion.
Boschs Technikchef Mathias Pillin (r.) lässt sich von den Fingerfertigkeiten von Humanoids Robotern überzeugen.
Humanoid
Bosch und das britische KI- und Robotikunternehmen Humanoid
treiben die Industrialisierung humanoider Robotik voran. Nach einem erfolgreich
abgeschlossenen Proof of Concept (PoC) haben beide Unternehmen eine
Fertigungskooperation vereinbart. Ziel ist die Serienproduktion des humanoiden
Roboters „HMND 01“ für den europäischen Markt.
Damit verschiebt sich Boschs Fokus von der Validierung der
Technologie hin zur Skalierung und industriellen Umsetzung. Der Zulieferer
übernimmt dabei die Rolle des Auftragsfertigers und will seine
Produktionskompetenz sowie Erfahrung in der Industrialisierung komplexer
Systeme einbringen.
Praxistest in der Intralogistik
Ausgangspunkt der Kooperation ist ein gemeinsamer Praxistest
im März 2026 am Bosch-Standort Bühl. Dort übernahm der humanoide Roboter
Aufgaben in der Intralogistik: Er bewegte autonom Kartons unterschiedlicher
Größen, Gewichte und Formfaktoren von Förderbändern auf Transportwagen.
Der Anwendungsfall stellte den Partnern zufolge hohe
Anforderungen an Flexibilität und Adaptionsfähigkeit. Die Plattform musste
unterschiedliche Eingänge koordinieren, Objekte erkennen und handhaben sowie in
einer dynamischen Umgebung arbeiten. Gesteuert wurde das System über Humanoids
KI-Framework „KinetIQ“. Nach Angaben der Partner wurden alle Projektziele erreicht –
ein entscheidender Schritt in Richtung industrieller Skalierbarkeit.
Brücke zwischen Entwicklung und Serie
Mit der nun vereinbarten Zusammenarbeit soll für Bosch die
industrielle Nutzung humanoider Robotik in greifbare Nähe rücken. Das Startup Humanoid
arbeitet parallel daran, seine Plattform über ein Design-for-Excellence-Konzept
weiter zu industrialisieren. Dazu zählen Aspekte wie Fertigbarkeit,
Zuverlässigkeit, Servicefähigkeit und Kostenoptimierung.
Artem Sokolov, Gründer und CEO von Humanoid, sieht in der
Kooperation einen zentralen Meilenstein: „Diese Vereinbarung ist ein
entscheidender Schritt in unserer Roadmap, um die Lücke zwischen Prototyp und
Einsatz in großem Maßstab zu schließen.“ Bosch will sich dabei nicht nur als Fertigungspartner einbringen,
sondern unterstützt auch bei Entwicklung, Supply Chain und Optimierung.
Bosch setzt auf wachsendes Geschäft mit Humanoiden
Für Bosch ist die Partnerschaft Teil einer breiteren
Strategie im Robotikmarkt. Bosch-CTO Matthias Pillin betont in einem Post auf
LinkedIn die Bedeutung der Zusammenarbeit auch im Kontext wachsender Nachfrage: „Unser gemeinsames Ziel ist es, diese
Technologie vom Prototypenstadium in eine skalierte, zuverlässige Produktion zu
überführen – ausgelegt auf die Anforderungen des Shopfloors.“
Die Kooperation ergänzt weitere Partnerschaften, etwa mit Neura
Robotics oder Spirit AI. Bosch setzt dabei auf die Kombination aus globaler
Produktionsinfrastruktur und Erfahrung in der Industrialisierung.
Neben der Fertigung wollen beide Partner auch technologisch
enger zusammenarbeiten. Perspektivisch sollen Bosch-Komponenten wie Aktuatoren,
Antriebe und Sensorik in die nächste Generation des HMND-01-Systems integriert
werden. Damit könnte der Technologiekonzern nicht nur als Produzent, sondern
auch als Zulieferer für humanoide Robotiksysteme eine zentrale Rolle einnehmen.