BMW startet Vorserie für „Energy Master“ im Werk Landshut
Im BMW-Werk Landshut läuft die Vorserie des „Energy Master“ für den iX5 Hydrogen an. Parallel baut der Standort Kapazitäten für die Neue Klasse aus. Die Steuereinheit verbindet Batterie, Brennstoffzelle und E-Antrieb.
BMWs Energy Master ist die zentrale Steuereinheit für den Wasserstoffantrieb des Münchner Autobauers.
BMW
BMW treibt die Industrialisierung der Wasserstofftechnik
voran und rückt zugleich die Elektronikkompetenz im Produktionsnetz stärker in
den Fokus. Im Werk Landshut hat die Vorserienproduktion des sogenannten „Energy
Master“ begonnen, einer zentralen Steuereinheit für den Wasserstoffantrieb im
künftigen BMW iX5 Hydrogen.
Parallel nimmt der Standort eine zweite Produktionslinie für
die gleiche Komponentengattung in batterieelektrischen Fahrzeugen in Betrieb.
Sie kommt in der Neuen Klasse, konkret im BMW iX3 und i3, zum Einsatz. Damit
verdoppelt BMW nach eigenen Aussagen die Kapazitäten für diese hochintegrierte
Elektronik.
Schlüsselkomponente im Hochvoltsystem
Der Energy Master übernimmt eine zentrale Rolle im
Energiemanagement. In batterieelektrischen Modellen sitzt die Einheit direkt
auf der Hochvoltbatterie. Im Wasserstofffahrzeug erfüllt sie eine angepasste
Steuerfunktion und ist auf dem sogenannten Flachspeicher montiert. Dort bündelt
die Elektronik Energie- und Datenströme, regelt die Stromversorgung für
E-Maschine und Bordnetz und verknüpft Brennstoffzelle, Pufferbatterie und
elektrische Antriebe zu einem Gesamtsystem.
Josef Hochreiter, Leiter Wasserstofffahrzeuge bei BMW,
ordnet die Bedeutung ein:
„Der Energy Master ist dabei eine Schlüsselkomponente: Er steuert die
innovative Hochvoltbatterie intelligent und sorgt gemeinsam mit dem
Brennstoffzellensystem der dritten Generation für souveräne Fahrdynamik.“
Plattformlogik statt Sonderlösung
Der Produktionsstart ist vor allem vor dem Hintergrund der
strategischen Plattformausrichtung relevant. BMW verfolgt das Ziel,
unterschiedliche Antriebstechnologien innerhalb einer Baureihe abzubilden. Der
iX5 Hydrogen ist dafür ein zentraler Testfall.
Eine Voraussetzung dafür ist das Packaging, insbesondere
beim Wasserstoffspeicher. Hier setzt BMW auf ein neu entwickeltes
Flachspeichersystem, das sich ohne Eingriffe in den Innenraum in die
Fahrzeugarchitektur integrieren lässt und mit der Gen6-Hochvoltbatterie
kompatibel bleibt. Der Ansatz folgt klaren industriellen Prinzipien: Der
Antrieb soll sich in bestehende Plattformen einfügen, ohne neue
Produktionslogiken zu erzwingen. BMW-Entwicklungsvorstand Joachim Post
beschreibt das intern als „Bauraum-Tetris“ – mit dem Ziel, Variantenvielfalt
und Produktionskomplexität beherrschbar zu halten.
Inhouse-Kompetenz für Elektronik und Antrieb
Bemerkenswert ist, dass BMW Entwicklung und Produktion des
Energy Master erstmals vollständig inhouse bündelt. Das Werk Landshut übernimmt
damit eine Schnittstellenfunktion zwischen Elektronikentwicklung und
industrieller Skalierung.
Werkleiter Thomas Thym sieht darin einen strategischen
Schritt:
„Hier vereinen wir Entwicklung, Fertigungs-Knowhow und industrielle Skalierung
– für batterieelektrische Fahrzeuge ebenso wie für
Wasserstoff-Brennstoffzellen.“ Die vorhandene E/E-Kompetenz ermöglicht
Synergien zwischen beiden Technologiepfaden. Für die Produktion ergibt sich
daraus laut BMW ein Vorteil: Gleichartige Steuerungsarchitekturen können über
unterschiedliche Antriebskonzepte hinweg genutzt werden.
Wasserstoff als Ergänzung, nicht als Ersatz
Der iX5 Hydrogen, dessen Serienstart für 2028 geplant ist,
steht im Kontext einer bewusst technologieoffenen Antriebsstrategie. BMW
positioniert Wasserstoff nicht als Ersatz für batterieelektrische Antriebe,
sondern als Ergänzung, etwa für Anwendungen mit hoher Reichweite und kurzen
Betankungszeiten.
Das Speichersystem fasst mindestens sieben Kilogramm
Wasserstoff und lässt sich in wenigen Minuten betanken. Für
Produktionsverantwortliche ist jedoch weniger der Kundennutzen entscheidend als
die Systemintegration: Speicher, Brennstoffzelle, Batterie und Software sind
als abgestimmtes Gesamtsystem ausgelegt.
Mit der dritten Generation der Brennstoffzellentechnologie, die unter anderem auch gemeinsam mit Toyota entwickelt wird, soll die Effizienz
weiter steigen und der Übergang von Pilotprojekten in stabile Serienprozesse
gelingen.
Landshut im Wasserstoff-Netzwerk
Das Werk Landshut ist bereits heute eng in die
Wasserstoffaktivitäten der BMW Group eingebunden. Neben dem Energy Master
fertigt der Standort Komponenten wie Mediendruckplatten und Gehäuse für
Brennstoffzellen-Stacks. Im Gesamtnetzwerk übernimmt Landshut damit die Rolle
eines Technologie- und Komponenten-Hubs, während andere Standorte – etwa Steyr
– künftig die Serienfertigung der Brennstoffzellensysteme verantworten.