Polestar zwischen Konzernbaukasten und Eigenständigkeit
Polestar verlagert die technische Basis stärker auf Konzernplattformen, um Tempo und Kosten zu verbessern. Gleichzeitig definiert die Marke Eigenständigkeit neu – über Fahrdynamik, Design und Integrationshoheit bei Software, statt über eigene Grundarchitekturen.
Pascal NagelPascalNagelPascal NagelEditor in Chief
3 min
Polestar steht unmittelbar vor der größten Produktoffensive seiner noch jungen Firmengeschichte.Polestar
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Der Markt für Elektrofahrzeuge ist reifer geworden – und
damit auch unbarmherziger. Nach der frühen Phase, in der neue Marken vor allem
über Design, Positionierung und einen technologischen Vorsprung Aufmerksamkeit
gewinnen konnten, entscheiden heute belastbare Strukturen: Vertrieb, Service,
Kostenbasis, Entwicklungstempo. Polestar steht exemplarisch für diesen
Übergang. Unter CEO Michael Lohscheller, der vor rund anderthalb Jahren
übernommen hat, wird die Marke entlang genau dieser Achsen neu justiert. Sein
Zwischenfazit fällt im Interview mit Automobil Produktion „sehr positiv“ aus,
zugleich betont er, Polestar befinde sich weiterhin „in einer
Transformationsphase“.
Im Zentrum steht dabei eine strategische Weichenstellung,
die weit über eine klassische Restrukturierung hinausgeht: Polestar setzt
stärker auf Konzernplattformen, um Investitionen zu reduzieren und Tempo zu
gewinnen – und definiert Eigenständigkeit nicht mehr über die Grundarchitektur,
sondern über Ausgestaltung, Integrationshoheit und Software. Parallel werden
Vertrieb und Service neu aufgestellt, das Portfolio verdichtet und die
operative Effizienz erhöht.
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Abkehr vom Online-only-Vertrieb
Der sichtbarste Umbruch betrifft das Go-to-Market. „Polestar
hat in der Vergangenheit ausschließlich online verkauft, Direct-to-Consumer.
Das hat für den Start funktioniert, aber es hat nicht die Wachstumsraten
ermöglicht, die wir für die nächste Stufe brauchen“, sagt Lohscheller. Polestar
hat deshalb „konsequent auf Händlervertrieb umgestellt“, ausgewählte Partner –
meist Volvo-Händler – integrieren die Marke in gemeinsame Showrooms.
Die Umstellung ordnet Lohscheller über Ergebnisse ein: „Im
letzten Jahr hatten wir 34 Prozent Wachstum, über 60.000 Fahrzeuge – das beste
Jahr der Polestar-Geschichte.“ In Europa habe Polestar bei rund 50 Prozent
Wachstum gelegen. Parallel verweist er auf den Ausbau der Serviceinfrastruktur:
„Wir haben heute dank Volvo rund 1.200 Servicestützpunkte weltweit und 210
Händler.“
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Plattformstrategie als Zäsur bei Polestar
Lohscheller: „Die Plattform ist für uns die technische Basis, nicht die Identität.“Polestar
Die strategisch prägendste Entscheidung betrifft die
technische Basis. Polestar setzt stärker auf Konzernplattformen – als Antwort
auf Investitionsdruck und Zeit. „Wir gehen auf Konzernplattformen, weil das
Investitionen in Grundarchitekturen, Basistechnologie und Industrialisierung
deutlich reduziert.“ Für Lohscheller ist die Plattform damit nicht nur ein
Engineering-Entscheid, sondern ein Geschäftsmodellhebel: CapEx sinkt,
Industrialisierung lässt sich schneller hochfahren, Entwicklungszeiten verkürzen
sich.
Diese Entscheidung ist gleichzeitig heikel, weil sie den
Kernkonflikt vieler Marken berührt: Wie bleibt Eigenständigkeit erhalten, wenn
die Basis aus einem Konzernbaukasten kommt? Lohscheller zieht hier eine klare
Trennlinie: „Die Plattform ist für uns die technische Basis, nicht die
Identität.“ Die Entscheidung, eine Konzernplattform zu nutzen, treffe Polestar
bewusst und „sie liegt einzig bei uns“. Der Anspruch lautet also nicht
Autarkie, sondern bewusste Nutzung von Skaleneffekten – mit dem Ziel, Ressourcen
auf Differenzierung zu konzentrieren.
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Eigenständigkeit trotz Konzernbasis
Polestar definiert Eigenständigkeit nicht über eigene
Grundarchitekturen. „Unsere Differenzierung liegt in der Ausgestaltung.“
Genannt werden Chassis-Tuning, Fahrwerksabstimmung, Lenkungscharakteristik,
Driving Dynamics und Design – ergänzt um Softwareintegration als zentralen
Baustein.
Der zweite Baustein betrifft die Software: „Wir behalten die
Integrationshoheit: User Interface, Bedienlogik, Update-Strategie,
Systemintegration.“ Damit positioniert sich Polestar als Orchestrator:
Plattform und Basisarchitektur können aus dem Konzern kommen, aber die
Produktlogik, die Bedienung und die Updatefähigkeit sollen markentypisch
bleiben.
SDV und E/E-Architektur: Nutzen über Updatefähigkeit
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Polestar nutzt den Polestar 3, um den SDV-Anspruch zu
unterstreichen. „Mit dem Polestar 3 haben wir das erste Software-Defined
Vehicle aus Europa auf den Markt gebracht. Wir haben das im Markt, während
viele noch darüber reden.“ Im Vordergrund steht dabei weniger das Schlagwort
als der praktische Nutzen: „Und damit meine ich nicht nur Fehlerbehebung, das
Auto entwickelt sich laufend weiter.“ Updates sollen Funktionen und Systeme
über den Lebenszyklus nachschärfen.
Polestar setzt in dem Kontext nicht nur auf interne
Synergien, sondern zudem auf externe Partnerschaften. „Wir sind ein kleines
Unternehmen mit weniger als 2.000 Mitarbeitenden. Wir können und wollen nicht
alles alleine machen.“ Der Ansatz sei „grundsätzlich partnerorientiert“ und
„bewusst anders als bei Herstellern, die versuchen, alles vertikal zu
integrieren“.
Gleichzeitig markiert Lohscheller Bereiche, die als
markenkritisch im Haus bleiben: Design, Chassis-Tuning, Driving Performance,
also der Charakter des Fahrzeugs. Kooperationen sollen Geschwindigkeit und
Kompetenz bringen. Google dient als Beispiel für Infotainment und Ökosystem;
beim Polestar 4 arbeitet Polestar mit Mobileye für autonomes Fahren zusammen.
Produktplanung: Offensive mit Fokus auf
Portfolioabdeckung
In der Produktplanung priorisiert Polestar Tempo und
Portfolioabdeckung. Lohscheller kündigt „die größte Offensive in unserer
Geschichte“ an: Vier Autos in drei Jahren. 2026 soll der Performance-GT
Polestar 5 kommen, dazu eine weitere Polestar-4-Variante. 2027 folgt ein neuer
Polestar 2, 2028 das SUV Polestar 7. Den Polestar 6 hat Polestar „zeitlich nach
hinten gelegt“.
Beim Thema „China Speed“ betont Lohscheller verkürzte
Zyklen, will Tempo aber nicht über Reifegradrisiken erzielen. „Wir schaffen
Tempo über Struktur, nicht über Kompromisse.“ Der Hebel ist erneut die
Plattformlogik: weniger Eigenentwicklung in der Basis, Fokus auf
Differenzierung, reduzierte Komplexität. Am Nachfolger des Polestar 2 wird das konkret. „Wir haben
rund 190.000 Polestar 2 auf der Straße.“ Der Nachfolger komme Anfang 2027;
zwischen strategischer Entscheidung und Markteinführung lägen „rund 30 Monate“.
Gleichzeitig betont Lohscheller: „Wir machen keine Abstriche bei Qualität oder
Reifegrad.“
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Für das laufende Jahr erwartet Lohscheller weiteres Wachstum
der Elektromobilität, allerdings nicht in den Raten früherer Prognosen. „Ich
glaube an einen weiteren Durchbruch, der stark über Total Cost of Ownership
kommt.“ Gerade Flottenkunden entschieden rational, Unterhaltskosten seien
„deutlich besser als beim Verbrenner“. Strategisch hängt für Polestar viel daran, ob die
Plattformentscheidung tatsächlich Freiräume schafft: Skalierung und
Kostendisziplin in der Basis – und zugleich genug Eigenständigkeit in
Fahrverhalten, Design und Softwareintegration, um sich im zunehmend
standardisierten EV-Baukastenmarkt abzugrenzen.
Summary: Polestar setzt auf Konzernplattformen und neue Händlerstrategie
Polestar stellt sein Geschäftsmodell konsequent auf Konzernplattformen um, um Investitionen zu senken und Entwicklungszeiten zu verkürzen. Die Marke definiert Eigenständigkeit nicht mehr über eigene Grundarchitekturen, sondern über Fahrdynamik, Design und Software-Integration.
Parallel vollzieht Polestar die Abkehr vom reinen Online-Vertrieb hin zu einem Händlernetz, vor allem mit Volvo-Partnern in gemeinsamen Showrooms. Diese Strategie hat laut CEO Michael Lohscheller bereits für deutliches Wachstum und eine breiter aufgestellte Serviceinfrastruktur gesorgt.
Im Softwarebereich behält Polestar die Integrationshoheit über User Interface, Bedienlogik und Update-Strategie und positioniert sich damit als Orchestrator im Konzernbaukasten. So will die Marke Skaleneffekte nutzen und zugleich genügend Differenzierung in Fahrverhalten, Design und digitalen Funktionen sichern.
Diese Infobox wurde von Labrador AI generiert und von einem Journalisten geprüft.