„Vision of Mobility Intelligence for Everyday Life“
Das ist Nissans neue Strategie für mehr Wachstum
Nissan stellt seine globale Strategie neu auf: Mit weniger Modellen, mehr KI, elektrifizierten Antrieben und klar definierten Marktrollen will der Hersteller Entwicklung, Produktion und Vertrieb enger verzahnen und neues Wachstum ermöglichen.
Nissan präsentiert im Rahmen seiner Strategieoffensive den neuen vollelektrischen Juke. Auf der Bühne erläutert der Nissan-CEO Ivan Espinosa die künftige Rolle des Modells innerhalb der Core-Modellgruppe.Nissan
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Nissan hat mit „Mobility Intelligence for Everyday Life“ kürzlich seine neue, langfristige Unternehmensstrategie vorgestellt. Damit skizziert der Autobauer hauptsächlich eine stärker kundenorientierte Ausrichtung. Im Mittelpunkt steht der Anspruch, intelligente Mobilitätslösungen stärker in den Alltag zu integrieren. Zugleich setze Nissan auf KI-definierte Fahrzeuge sowie auf ein breites Angebot elektrifizierter Antriebe, um unterschiedliche Anforderungen in den globalen Märkten zu bedienen. „Dies ist genau der richtige Zeitpunkt, um unsere langfristige Vision zu formulieren: Wir blicken über den Zeitrahmen von ‚Re:Nissan‘ hinaus und legen einen klaren Weg für die Zukunft fest“, sagt Ivan Espinosa, Präsident und CEO von Nissan. „Unsere Vision definiert, wo die Reise hingeht, wobei das Kundenerlebnis stets oberste Priorität hat."
Im letzten Jahr des Transformationsprogramms Re:Nissan sieht sich der Konzern weiterhin auf Kurs. Als zentrale Voraussetzungen für künftiges Wachstum nennt das Unternehmen eine wettbewerbsfähige Kostenstruktur, eine optimierte Kapazitätsauslastung sowie ein hohes Tempo bei der Einführung neuer Produkte. Mit seiner neuen langfristigen Ausrichtung will Nissan nach eigenen Angaben nachhaltige Wettbewerbsvorteile schaffen. Erreicht werden soll dies durch Technologien der nächsten Generation, ein gestrafftes Produktportfolio, einen neu justierten globalen Marktansatz sowie ein klar strukturiertes Produktionsmodell auf Basis definierter Fahrzeugarchitekturen.
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KI-gesteuerte Systeme und Elektrifizierung
Künstliche Intelligenz nimmt in der Technologiestrategie von Nissan eine Schlüsselrolle ein. Sie bildet die Grundlage für das Konzept der sogenannten AI-Defined Vehicles. Dabei kombiniert der Hersteller die Technologien „Nissan AI Drive" und „Nissan AI Partner" mit dem Ziel, Mobilität insgesamt weiterzuentwickeln und den Aufenthalt im Straßenverkehr effizienter zu gestalten. Der Autobauer knüpfte an den praktischen Einsatz moderner Fahrerassistenzsysteme an und integriert KI zunehmend in Fahrzeugsteuerung und Sicherheitstechnik. Langfristig strebt das Unternehmen an, die Technologie Nissan AI Drive in 90 Prozent aller künftigen Modelle einzusetzen. Der neue Nissan Elgrand, der im Sommer in Japan eingeführt werden soll, erhält in diesem Zuge nach Unternehmensangaben bis Ende des Geschäftsjahres 2027 die nächste „ProPILOT"-Generation. Diese soll vollautonomes Fahren ermöglichen. Parallel zur Weiterentwicklung autonomer Fahrfunktionen über Nissan AI Drive will der Hersteller auch das Kundenerlebnis mit der Technologie Nissan AI Partner ausbauen. Diese soll das Fahrzeug stärker in alltägliche Abläufe einbinden und die Interaktion mit dem Auto intuitiver gestalten.
Als technische Grundlage für dieses KI-gestützte Fahrerlebnis und die nächste Entwicklungsstufe autonomer Mobilität sieht Nissan die fortschreitende Elektrifizierung. Eine wichtige Rolle spielt dabei die e-Power-Hybridtechnologie des Unternehmens. Sie soll die Elektrifizierung breiter in den Markt tragen, ein an das Elektroauto angelehntes Fahrgefühl ermöglichen und zugleich als Brücke zu vollelektrischen Fahrzeugen dienen. Darüber hinaus will Nissan weiterhin ein breites Spektrum elektrifizierter Antriebe anbieten, um unterschiedlichen Anforderungen in den globalen Märkten gerecht zu werden. Geplant ist unter anderem ein neues Hybridsystem für Fahrzeuge mit Rahmenbauweise, das sich vor allem an Kundinnen und Kunden mit Bedarf an hoher Leistung und großer Reichweite richtet. Ergänzt werden soll das Angebot durch Plug-in-Hybrid- und Range-Extender-Hybrid-Lösungen, die Nissan in Zusammenarbeit mit Partnerunternehmen ins Portfolio aufnehmen will.
Heartbeat, Core, Growth & Partner: Nissans neue Modellrollen
Nissan will zudem seine Produktstrategie stärker auf klar definierte Modellrollen und kürzere Entwicklungszyklen ausrichten. Im Zuge dessen will der Hersteller sein weltweites Portfolio von 56 auf 45 Modelle reduzieren. Weniger rentable Fahrzeuge sollen entfallen, frei werdende Mittel in Wachstumsfelder fließen. Zugleich plant Nissan, die Antriebsoptionen innerhalb einzelner Baureihen auszubauen, um Kundinnen und Kunden mehr Auswahl zu bieten, die Stückzahlen pro Modell zu erhöhen und die wirtschaftliche Basis zu stärken. Künftig ordnet das Unternehmen seine Modelle vier strategischen Rollen zu. Unter „Heartbeat“ fasst der Konzern Fahrzeuge zusammen, die Markenidentität, Emotionalität und Innovationsanspruch verkörpern. Die Kategorie „Core“ umfasst Volumenmodelle, die das globale Geschäft tragen und stabilisieren sollen. „Growth“ bezeichnet Modelle, mit denen Nissan in Märkten mit wachsender Nachfrage expandieren will. Unter „Partner“ laufen schließlich Fahrzeuge, mit denen der Hersteller über Kooperationen seine Marktabdeckung erweitert.
Im Rahmen der Pressekonferenz zu seinen neuen strategischen Richtlinien stellte Nissan mehrere Modelle vor, die diese neue Ausrichtung exemplarisch abbilden sollen. Dazu zählt der neue X-Trail beziehungsweise Rogue Hybrid e-Power als globales Core-Modell. Der OEM positioniert das Fahrzeug mit seinem e-Power-Antrieb als Verbindung aus der Effizienz eines leistungsstarken Hybridantriebs und dem dynamischen Fahrverhalten eines Elektroautos, ohne dass ein externes Laden erforderlich ist. Ebenfalls als Core-Modell bezeichnet Nissan den neuen vollelektrischen Juke für Europa. Das Fahrzeug soll ein eigenständiges Design mit batterieelektrischem Antrieb und intelligenten Funktionen verbinden. Für den US-Markt sieht der Automobilhersteller den Xterra als Heartbeat-Modell vor, das mit robuster Leiterrahmenkonstruktion, funktionalem Design und Offroad-Charakter vor allem Abenteuerorientierung vermitteln soll. In Japan übernimmt diese Rolle der Skyline, den Nissan als fahrerorientiertes Modell mit Fokus auf Leistung und Präzision positioniert. Auch die Premiummarke Infiniti bleibt Teil der Produktstrategie. Nissan kündigte an, die Marke mit neuen und überarbeiteten Modellen neu aufzustellen. Den Auftakt soll im Frühjahr das neue SUV QX65 des Modelljahres 2027 machen. Danach sind vier weitere Modelle geplant, darunter ein Mittelklasse-SUV mit Hybridantrieb, eine leistungsorientierte V6-Limousine sowie zwei Hybrid-SUV auf Leiterrahmenbasis.
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Mit Baureihen wie X-Trail, Rogue, Juke und weiteren volumenstarken Fahrzeugen bündelt Nissan jene Modelle, die das globale Geschäft künftig stabilisieren sollen.Nissan
Im Zuge seiner neuen Produktstrategie stellt Nissan auch das Produktionsmodell neu auf. Künftig soll der Schwerpunkt weniger auf der Optimierung einzelner Modelle liegen, sondern stärker auf einer architekturorientierten Entwicklung, die gemeinsame Fahrzeugplattformen, Antriebsstränge und eine einheitliche Softwarebasis in den Mittelpunkt rückt. Die Entwicklung will der Hersteller dabei auf drei Produktfamilien konzentrieren, die zusammen mehr als 80 Prozent des weltweiten Absatzvolumens abdecken sollen. Zugleich soll das Volumen je Modell um mehr als 30 Prozent steigen, während Entwicklungsprozesse und die Einführung neuer Technologien beschleunigt werden. Durch die frühzeitige Abstimmung von Produktdesign und Fertigung will das Unternehmen nach eigenen Angaben die Qualität verbessern, die Kosten besser steuern und Markteinführungen in großem Maßstab schneller und wettbewerbsfähiger gestalten.
Neu definierter Marktansatz
Mit seiner neuen Geschäftsstrategie justiert Nissan auch die Rollen seiner drei wichtigsten Märkte Japan, USA und China neu. Künftig sollen sie nicht nur als Absatz- und Ertragsmärkte fungieren, sondern zugleich als zentrale Treiber für Wettbewerbsfähigkeit und industrielle Leistungsfähigkeit. Nach Vorstellung des Unternehmens bilden diese drei Regionen das Fundament für Innovation, flexible Produktionssteuerung und globale Maßstäbe bei Tempo, Kosteneffizienz und Kundenorientierung. Japan nimmt als Heimatmarkt dabei die Rolle eines technologischen Erprobungsfeldes ein. Dort will der OEM unter anderem die nächste Generation von ProPILOT sowie neue Mobilitätsdienste einführen und zugleich das Kernportfolio stärken. Ab dem Geschäftsjahr 2028 ist die Einführung einer neuen Kompaktwagen-Baureihe geplant. Bis zum Geschäftsjahr 2030 soll der Absatz in Japan auf 550.000 Fahrzeuge pro Jahr steigen. Zusätzlich setzt das Unternehmen auf eine stärkere Ansprache jüngerer Kundengruppen, um die Marke langfristig zu stärken.
Die USA sieht Nissan als Markt mit stabilen Erlösen und Wachstumspotenzial. Bis zum Geschäftsjahr 2030 will der Hersteller dort wieder einen Jahresabsatz von einer Million Fahrzeugen erreichen. Im Zentrum der Strategie stehen große Fahrzeuge, eine ausgeprägte lokale Produktion und ein hoher Lokalisierungsgrad. Gestützt werden soll diese Position unter anderem durch den neuen Rogue Hybrid e-Power. Hinzu kommt eine neue Modellfamilie von Fahrzeugen mit Leiterrahmen, angeführt vom neu aufgelegten Xterra, der sowohl mit V6-Motor als auch mit neuem V6-Hybridantrieb angeboten werden soll. Auch in SUVs des D-Segments will Nissan weiterhin dort auf V6-Antriebe setzen, wo die Nachfrage dies erfordert. Investitionen in Elektrofahrzeuge sollen zugleich weiterhin an Verbraucherverhalten und politische Rahmenbedingungen angepasst werden.
China kommt in der Strategie eine doppelte Funktion zu: Der Markt soll sowohl als Quelle für schnelle Entwicklung und Kosteneffizienz als auch als Exportdrehscheibe dienen. Nissan will dort sein Portfolio an elektrifizierten Fahrzeugen ausbauen und den Absatz bis zum Geschäftsjahr 2030 auf eine Million Einheiten steigern. Gleichzeitig soll China stärker als Exportstandort genutzt werden. Vorgesehen ist etwa, den Nissan N7 von dort nach Lateinamerika und in die ASEAN-Region zu exportieren. Der Nissan Frontier Pro ist für Exporte nach Lateinamerika, in die ASEAN-Region und in den Nahen Osten vorgesehen. Damit soll China sowohl das lokale Wachstum als auch das globale Modellangebot stützen.
Auch Mexiko und der Nahe Osten behalten in der globalen Aufstellung des Unternehmens eine wichtige Bedeutung. Mexiko beschreibt Nissan als industriell starken und profitablen Standort, der mit seiner Infrastruktur und dem weltweit höchsten Marktanteil der Marke eine Schlüsselrolle für Expansion und Umsatz in Amerika und darüber hinaus einnimmt. Der Nahe Osten bleibt aus Sicht des Konzerns ein bedeutender Wachstums- und Ertragsmarkt, getragen von Exporten aus den Kernmärkten sowie einem Produktangebot mit Schwerpunkt auf großen SUV und dem Premium-Segment. Darüber hinaus verweist Nissan auf die Bedeutung weiterer Regionen wie Europa, Indien und Afrika. Auch sie sollen dazu beitragen, die Marktpräsenz auszubauen und das Wachstum des Unternehmens insgesamt zu stärken. Grundlage dafür sei eine einheitliche Marktstrategie, die auf den neuen Portfolioansatz der Marke abgestimmt ist. „Auf unserem Weg zur wirtschaftlichen Erholung ist es unerlässlich, dass wir unseren unermüdlichen Fokus auf den Kunden unterstreichen, die Chancen der KI-Technologien nutzen, die Elektrifizierung vorantreiben und unsere Fahrzeuge mit Innovationen ausstatten, um ein nachhaltiges Wachstum zu erzielen“, betont Espinosa.