Deutsche Autohersteller auf der Auto China 2026 in Peking
Die deutschen Autohersteller haben schon bessere Zeiten in China erlebt. Der größte Automarkt der Welt erlebt momentan einen drastischen Verdrängungswettbewerb. Außerhalb der Luxusliga sind die Europäer mittlerweile kaum mehr als Zaungäste.
Stefan Grundhoff und Wolfgang GomollStefan Grundhoff und WolfgangGomoll
3 min
Einer von vielen deutschen Vertretern – mit großen Hoffnungen und sorgenvoller Miene – in der chinesischen Hauptstadt: BMW.press-inform
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Über 140 Automarken kämpfen auf dem chinesischen Automarkt
um Verkaufsanteile. Da gehen selbst starke europäische Marken wie Audi, BMW,
Mini, Mercedes, Porsche oder Volkswagen im Wirrwarr der gigantischen Hallen auf
der Auto China in Peking fast unter. Dabei ist es nicht so, als hätten die
Auswärtsspieler auf ihrem wichtigsten Markt keine Neuheiten mitgebracht.
Wie BMW in China mit Neuer Klasse und 7er punkten will
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BMW zieht das Tuch von seinem überarbeiteten 7er, dessen
Design nicht allein an der Front zeigt, welcher Kunde hier den größten Einfluss
hat: China. Unverändert offeriert BMW unter der selbstbewussten Karosse die
freie Wahl des Antriebs: Elektro, Benziner, Diesel oder Plug-in-Hybrid. Das
sieht beim ebenfalls neuen Doppelpack aus BMW i3 und iX3 ganz anders aus. Die
beiden Fahrzeuge der sogenannten Neuen Klasse sind auch in China nur mit
Elektroantrieb zu bekommen. Landesspezifisch bieten auch sie die verlängerten
Radstände, die man bereits von hiesigen Verbrennermodellen kennt. Reichweiten
von mehr als 900 Kilometern und der puristische Innenraum scheinen beim
dortigen Publikum gut anzukommen.
Wie Mercedes in China GLC, S-Klasse und CLA positioniert
Die Schwaben wollen unter anderem mit dem CLA in China die Bilanzen optimieren.press-inform
Ganz ähnlich sieht es am Mercedes-Messestand aus. Neben der
frisch überarbeiteten S-Klasse steht hier insbesondere der elektrische GLC als
direkter Wettbewerber des BMW iX3 im Vordergrund. Ebenfalls mit langem Radstand
und damit für ein deutlich größeres Publikum als die Edelversionen von S-Klasse
und Maybach-Ableger geeignet, die sich in China großer Nachfrage erfreuen. Auf
Wunsch lässt sich der verlängerte Elektro-GLC der zweiten Reihe mit zwei luxuriösen
Einzelsitzen ausstatten. Oder man entscheidet sich gleich für den Sechssitzer –
inklusive Luftfederung und Hinterachslenkung. Wenn es etwas bodenständiger sein
soll, ist der neue CLA 260L die rechte Wahl, um gegen die immer stärker
werdenden China-Marken zu bestehen. „Die Auto China ist für Mercedes‑Benz
die ideale Bühne, um unser strategisches Bekenntnis zu China mit
Produktsubstanz zu untermauern“, so Mercedes-CEO
Ola Källenius, „künftig werden wir unsere
Lokalisierung weiter vertiefen – indem wir dort mehr Fahrzeuge entwickeln und
produzieren und China zunehmend als Innovationsquelle für Mercedes‑Benz
weltweit nutzen.“
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Was hat Smart in China vor?
Smart kehrt mit dem 2,79 Meter langen #2 zurück zu seinen bestens
bekannten Doppelsitzer-Genen der Hayek-Zeiten. Die seriennahe Konzeptstudie
kündigt die Serienversion der Neuauflage des Smart Fortwo an, der vor kurzem
eingestellt wurde. Die Reichweite des Serienmodells, das im Herbst seine
Premiere feiert, beträgt rund 300 Kilometer. Doch Smart, eine Kooperation aus
Mercedes und Geely, zeigt in China nicht nur sein neues Einstiegsmodell,
sondern mit dem #6 auch eine betont sportlich positionierte Limousine. Das
Zwillingsmodell des Mercedes CLA wurde vom Mercedes-Designteam erschaffen.
Bei uns noch als müde Stufenheck-Version des Golf bekannt, soll der Jetta in China deutlich stärker als bisher den Einstieg in die Marke bilden und verhindern, dass die Preise der Kernmarke VW durch den gigantischen Konkurrenzdruck noch weiter absacken.press-inform
Wie Porsche und VW in China unterschiedlich angreifen
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Porsche lässt es mit der Coupé-Version seines elektrischen
Cayenne betont sportlich angehen, während Volkswagen die breiten Massen
ansprechen will, um gegen heimische Marken wie BYD, Geely, Great Wall,
Leapmotor oder MG zu bestehen. Wichtiger denn je soll dabei die bereits 2019
ausgegliederte Submarke Jetta werden. Deren neue Elektromodelle sollen bei
umgerechnet kaum mehr als 10.000 Euro beginnen. Dieser Schritt ist notwendig,
da sich Skoda aus dem Reich der Mitte zurückzieht. Der Namenswechsel soll an
glorreiche Zeiten anknüpfen, als der VW Jetta in China ein begehrenswertes Auto
war. Die Frage ist, ob das reicht.
Auf der Beijing Auto Show 2026 zeigt VW den Jetta X, eine
vollelektrische SUV-Studie für das sogenannte „Smart Entry Segment“. Der Versuch, ein bezahlbares, aber modernes,
digitales Einstiegs-Elektroauto mit SUV-Optik zu bauen. Der Plan steht: Bis
2028 sollen unter Jetta vier New-Energy-Modelle starten. Darunter auch
Plug-in-Hybride und Varianten mit Range-Extender. Die Idee hinter dieser Marke
ist klar und entspricht der Idee des neuen Föderalismus, die die Wolfsburger
Top-Manager verfolgen. VW gewährt der China-Marke mehr Freiheiten als bisher
und setzt auf lokale Stärken. Assistenzsysteme, intelligentes Cockpit und
KI-Funktionen sollen stärker auf chinesische Kunden zugeschnitten sein. Gerade
in den preissensiblen Klassen sind chinesische Hersteller extrem stark, schnell
und preisaggressiv. Jetta muss also mehr sein als ein billiger VW-Ableger. Die
Marke braucht eigenständiges Design, gute Software, starke Preise und kurze
Modellzyklen.
Hoffnung in Versalien – bringt der AUDI E7X die Ingolstädter in China nach vorne?Press-inform
Deutlich darüber präsentiert sich Audi, die sich bei einigen
Modellen in China sogar von den eigenen vier Ringen verabschiedet haben. Diese
Strategie, die mit dem Audi E5 Sportback zum ersten Mal umgesetzt wurde, erwies
sich als Strohfeuer. Nach anfänglich starkem Interesse brachen die Verkäufe des
Hoffnungsträgers im Reich der Mitte so stark ein, dass sich die Ingolstädter
Dependance im Reich der Mitte offenbar sogar gezwungen sah, den Preis für das
Auto um rund 3.700 Euro zu senken. Ob dieser Rabatt die schwachen Verkäufe
ankurbelt, ist zweifelhaft. Ein SUV, wahlweise mit 300 oder 500 kW Leistung, soll
es nun richten. Dieses feiert in Peking als AUDI E7X seine Premiere – der erste
Crossover der chinesischen Schwestermarke aus lokaler Entwicklung und
Produktion. Das bieten auch Audi A6L und Audi A6 L E-tron – dank 13 Zentimetern
mehr Radstand und dank 107-kWh-Batterie auch mit einer Reichweite von 815
Kilometern.
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„Audi ist im Aufbruch. Das zeigt sich besonders im so
wichtigen chinesischen Markt“, versuchte Audi-Chef Gernot Döllner bei der
Präsentation des Hoffnungsträgers auf der Beijing Motorshow Optimismus zu
versprühen. Allein der Begriff Aufbruch zeigt, wie sehr sich die Rolle des
Ingolstädter Autobauers im größten Automobilmarkt der Welt auch gemeinsam mit
den Kooperationspartnern FAW und SAIC verändert hat. Aus dem stolzen
Platzhirsch ist ein Herausforderer geworden, der um Marktanteile kämpft. Die
Frage bleibt, wie ein E-Crossover den verblassten Ruhm wieder zu neuem Glanz
verhelfen kann. Technisch sind die Konkurrenten aus dem Reich der Mitte mindestens
genauso gut aufgestellt, in puncto Fahrassistenzsysteme und Infotainment haben
sie zumeist einen Vorsprung. Audi muss also – wie andere deutsche OEMs im
Generellen – anders punkten: Nur wo?