Dodge Charger

Mit Modellen wie dem elektrischen Dodge Charger Daytona SRT möchte Stellantis bei US-Kunden punkten. (Bild: Stellantis)

Bei BMW war man zunächst alles andere erfreut, als sich ein paar Wochen vor Weihnachten herumsprach, dass CES-Chef Gary Shapiro eine der begehrten Keynotes an einen zweiten Autohersteller verkauft hatte. Dabei hatte BMW seinen Auftritt von Oliver Zipse, Arnold Schwarzenegger, David Hasselhoff und der Konzeptstudie des BMW Dee seit mehr als einem Jahr generalstabsmäßig geplant und wollte die ungeteilte Aufmerksamkeit. Da sollte keiner zwischenfuschen und selbst die Tatsache, dass BMW den frühen Keynote-Termine am Vorabend der CES bekam, sorgte nur vordergründig für Entspannung. Erst am nächsten Nachmittag kam die große Gelassenheit: Stellantis-CEO Carlos Tavares hatte auf seiner Keynote nicht viel Neues erzählt und insbesondere die Show, die besser auf den sterbenden Pariser Autosalon denn auf die wichtigste Techmesse der Welt gepasst hätte, hatte dem kunterbunten BMW-Showevent nichts entgegenzusetzen.

Doch ganz so einfach war die Sache doch nicht, denn zugegeben war die Show, die Stellantis auf die Bühne des Venetian Theaters zauberte, eher aus dem heimischen Kindermagierkasten; zeigte jedoch mehr denn je, dass Stellantis längst andere Märkte im Blick hat als nur Europa. Klar, die Studie des Peugeot Inception war ebenso sehenswert wie überfällig. Schon lange war die neue Elektroplattform für Fahrzeuge der Mittel- und Oberklasse erwartet worden und hier rollte sie nun an – sehenswert verpackt in eine Studie, die mit Retrogefühlen spielte und mehr zu bieten hatte als nur mehr als sieben Quadratmeter Glasfläche. „Peugeot setzt sich für die Elektrifizierung seiner Produktpalette ein. Ab dem nächsten Jahr werden 100 Prozent der Fahrzeuge der Produktpalette elektrifiziert sein und in den nächsten zwei Jahren werden fünf neue elektrische Modelle auf den Markt kommen“, erläutert Peugeot-CEO Linda Jackson, „Peugeot soll bis 2030 die führende Elektromarke in Europa werden.“

Peugeot Inception
Die Studie Peugeot Inception soll einen Ausblick auf die künftige E-Mobilität beim französischen Hersteller geben. (Bild: Stellantis)

Vor Jahren hätte man die Studie auf dem Pariser Salon im Oktober gezeigt; doch auch die Franzosen haben erkannt, dass sich außerhalb des eigenen Landes niemand für den Autosalon interessiert. Trotzdem überraschend, dass die größte Messeneuigkeit in Vegas nicht von einer Marke wie Dodge, Alfa Romeo oder Jeep gespielt wurde, sondern von Peugeot – in den USA allenfalls nur durch den Dienstwagen des einstigen TV-Ermittlers Columbo bekannt. Technisch ist die fünf Meter lange Studie auf der STLA-Plattform unterwegs, verfügt über ein 800-Volt-Ladenetz sowie Steer-by-Wire. Die 100-kWh-Batterie soll Reichweiten von bis zu 800 Kilometern ohne Ladestopp ermöglichen und das Akkupaket in fünf Minuten für die nächsten 150 Kilometer erstarken lassen. Zwei Elektromotoren an Vorder- und Hinterachse mit einer Gesamtleistung von 500 kW / 680 PS lassen den Peugeot aus dem Stand in drei Sekunden auf Tempo 100 beschleunigen.

Der Blick schweift in die USA

Stellantis zeigte in Las Vegas nicht nur das Inception Concept, sondern insbesondere den neuen Ram 1500 BEV noch als seriennahe Studie. Hier haben Carlos Tavares und sein Ram-CEO Mike Koval jede Menge Druck, denn der Segmentführer Ford F-150 ist bereits als Lightning-Elektroversion auf dem Markt, der Tesla Cybertruck soll bald folgen und General Motors lässt in den nächsten Monaten den elektrischen Chevrolet Silverado auf die Kunden los. „Das Ram 1500 Revolution BEV Concept ist unser bisher deutlichstes Signal, dass wir bei Ram an der Schwelle zu etwas Außergewöhnlichem stehen, und zeigt direkt, wohin unsere Reise in Sachen Elektrifizierung geht", sagt Mike Koval Jr. „Bei Ram haben wir neu definiert, was Pick Ups sein können, und wir werden dies erneut tun, indem wir das Angebot der Wettbewerber übertreffen und die besten elektrischen Pick Ups auf dem Markt anbieten."

Ram E-Pickup
Mit dem Ram 1500 Revolution BEV Concept gibt der US-Hersteller einen Ausblick auf die größeren Kaliber der E-Mobilität. (Bild: Stellantis)

Mit technischen Details hielt sich Carlos Tavares in Las Vegas ebenso zurück wie Marken-Chef Mike Koval. Das Leistungsspektrum des neuesten Modells in der imageträchtigen Ram-Familie dürfte über dem der Verbrenner (260 bis 395 PS) und somit im Bereich des Platzhirschen Ford F-150 Lightning liegen, der aktuell mit 377 kW / 452 PS sowie 433 kW / 580 PS / 1.050 Nm angeboten wird. Mit dem elektrischen Ram 1500 Revolution BEV will Stellantis den großen Abstand seiner Verkaufszahlen zu den beiden meistverkauften Konkurrenten Ford F-150 und Chevrolet Silverado nennenswert reduzieren. Anders als der F-150 Lightning wird der Ram-BEV mit 800-Volt-Ladetechnik ausgestattet sein, wodurch sich das über 100 kWh große Akkupaket mit einer Geschwindigkeit von bis zu 350 Kilowatt nachladen lässt. Serienmäßig wird der Ram 1500 Revolution auf seiner STLA-Rahmenplattform mit verstellbarer Luftfederung nicht nur mit Allradantrieb, sondern auch einer Vierradlenkung unterwegs sein.

Dodge Charger soll für Power sorgen

Nicht weniger wichtig ist auf dem amerikanischen Markt der Dodge Charger Daytona SRT, der den Fans von bollernden US-Musclecars den Umstieg in die Elektromobilität erleichtern dürfte. Das neue Antriebssystem soll V8-Motorenklang und Auspuffsound der spektakulären Hellcar-Modelle mit ihren mehr als 700 PS übertreffen – rein elektrisch. „Das Concept Car Dodge Charger Daytona SRT gibt es, weil uns Leistung dazu veranlasst hat", sagt Dodge-CEO Tim Kuniskis, „Dodge steht für Muskeln, Ausstrahlung und Leistung, und die Marke trägt diesen Chip auf der Schulter und in das BEV-Segment mit einem Konzept voller Patente, Innovationen und Leistungsmerkmale, die das elektrifizierte Muscle Car von morgen verkörpern. Der Charger Daytona gibt nicht nur die Richtung vor, in die sich Dodge bewegt, er wird auch ‚American Muscle‘ neu definieren."

Und wenn die Leistung auf der Straße nicht spektakulär sein sollte: Auf der CES verkündete Stellantis, die Zusammenarbeit mit Archer, einem Hersteller von elektrischen Flugzeugen, auszubauen. Stellantis will Archer dabei unterstützen, die Produktionsstätte in Covington im US-Bundesstaat Georgia aufzubauen, wo ab dem kommenden Jahr das elektrische Kleinflugzeug Midnight entstehen soll. Der elektrische Midnight-Flieger kann in einem ersten Schritt vier Passagiere und einen Piloten befördern. Mit einer Reichweite von 160 Kilometern ist Midnight für Kurzstreckenflüge von etwa 30 Kilometer optimiert, wobei die Ladezeit dazwischen etwa zehn Minuten betragen soll.

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