Industrie setzt auf humanoide Roboter

Physical AI mit Rekordtempo auf dem Weg zum Milliardenmarkt

Das industrielle Potenzial von humanoiden Robotern oder autonomen Shuttles ist enorm. Eine aktuelle Studie sieht ein rasantes Wachstum in Richtung Multi-Milliardenmarkt. Tech-Kooperationen schießen daher gerade wie Pilze aus dem Boden.

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Industrieunternehmen wie Schaeffler investieren gerade viel in humanoide Robotik.

Künstliche Intelligenz erreicht eine neue Entwicklungsstufe und verlagert sich zunehmend in physische Anwendungsfelder. Darauf weist eine aktuelle Studie der Strategieberatung Strategy& von PwC hin. Die Analysten rechnen bis zum Jahr 2030 mit einem weltweiten Marktpotenzial von rund 430 Milliarden Euro, davon 80 bis 110 Milliarden Euro in Europa und 20 bis 26 Milliarden Euro in Deutschland.

Physical AI beschreibt KI-Systeme, die nicht nur digitale Inhalte erzeugen, sondern realweltliche Geräte und Maschinen autonom steuern können – von Fahrzeugen über humanoide Roboter bis hin zu Infrastrukturkomponenten. Die Technologie soll Entscheidungen eigenständig treffen, sich in komplexen Umgebungen bewegen und physisch mit Menschen interagieren. Bereits heute kommen autonome Taxis oder selbstlernende Logistikroboter in ersten Märkten zum Einsatz.

Wertschöpfung entlang der gesamten industriellen Kette

Die Studie sieht die stärksten Wachstumsimpulse im Mobilitätssektor, etwa beim autonomen Fahren, mit einem potenziellen Volumen von 170 Milliarden Euro. Weitere relevante Bereiche sind industrielle Systeme und Infrastruktur (69 Milliarden Euro), humanoide Service‑Roboter (68 Milliarden Euro), Luft- und Raumfahrt sowie Verteidigung (50 Milliarden Euro). Knappe oder stark ausgelastete Arbeitskräfte sowie Automatisierungspotenziale gelten als zentrale Treiber der Entwicklung.

Hinter autonomem Fahren erwarten die Strategy&-Experten das größte Umsatzpotenzial vor allem im industriellen Kontext

Ein technologischer Schlüssel für die nächste Phase der KI sind sogenannte Weltmodelle: KI‑Systeme, die physische Umgebungen simulieren und Prognosen über deren Verhalten treffen können. Sie ermöglichen es, Roboter und autonome Systeme zunächst virtuell zu trainieren, was Zeit und Kosten in der Entwicklung deutlich reduziert.

Enges Zeitfenster für Europas Firmen

Strategy& betont, dass die grundlegenden Plattformen, Standards und Datenökosysteme für Physical AI in den kommenden 12 bis 24 Monaten entstehen werden. Unternehmen, die sich in dieser Phase nicht positionieren, könnten langfristig auf fremde Systeme angewiesen sein. „Europa hat bei Physical AI klare Stärken – in der Automobiltechnologie, der Industrieautomatisierung und der Sensorik. Aber die Wertschöpfung erstreckt sich zunehmend über reine Hardware hinaus in Richtung KI-Modelle, Simulationsplattformen und Recheninfrastruktur“, erklärt Tanjeff Schadt, Co-Autor der Studie und Partner bei Strategy&.

Schaeffler kooperiert mit Leju Robotics

Parallel zur Veröffentlichung der Studie hat Schaeffler angekündigt, seine Aktivitäten in Feld der Physical AI weiter auszubauen. Das Unternehmen hat eine strategische Partnerschaft mit dem chinesischen Robotikhersteller Leju Robotics geschlossen. Ziel sei es, humanoide Roboter in industriellen Anwendungen wie Fabrikinspektion, Maschinenbedienung, Logistik oder kollaborativen Arbeitsumgebungen voranzubringen. Schaeffler plant, bis 2035 eine mittlere vierstellige Zahl humanoider Roboter in der eigenen Produktion einzusetzen.

Schaeffler bringt in die Partnerschaft Schlüsselkomponenten von Wälz- und Präzisionslagern über Sensorik und Motoren bis hin zu Thermo- und Batteriemanagement ein. Das Unternehmen sieht die Kooperation als wichtigen Schritt, um seine internationale Position im Humanoid‑Ökosystem auszubauen.

BMW und Mercedes testen humanoide Robotik in der Produktion

Auch deutsche OEMs treiben den Einsatz humanoider Systeme voran. BMW startete in seinem Werk in Spartanburg erste Pilotprojekte mit humanoiden Robotern, die künftig monotone oder ergonomisch anspruchsvolle Aufgaben übernehmen sollen. Nun soll auch im BMW-Werk in Leipzig erstmals ein Humanoider in der Serienfertigung von Hochvoltbatterien sowie in der Komponentenfertigung für Außenteile eingesetzt werden.

Mercedes‑Benz wiederum testet den humanoiden Roboter „Apollo“ unter anderem in Montagebereichen und in der internen Logistik. Der Hersteller untersucht dabei, wie humanoide Systeme flexible Automatisierungslücken schließen und in bestehende Produktionsprozesse integriert werden können.