Opel-Zentrale in Rüsselsheim

Opel-Zentrale: Die Marge der Rüsselsheimer lag 2017 bei minus 2,5 Prozent. (Bild: Opel)

Die Fixkosten seien um 17 Prozent gesunken, sagte Tavares am Donnerstag (1. März) in Rueil-Malmaison bei Paris. Der als «Kostenkiller» geltende PSA-Chef machte deutlich, es könne noch «unpopuläre Entscheidungen» geben, die aber letztlich im Interesse der Opel-Beschäftigen seien. Ins Detail ging er dabei nicht.

PSA mit den Stamm-Marken Peugeot, Citroën und DS hatte Opel und die britische Schwestermarke Vauxhall im Sommer 2017 für 1,3 Milliarden Euro von US-Konzern General Motors übernommen. Opel-Chef Michael Lohscheller bewertete den seit August aufgelaufenen operativen Verlust seines Unternehmens von 179 Millionen Euro vor Sondereinflüssen als «weiteres Signal, dass es so nicht weitergehen kann». Für das komplette Vorjahr 2016 hatte der damalige Eigentümer GM einen Verlust von umgerechnet 241 Millionen Euro ausgewiesen.

Alle Werke müssten wettbewerbsfähig werden, forderte der Opel-Chef. Er wehrte sich dabei gegen den Eindruck, dass die Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretungen an den deutschen Standorten ins Stocken geraten seien. «Das machen wir sorgfältig», sagte er. Auf einen Zeitplan wollte er sich dabei nicht festlegen. Lohscheller sprach sich auch dafür aus, mehr Autos außerhalb Europas zu verkaufen. «Wir brauchen ein deutlich höheres Exportvolumen.»

Der PSA-Konzern hält unterdessen an seinem Gewinnziel für Opel fest. Im übernächsten Jahr solle das operative Ergebnis im laufenden Geschäft bei zwei Prozent des Umsatzes liegen, sagte Finanzvorstand Jean-Baptiste de Chatillon.

Der PSA-Konzern verdiente 2017 insgesamt operativ knapp vier Milliarden Euro und damit fast ein Viertel mehr als im Vorjahr. Mit der Opel-Übernahme konnte PSA seinen Umsatz um ein Fünftel auf 65,2 Milliarden Euro steigern. Opel hatte unter der Führung des Vorbesitzers General Motors seit 1999 keinen Jahresgewinn mehr geschafft. An der Börse ging der PSA-Kurs nach Vorlage der aktuellen Zahlen deutlich nach oben.

Im Detail sind bei Opel unter anderem der Reise-Etat und der IT-Aufwand deutlich geschrumpft. PSA hält sich auch zugute, die Entwicklungskosten des neuen Corsa im Vergleich zu den GM-Planungen um die Hälfte reduziert zu haben. Die neuen Modelle bieten deutlich weniger Variationsmöglichkeiten, sind aber auch mit einer um 40 Prozent verringerten Zahl von Bauteilen einfacher und kostengünstiger zu produzieren.

Gemessen am Umsatz habe PSA mit rund 10 Prozent die geringsten Lohnkosten der Industrie und sei damit weltweiter Maßstab, verkündete Tavares stolz. Um auch bei Opel auf dieses Niveau zu kommen, hat der Konzern bereits für etliche Opel-Werke in Großbritannien, Spanien, Polen, Österreich und Ungarn Vereinbarungen mit den dortigen Gewerkschaften über Lohnkürzungen und Job-Einschnitte getroffen.

Für die deutschen Werke steht bislang nur eine Rahmenvereinbarung mit der IG Metall und dem Gesamtbetriebsrat zu Kurzarbeit und Frühverrentungen. Die Verhandlungen zu den einzelnen Standorten Rüsselsheim, Eisenach und Kaiserslautern stecken derzeit im Detail. «Der Druck auf die deutschen Werke steigt, zumal die Beschäftigungssicherung nur bis Ende 2018 greift», meint dazu der Essener Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer. Dem Opel-Betriebsratsvorsitzenden Wolfgang Schäfer-Klug werde daher bald die Luft ausgehen. «Tavares sitzt am längeren Hebel.»

Opel muss seine Produktion aktuell zurückfahren, ist der Leiter des CAR-Instituts der Universität Duisburg-Essen überzeugt. Tavares selbst hatte den hohen Bestand von mehr als 264 000 unverkauften Fahrzeugen bei Opel-Vauxhall kritisiert. 

PSA-Finanzchef Chatillon sagte, mit GM werde nicht über den Kaufpreis für Opel gesprochen, es gehe hingegen um Aspekte der Buchhaltung. «Nichts hat sich geändert», sagte der Manager mit Blick auf den Preis. Ende 2017 hatte es Spekulationen gegeben, wonach PSA von GM 500 Millionen Euro wegen der CO2-Emissionen bei Opel zurückverlangen wolle. De Chatillon sprach von Gerüchten. Es gebe keinen Anspruch gegenüber GM wegen der Emissionswerte.

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dpa