Neue Investitionen des Multimarkenkonzerns
Stellantis plant günstige E-Autos und KI-gestützte Fertigung
Stellantis plant ab 2028 die Produktion eines neuen, günstigen E-Autos im Werk Pomigliano. Parallel treibt der Konzern mit Partnern den Einsatz von KI und digitalen Zwillingen voran, um Prozesse in der globalen Fertigung effizienter zu machen.
Das Fiat-Werk im italienischen Pomigliano d'Arco könnte zum zentralen Produktions-Hub für erschwingliche E-Modelle des Multimarkenkonzerns werden.
Stellantis
Stellantis konkretisiert seine Produktionsstrategie für das
Kleinwagensegment und setzt dabei parallel auf eine umfassende Digitalisierung
der Fertigung. Während im italienischen Werk Pomigliano d’Arco ab 2028 ein
neues, erschwingliches Elektroauto gefertigt werden soll, verfolgt der Konzern
gemeinsam mit Technologiepartnern eine Neuausrichtung seiner industriellen
Prozesse.
E-Car-Projekt stärkt Werk Pomigliano
Mit der geplanten Produktion eines neuen, vollelektrischen
Kleinwagens knüpft Stellantis an die Tradition des Standorts Pomigliano an. Das
Werk bei Neapel war in der Vergangenheit unter anderem für volumenstarke
Modelle wie den Fiat Panda verantwortlich.
Das nun angekündigte „E-Car“ zielt auf ein Segment, das in
Europa zuletzt deutlich unter Druck geraten ist: kleine, erschwingliche
Fahrzeuge. Stellantis reagiert damit auf eine Lücke im Markt und will zugleich
die lokale Fertigung stärken.
Der Produktionsstart ist für 2028 vorgesehen. Das Modell
soll als kompaktes, vollelektrisches Fahrzeug konzipiert werden, das auf
Alltagstauglichkeit im urbanen Umfeld ausgelegt ist. Mehrere Marken des
Konzerns dürften auf der Plattform aufsetzen.
Für Stellantis ist das Projekt auch industriepolitisch
relevant: Entwicklung und Produktion sollen bewusst in Europa stattfinden, um
Wertschöpfung und Beschäftigung in Design und Fertigung zu sichern. Technologisch setzt Stellantis bei den neuen Modellen auf
Kooperationen. Durch die Zusammenarbeit mit ausgewählten Partnern will der OEM
Entwicklungszeiten verkürzen und Kosten senken. Diese Herangehensweise spiegelte bereits in anderen
Projekten wider, bei denen Plattformen, Software und Komponenten stärker
standardisiert wurden. Auch beim E-Car dürfte dieser Ansatz eine zentrale Rolle
spielen, um die angestrebte Preisposition realisieren zu können.
KI und digitale Zwillinge als Hebel in der Produktion
Parallel zum Produktprojekt treibt Stellantis die
Transformation seiner Fertigung voran. Gemeinsam mit Accenture und Nvidia
arbeitet der Konzern an KI-gestützten digitalen Zwillingen für seine Werke. Dabei
entstehen virtuelle Abbilder realer Fabriken, die auf Echtzeitdaten basieren.
Ziel ist es, Produktionsprozesse bereits vor der physischen Umsetzung zu
simulieren und zu optimieren, heißt es aus Amsterdam.
Zu den geplanten Anwendungsfeldern zählen unter anderem frühzeitige
Validierung von Produktionsprozessen, vorausschauende Qualitätskontrolle, optimierte
Wartungsstrategien sowie Simulation von Materialflüssen und Auslastungen.
Die ersten Pilotprojekte sollen 2026 in nordamerikanischen
Werken starten. Auf dieser Basis will Stellantis die Skalierbarkeit im globalen
Produktionsnetzwerk prüfen.
Schritt zur softwaregesteuerten Fabrik
Langfristig zielt Stellantis auf ein stärker datenbasiertes
Produktionsmodell. Digitale Zwillinge, KI und Simulation sollen zusammenwirken,
um Fabriken anpassungsfähiger und effizienter zu machen. Ein zentraler Ansatz
dabei ist die sogenannte Closed-Loop-Optimierung: Virtuelle und reale
Produktionssysteme tauschen kontinuierlich Daten aus und verbessern sich
gegenseitig.
Für den Automobilhersteller ist dies ein weiterer Schritt
hin zu einer softwaregetriebenen Industriearchitektur, in der
Produktionssysteme schneller auf Nachfrageänderungen reagieren und neue Modelle
effizienter integriert werden können.
Stellantis muss sich stabilisieren
Die Initiativen fallen in eine Phase der finanziellen
Neuordnung bei Stellantis. Nach einem massiven Verlust von 22,3 Milliarden Euro
im Jahr 2025 – ausgelöst unter anderem durch Abschreibungen auf die
US-Elektrostrategie und eine schwächere Nachfrage infolge gekürzter
Subventionen – konnte der Konzern im ersten Quartal 2026 wieder schwarze Zahlen
schreiben.
Parallel zur Stabilisierung treibt CEO Antonio Filosa die
operative Neuausrichtung voran. Neben neuen Modellen – für 2026 sind zehn
Fahrzeugneuheiten angekündigt – rückt dabei auch die globale
Produktionsstruktur stärker in den Fokus.
Ein Beispiel ist die kürzlich bekanntgegebene Neuaufstellung
des Joint Ventures mit Donfeng in China: Das Werk in Wuhan soll ab 2027 zur
zentralen Fertigungsbasis für Elektrofahrzeuge ausgebaut werden. Geplant sind
neue Peugeot-Modelle für den Export sowie elektrifizierte Jeep-Fahrzeuge für
den Weltmarkt. Mit Investitionen von rund einer Milliarde Euro entwickelt sich
der Standort zunehmend zu einem internationalen Produktions- und Exporthub –
ein Ansatz, der die parallelen Projekte in Europa ergänzt und die globale
Aufstellung des Konzerns neu justiert.