Transformations-Expertin wird Personalvorständin
Yvonne Bettkober verlässt Audi in Richtung Daimler Truck
Nach nur einem Jahr gibt Yvonne Bettkober ihren Posten als Chef-Transformatorin bei Audi überraschend wieder auf. Der Grund: Ab Oktober soll sie im Daimler-Truck-Vorstand die Geschicke im Personal-Ressort leiten.
Yvonne Bettkober bringt durch ihre Arbeit bei Microsoft oder AWS viel Tech-Knowhow mit – Wissen, das sie nun bei Daimler Truck ausspielen kann.
Audi
Vor gut einem Jahr hat Audi-Chef Gernot Döllner angesichts
schwindender Absätze einen harten Sparplan und weitere Schritte der
fundamentalen Neustrukturierung der VW-Tochter angekündigt. Dazu gehörte auch
der Aufbau einer neuen Organisationseinheit, die „wesentliche
Steuerungsfunktionen“ für den Umbau des Premium-OEMs in sich vereinen und
vorantreiben sollte.
An die Spitze dieser Einheit setzte Döllner Yvonne
Bettkober, die viel Erfahrung aus dem Konzern, aber auch aus der Tech-Branche
durch ihre früheren Anstellungen bei Microsoft und AWS mitbrachte.
Perspektiven, „die wir genau jetzt in der Transformation von Audi brauchen“,
sagte Döllner damals.
Bettkober konnte „Weichen stellen“
Nun, ein gutes Jahr später, hat sich die Bilanz bei Audi
auch dank einer Ausgleichstranche von der Konzernmutter Volkswagen leicht
verbessert, der Absatz schrumpft jedoch weiter. Und auch die hochgelobte
Transformations-Expertin Bettkober ist überraschenderweise nicht mehr an Bord.
Wie Audi mitteilt, verlässt sie „nach wesentlichen Weichenstellungen“ den
Konzern mit sofortiger Wirkung.
Döllner dankte Bettkober für ihre Führung und die Impulse,
die sie in einer für Audi entscheidenden Phase gesetzt habe. „Sie hat
wesentlich dazu beigetragen, das Unternehmen fokussierter, effizienter und
handlungsfähiger aufzustellen und eine Kultur der Verantwortung und
Zusammenarbeit weiterzuentwickeln“, so der Audi-Boss.
Wie Audi auf Nachfrage mitteilte, habe Bettkober durchaus ein bestelltes Feld hinterlassen. Ein Jahr nach der Zukunftsvereinbarung seien zentrale Schritte der Neuaufstellung erfolgreich abgeschlossen. Neue Organisationsstrukturen seien aufgebaut, die Geschäftsbereiche setzten ihre Zielbilder um und die Reorganisation träte nun in ihre Schlussphase ein. „Damit verschiebt sich der Schwerpunkt der Transformationsarbeit: Statt des strukturellen Umbaus rückt zunehmend die Wirksamkeit im täglichen Arbeiten in den Mittelpunkt“, erklärte eine Sprecherin.
Nächster Karriereschritt: Daimler Truck
Die Entscheidung, Audi nach nur gut einem Jahr wieder zu
verlassen, fiel auf eigenen Wunsch und „in bestem beiderseitigem
Einvernehmen“. Denn für Bettkober hat sich eine Chance aufgetan, auf der
Karriereleiter noch ein paar Sprossen nach oben zu klettern. Zum 1. Oktober
2026 wird sie Vorstandsmitglied bei Daimler Truck und verantwortet dort das Ressort
Personal. Sie folgt damit auf Jürgen Hartwig, der das Unternehmen nach 30
Jahren Ende November verlassen wird. Bettkobers Amtszeit läuft bis Ende September
2029.
„Yvonne steht für echten Wandel und nimmt die Menschen dabei
mit – genau die Art von Führung, die wir brauchen, um unseren Weg, das weltweit
beste Lkw‑ und Busunternehmen zu werden, erfolgreich fortzusetzen“,
kommentierte Daimler-Truck-CEO Karin Radström die Personalie. Bettkober selbst zeigt
sich erfreut, nun Teil der Daimler-Truck-Familie zu sein: „Transformation
bedeutet für mich vor allem, Anpassungsfähigkeit zu ermöglichen. In einem
zunehmend volatilen und komplexen globalen Umfeld erfordern ambitionierte Ziele
eine Organisation, die Innovation, Geschwindigkeit, Leistungsorientierung und
konsequente Umsetzung vereint.“
Bettkober wechselte 2023 von AWS zum VW-Konzern, in dem sie die Organisationsentwicklung und Transformation unter anderem auch für Cariad verantwortete. Im März 2025 wurde sie dann zur Chief Transformation Officer bei Audi ernannt.
Auch Daimler Truck sucht nach Wettbewerbsfähigkeit
Daimler Truck steht wie Audi unter massivem Druck. Der Gewinn von Daimler Truck ist um 34 Prozent eingebrochen, der
Nutzfahrzeughersteller hat sich selbst ein großes Sparprogramm für mehr
Wettbewerbsfähigkeit für Europa auferlegt: Bis 2030 sollen damit die laufenden
Kosten auf dem Heimatkontinent um mehr als eine Milliarde Euro sinken. In
Deutschland sollen deshalb ungefähr 5.000 Stellen wegfallen. Betroffen ist
insbesondere die Marke Mercedes-Benz.
Audi muss sich derweil nach einem neuen Chief Transformation
Officer umsehen. Interimsweise soll Daniel Knauer, Leiter Generalsekretariat
und Unternehmensstrategie, zusätzlich zu seiner aktuellen Funktion den Bereich
Transformation übernehmen.