ZF behält Bau und Entwicklung von E-Motoren im eigenen Haus
ZF setzt trotz Milliardenverlusten und hoher Verschuldung auf eigene Entwicklung und Fertigung von E-Motoren und Invertern. Die Entscheidung ist Ergebnis einer internen Sonderprüfung im Rahmen der umfassender Restrukturierungsmaßnahmen des Autozulieferers.
Redaktion Redaktion
2 min
ZFs neuer Chef Mathias Miedreich verantwortete zuvor die Geschicke der E-Division bei ZF. Für ihn ist klar, dass ZF auch in Zukunft ein Automobilzulieferer mit großer Expertise in Antriebsstrang und Chassis sein wird.ZF Group
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ZF stellt seine Pkw-Antriebssparte strategisch neu auf und
hält dabei an der Eigenfertigung zentraler Komponenten für die Elektromobilität
fest: E-Motoren und Inverter bleiben Teil der eigenen Wertschöpfung. Die
Entscheidung fällt inmitten einer umfassenden Restrukturierung und vor dem
Hintergrund angespannter Geschäftszahlen.
Der Vorstand folgt mit dem Beschluss einer Empfehlung aus
einer breit angelegten „Make-or-Buy“-Sonderprüfung. Im Zentrum standen
wirtschaftliche und strategische Faktoren, darunter technologische
Souveränität, Lieferkettenrisiken und langfristige Wettbewerbsfähigkeit.
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„Die Entscheidung für die Produktion der
E-Antriebs-Kernkomponenten Motor und Wechselrichter haben wir im
Schulterschluss mit unserer Arbeitnehmervertretung getroffen“, sagte ZF-CEO
Mathias Miedreich. Gleichzeitig macht er klar: „Das verlangt aber zwingend
deutlich verbesserte Kostenstrukturen.“ Damit will ZF bei Schlüsseltechnologien
der Elektromobilität unabhängig von externen Zulieferern bleiben.
Die Entscheidung ist eingebettet in eine tiefgreifende
Neuaufstellung der Elektro-Division des Friedrichshafener Zulieferers .Die
Sparte war angesichts schwacher Nachfrage nach E-Fahrzeugen zuletzt in die
Verlustzone geraten.
Auch künftig setzt ZF auf eigene Entwicklung und Produktion des gesamten E-Antriebsstrangs – samt Inverter (Wechselrichter) und E-Motor.ZF Group
Vor diesem Hintergrund verfolgt das Management einen klaren
Kurs. „Wenn wir den jetzt eingeschlagenen Kurs diszipliniert weiterfahren,
werden wir Anfang 2028 sagen können, dass wir die Phase der Restrukturierung,
des Stellenabbaus, des Sparens und der strikten Schuldenreduzierung hinter uns
lassen können“, sagte Miedreich vor kurzem dem Südkurier.
Fokus auf Kerngeschäft und Schuldenabbau
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ZF will sich künftig stärker auf seine Rolle als klassischer
Automobilzulieferer konzentrieren. „ZF wird künftig wieder in erster Linie ein
Automobilzulieferer mit großer Expertise in Antriebsstrang und Chassis sein“,
so Miedreich.
Die Eigenfertigung von E-Motor und Inverter passt in dieses
Bild: Sie sichert Kernkompetenzen genau in diesen Bereichen. Gleichzeitig steht
der Schuldenabbau im Fokus. Der Cashflow sei nötig, damit ZF seine Kredite
zurückzahlen könne, betonte der CEO gegenüber dem Südkurier. Für die kommunalen Eigentümer bedeutet das Geduld: Eine
Dividende ist vorerst nicht in Sicht.
Die Entscheidung für „Make“ hat auch eine
arbeitsmarktpolitische Dimension. Noch im vergangenen Jahr standen beide
Komponenten auf dem Prüfstand für einen möglichen Zukauf durch externe Partner.
„Im vergangenen Sommer standen beide Produkte auf ,Buy‘, was einen gewaltigen
Arbeitsplatzabbau und den Verlust von Kompetenz bedeutet hätte“, sagt
Gesamtbetriebsratschef Achim Dietrich. Ein paritätisch besetztes Gremium aus Unternehmens- und
Arbeitnehmervertretern empfahl schließlich die Eigenfertigung – der Vorstand
schloss sich an.
Kostensenkung bleibt zentrale Aufgabe
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Trotz erster Fortschritte bleibt der Handlungsdruck hoch. ZF
hat bereits Maßnahmen wie höhere Automatisierung, geringere Variantenvielfalt
und intensivere Lieferantenverhandlungen umgesetzt.
Dennoch besteht weiterhin eine deutliche Lücke zu den
Zielkosten. „Zur Wahrheit gehört auch: Die bestehende Kostenlücke müssen wir
schließen, um auf dem Weltmarkt zu bestehen“, sagt Divisionsleiter Sebastian
Schmitt.
Weitere strukturelle Anpassungen sind geplant,
einschließlich Stellenabbau – möglichst sozialverträglich über natürliche
Fluktuation und freiwillige Programme. Kündigungen sollen vermieden werden,
sind aber nicht ausgeschlossen.
Die Entscheidung für die Eigenfertigung ist ein Baustein
eines umfassenden Transformationsprogramms. Neben dem klassischen
Automobilgeschäft will ZF auch neue Felder wie den Verteidigungsbereich moderat
ausbauen – ohne jedoch seine industrielle Identität zu verändern.
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Im Kern setzt der Konzern jedoch auf eine Rückbesinnung:
weniger Komplexität, klarer Fokus, stärkere finanzielle Stabilität. Die
Eigenfertigung von E-Antriebskomponenten ist dabei nicht nur
Technologieentscheidung – sondern auch ein Signal für die künftige Ausrichtung.