Interne Prüfung abgeschlossen

ZF behält Bau und Entwicklung von E-Motoren im eigenen Haus

ZF setzt trotz Milliardenverlusten und hoher Verschuldung auf eigene Entwicklung und Fertigung von E-Motoren und Invertern. Die Entscheidung ist Ergebnis einer internen Sonderprüfung im Rahmen der umfassender Restrukturierungsmaßnahmen des Autozulieferers.

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ZFs neuer Chef Mathias Miedreich verantwortete zuvor die Geschicke der E-Division bei ZF. Für ihn ist klar, dass ZF auch in Zukunft ein Automobilzulieferer mit großer Expertise in Antriebsstrang und Chassis sein wird.

ZF stellt seine Pkw-Antriebssparte strategisch neu auf und hält dabei an der Eigenfertigung zentraler Komponenten für die Elektromobilität fest: E-Motoren und Inverter bleiben Teil der eigenen Wertschöpfung. Die Entscheidung fällt inmitten einer umfassenden Restrukturierung und vor dem Hintergrund angespannter Geschäftszahlen.

Der Vorstand folgt mit dem Beschluss einer Empfehlung aus einer breit angelegten „Make-or-Buy“-Sonderprüfung. Im Zentrum standen wirtschaftliche und strategische Faktoren, darunter technologische Souveränität, Lieferkettenrisiken und langfristige Wettbewerbsfähigkeit.

„Die Entscheidung für die Produktion der E-Antriebs-Kernkomponenten Motor und Wechselrichter haben wir im Schulterschluss mit unserer Arbeitnehmervertretung getroffen“, sagte ZF-CEO Mathias Miedreich. Gleichzeitig macht er klar: „Das verlangt aber zwingend deutlich verbesserte Kostenstrukturen.“ Damit will ZF bei Schlüsseltechnologien der Elektromobilität unabhängig von externen Zulieferern bleiben.

Restrukturierung unter schwierigen Vorzeichen

Die Entscheidung ist eingebettet in eine tiefgreifende Neuaufstellung der Elektro-Division des Friedrichshafener Zulieferers .Die Sparte war angesichts schwacher Nachfrage nach E-Fahrzeugen zuletzt in die Verlustzone geraten.

Gleichzeitig kämpft der Konzern insgesamt mit erheblichen finanziellen Belastungen: 2025 wies ZF einen Verlust von 2,1 Milliarden Euro aus – nach bereits roten Zahlen im Jahr zuvor. Die Nettoverschuldung liegt bei rund 10,2 Milliarden Euro.

Auch künftig setzt ZF auf eigene Entwicklung und Produktion des gesamten E-Antriebsstrangs – samt Inverter (Wechselrichter) und E-Motor.

Vor diesem Hintergrund verfolgt das Management einen klaren Kurs. „Wenn wir den jetzt eingeschlagenen Kurs diszipliniert weiterfahren, werden wir Anfang 2028 sagen können, dass wir die Phase der Restrukturierung, des Stellenabbaus, des Sparens und der strikten Schuldenreduzierung hinter uns lassen können“, sagte Miedreich vor kurzem dem Südkurier.

Fokus auf Kerngeschäft und Schuldenabbau

ZF will sich künftig stärker auf seine Rolle als klassischer Automobilzulieferer konzentrieren. „ZF wird künftig wieder in erster Linie ein Automobilzulieferer mit großer Expertise in Antriebsstrang und Chassis sein“, so Miedreich.

Die Eigenfertigung von E-Motor und Inverter passt in dieses Bild: Sie sichert Kernkompetenzen genau in diesen Bereichen. Gleichzeitig steht der Schuldenabbau im Fokus. Der Cashflow sei nötig, damit ZF seine Kredite zurückzahlen könne, betonte der CEO gegenüber dem Südkurier. Für die kommunalen Eigentümer bedeutet das Geduld: Eine Dividende ist vorerst nicht in Sicht.

Die Entscheidung für „Make“ hat auch eine arbeitsmarktpolitische Dimension. Noch im vergangenen Jahr standen beide Komponenten auf dem Prüfstand für einen möglichen Zukauf durch externe Partner. „Im vergangenen Sommer standen beide Produkte auf ,Buy‘, was einen gewaltigen Arbeitsplatzabbau und den Verlust von Kompetenz bedeutet hätte“, sagt Gesamtbetriebsratschef Achim Dietrich. Ein paritätisch besetztes Gremium aus Unternehmens- und Arbeitnehmervertretern empfahl schließlich die Eigenfertigung – der Vorstand schloss sich an.

Kostensenkung bleibt zentrale Aufgabe

Trotz erster Fortschritte bleibt der Handlungsdruck hoch. ZF hat bereits Maßnahmen wie höhere Automatisierung, geringere Variantenvielfalt und intensivere Lieferantenverhandlungen umgesetzt.

Dennoch besteht weiterhin eine deutliche Lücke zu den Zielkosten. „Zur Wahrheit gehört auch: Die bestehende Kostenlücke müssen wir schließen, um auf dem Weltmarkt zu bestehen“, sagt Divisionsleiter Sebastian Schmitt.

Weitere strukturelle Anpassungen sind geplant, einschließlich Stellenabbau – möglichst sozialverträglich über natürliche Fluktuation und freiwillige Programme. Kündigungen sollen vermieden werden, sind aber nicht ausgeschlossen.

Mit Material der dpa.

Teil einer breiteren Neuausrichtung

Die Entscheidung für die Eigenfertigung ist ein Baustein eines umfassenden Transformationsprogramms. Neben dem klassischen Automobilgeschäft will ZF auch neue Felder wie den Verteidigungsbereich moderat ausbauen – ohne jedoch seine industrielle Identität zu verändern.

Im Kern setzt der Konzern jedoch auf eine Rückbesinnung: weniger Komplexität, klarer Fokus, stärkere finanzielle Stabilität. Die Eigenfertigung von E-Antriebskomponenten ist dabei nicht nur Technologieentscheidung – sondern auch ein Signal für die künftige Ausrichtung.