Conti-Spin-off unter Druck
Aumovio erwartet weiteren Umsatzrückgang
Aumovio rutscht trotz Sparkurs tiefer in die Krise: Schwaches Marktumfeld, Standortabbau und hohe Sonderkosten drücken Umsatz und Ergebnis. Die Gewinnmarge könnte weiter sinken, während der Konzern seine Verschlankung vorantreibt.
Zulieferer Aumovio steckt noch mitten in der Krise. Der Konzernumbau und die Abspaltung von Conti haben massiv Geld verschlungen.
Aumovio
Aumovio kämpft weiter mit einem schwachen Umfeld. Im neuen
Jahr dürfte der Erlös erneut sinken, wie der Autozulieferer aus Frankfurt
mitteilte. Einen Rückgang der Gewinnmarge aus dem Tagesgeschäft schließt das
Management um Chef Philipp von Hirschheydt trotz des harten Sparkurses
ebenfalls nicht aus. Die Marktbedingungen seien weiter schwierig, auch deshalb
setze der Konzern die angekündigte Reduzierung von Produktionsstandorten fort,
hieß es. Unter dem Strich kosteten der Konzernumbau und die Abspaltung viel
Geld, der Nettoverlust weitete sich aus.
Analyst Harry Martin vom Analysehaus Bernstein attestierte
Aumovio nun einen sehr starken Barmittelzufluss. Der Ausblick liege im Rahmen
anderer Autozulieferer, aber unter den mittleren Markterwartungen. Auch Experte
Jose Asumendi von JPMorgan wertete den bereinigten Free Cashflow aus dem
Vorjahr als klar positive Überraschung.
Aumovio leidet unter schlechter Auftragslage
Wie die gesamte Branche leidet der Hersteller von unter anderem Bremsen,
Elektronik und Innenraumdisplays unter der schwachen Nachfrage durch Autobauer,
weil die Produktion von Fahrzeugen weltweit weiter nicht recht in die Gänge
kommt. Im vergangenen Jahr sei die Umsatzentwicklung im Kerngeschäft weitgehend
konstant gewesen, wenn Verkäufe von Unternehmensteilen, Kapazitätsabbau und
Wechselkurse ausgenommen werden – in toto ging es jedoch um 5,6 Prozent auf
18,55 Milliarden Euro nach unten mit dem Erlös.
Dieses Jahr dürften es dann nur 17,0 bis 18,5 Milliarden Euro auf bereinigter
Basis werden – also ohne Geschäftsverkäufe gerechnet. Aumovio geht von einem
Rückgang der weltweiten Produktion von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen aus. Das
dürfte zusammen mit einer weiteren Reduzierung der Produktionsstätten und
Teilverkäufen sowie mit verzögerten Hochläufen und Wechselkurseffekten in allen
Sparten zu geringeren Erlösen führen. In Nordamerika lasten vor allem die von
US-Präsident Donald Trump erhöhten Zölle auf der Nachfrage.
Direkte Lieferbeeinträchtigungen durch den Nahost-Krieg spüren die Frankfurter
bisher laut von Hirschheydt kaum. Verzögerungen seien aber künftig schon zu
erwarten, sagte er.
Verschlankungskurs setzt sich fort
Der Manager hat den Blick wegen des schwachen Abschneidens in den Vorjahren auf
die Profitabilität gerichtet. Noch unter Conti wurden 5.400 Verwaltungsjobs und
1.750 Stellen in der Forschung und Entwicklung gestrichen. Weitere 3.000 Jobs
in Forschung und Entwicklung entfielen zum Großteil schon bis Ende 2025, im
Januar kündigte das Unternehmen den Abbau von weiteren 4.000 Stellen in dem
Bereich an. Bei den noch laufenden Sparrunden gehen auch erneut Arbeitsplätze
in Deutschland verloren, der Schwerpunkt liegt aber auf dem Ausland.
Auch in der Produktion will das Management den Konzern verschlanken. Von
weltweit 55 Produktionsstätten sollen auf Sicht zehn wegfallen, in diesem Jahr
werden vier geschlossen. So kündigte von Hirschheydt zur Wochenmitte an, ein
Werk in China dichtzumachen. 1.500 Stellen in der Produktion fallen damit
zusätzlich weg.
Margenrückgänge nicht ausgeschlossen
Die operative Marge (bereinigtes Ebit) erwarten von Hirschheydt und
Finanzchefin Jutta Dönges für das laufende Jahr bei 3,5 bis 5,0 Prozent - ein
Rückgang im Vergleich zum Vorjahr wäre damit nicht ausgeschlossen. Analysten
gingen laut einer Erhebung im Auftrag des Unternehmens bisher im Schnitt von
4,4 Prozent Marge aus. 2025 legte die Marge dank Einsparungen von zuvor 2,5 auf
3,9 Prozent zu.
Der Produktmix sollte bei der Marge nun Rückenwind liefern, ebenso die weitere
Reduzierung des Produktionsnetzwerkes. Höhere Rohmaterialkosten dürften dem
aber entgegenwirken. Die höheren US-Zölle erzeugten Finanzchefin Dönges zufolge
bisher keine direkte Belastung der Gewinnkennziffern – dem Unternehmen gelinge
es gut, sich die höheren Zölle bei den Kunden wiederzuholen.
Unter dem Strich weitete Aumovio im vergangenen Jahr den Verlust von 289 auf
655 Millionen Euro aus. Grund waren Einmalaufwendungen für den Stellenabbau und
die Abspaltung von Conti. Insgesamt betrugen die Sonderbelastungen fast 800
Millionen Euro, auch Steuern musste Aumovio mehr zahlen.
Eine Dividende soll es zunächst nicht geben, im zweiten Halbjahr will das
Unternehmen dann eine neue Strategie zur Kapitalverwendung vorstellen. Darin
enthalten sind auch Dividendenzahlungen, die Dönges ab dem kommenden Jahr in
Aussicht stellte. Dieses Jahr soll ihr zufolge nämlich unterm Strich ein Gewinn
stehen.