Deutsche Industrie verzeichnet wieder mehr Aufträge
Die deutsche Industrie verzeichnet einen überraschenden Aufwärtstrend: Auftragseingänge steigen im März deutlich stärker als erwartet. Doch Unsicherheiten durch den Nahost-Konflikt dämpft die Hoffnung auf nachhaltige Erholung.
Stehen die Zeichen in der verarbeitenden Industrie wieder auf grün?
Mercedes-Benz
Kleiner Hoffnungsschimmer für die angeschlagene deutsche
Industrie: Im März zog der Auftragseingang im Monatsvergleich um 5,0 Prozent
an, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) am Donnerstag in Wiesbaden
mitteilte. Analysten hatten im Schnitt mit einem Plus von lediglich 1,0 Prozent
gerechnet. Die positive Entwicklung des Auftragseingangs im Verarbeitenden
Gewerbe im März sei zu einem großen Teil auf den deutlichen Anstieg bei den
Herstellern elektrischer Ausrüstungen zurückzuführen.
Mit Blick auf den Außenhandel stiegen die Auslandsaufträge um 5,6 Prozent.
Dabei zogen die Unternehmen deutlich mehr Bestellungen aus der Eurozone als von
außerhalb des gemeinsamen Währungsraums an Land. Die Inlandsaufträge kletterten
laut Destatis um 4,0 Prozent nach oben. Ohne die Berücksichtigung von Großaufträgen war der Auftragseingang den Angaben
zufolge insgesamt um 5,1 Prozent höher als im Vormonat. Damit erreichte der
Auftragseingang ohne Großaufträge das höchste Niveau seit Februar 2023.
Volatilität spielte zuletzt keine größere Rolle
In den vergangenen Monaten hätten umfangreiche Großaufträge im Zusammenhang mit
öffentlichen Investitions- und Beschaffungsvorhaben für eine hohe Volatilität
der inländischen Bestellungen gesorgt, erklärte das
Bundeswirtschaftsministerium in einer Stellungnahme. Zuletzt aber habe dieser
Effekt eine eher untergeordnete Rolle gespielt.
Im Februar waren die Bestellungen in den Industriebetrieben im Monatsvergleich
immerhin um 1,4 Prozent gestiegen, wie eine Revision des vorherigen Wertes in
Höhe von plus 0,9 Prozent ergab. Zu Jahresbeginn war der Auftragseingang um
11,1 Prozent abgesackt. Im Vergleich zum Vorjahr zog der Auftragseingang in den Industriebetrieben im
März um 6,3 Prozent an. In dieser Betrachtungsweise hatten Analysten nach dem
Plus von 3,5 Prozent im Februar einen Anstieg von lediglich 1,7 Prozent
erwartet.
Iran-Krieg beeinflusst die Zahlen
„Die deutsche Industrie hat im ersten Kriegsmonat überraschend deutlich mehr
Aufträge erhalten, auch wenn man die stark schwankenden Großaufträge
herausrechnet“, sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Doch der Einbruch
von Stimmungsindikatoren wie dem Ifo-Geschäftsklima zeige eine große
Verunsicherung der Unternehmen. „Der Nahost-Krieg fordert seinen Tribut, selbst
wenn er bald enden sollte.“
Das Bundeswirtschaftsministerium äußerte sich ebenfalls vorsichtig. Der
Iran-Krieg habe zu einem Energiepreisschock geführt, der sich verzögert auch
auf andere Güter niederschlagen werde. „Vor diesem Hintergrund dürften im März
verstärkt Bestellungen in Erwartung steigender Preise bzw. möglicher
Lieferengpässe getätigt worden sein.“ Der Zuwachs in den Auftragsbüchern im März nun sei ein Lichtblick für die
Unternehmen, nachdem Umfragen zuletzt eine gedämpfte Stimmung in der Industrie
angezeigt hätten, schrieb Michael Herzum, Leiter Volkswirtschaft beim
Vermögensverwalter Union Investment. Grund für allzu viel Optimismus sollte der
Auftragseingang allerdings nicht geben. Die Auswirkungen des Iran-Konflikts
spiegelten sich in den März-Daten noch kaum wider, da zu Kriegsbeginn die
Tragweite des militärischen Konflikts nicht absehbar gewesen sei.
Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank zog ein insgesamt positives Fazit:
"Die deutsche Wirtschaft überrascht im ersten Quartal. Das war bereits
beim gesamtwirtschaftlichen Wachstum mit einem Plus von 0,3 Prozent der Fall,
jetzt gesellt sich auch noch ein erfreulicher Zuwachs der Auftragseingänge
hinzu." Sollte der Iran-Krieg tatsächlich zu einem raschen Ende kommen und
damit die für den Welthandel wichtige Straße von Hormus wieder befahrbar
werden, könnten die Folgen des Konflikts geringer ausfallen als bislang
gedacht.