Schaeffler und Wandelbots wollen Robotik weltweit skalieren
Roboteranwendungen sollen sich künftig einfacher entwickeln, testen und weltweit einsetzen lassen. Dafür setzen Schaeffler und Wandelbots auf eine gemeinsame Softwareplattform, die Automatisierungskosten um bis zu 40 Prozent senken soll.
Dr. Martin LargeDr. MartinLargeCvD Online all-electronics.de / Redakteur aIT/AP
2 min
Mit der Plattform Wandelbots Nova will Schaeffler Robotikanwendungen künftig standortübergreifend entwickeln, erproben und einsetzen. Auch virtuelle Simulationen mit Nvidia-Technologien sind vorgesehen.Wandelbots
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Erst vor wenigen Tagen hat Schaeffler mit der Eröffnung einer Fabrik für humanoide Robotik in China seine Investitionen in das Geschäftsfeld ausgeweitet. Nun treibt der Automobilzulieferer auch die Softwareseite seiner Robotikstrategie voran: Gemeinsam mit dem Dresdner Unternehmen Wandelbots will Schaeffler eine digitale Plattform etablieren, mit der sich Robotikanwendungen entwickeln, testen und weltweit in der Produktion einsetzen lassen.
Grundlage der Technologiepartnerschaft ist die offene Plattform Wandelbots Nova, die künftig als Standard im globalen Produktionsnetzwerk von Schaeffler dienen soll. Sie verbindet unterschiedliche Robotersysteme und soll es ermöglichen, einmal entwickelte und validierte Anwendungen auf weitere Roboter und Produktionsstandorte zu übertragen.
Automatisierungskosten sollen um bis zu 40 Prozent sinken
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Physical AI soll die Grundlage für den flexiblen Einsatz humanoider Roboter bei unterschiedlichen Aufgaben in der industriellen Fertigung schaffen.Schaeffler
Von der Zusammenarbeit verspricht sich Schaeffler erhebliche wirtschaftliche Vorteile. Nach Unternehmensangaben könnten die Kosten von Automatisierungslösungen über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg um bis zu 40 Prozent sinken. Das Potenzial sieht der Zulieferer sowohl bei neuen Anlagen als auch in bestehenden Produktionsumgebungen. Konkrete Angaben zur Berechnungsgrundlage oder zum zeitlichen Horizont dieser Einsparungen macht Schaeffler bislang nicht.
Ein wesentlicher Ansatzpunkt ist die Wiederverwendbarkeit von Robotikanwendungen. Funktionen, die bereits an einem Standort entwickelt und erprobt wurden, sollen sich auch in anderen Werken nutzen lassen. Dadurch könnten Entwicklungsaufwand, Integrationszeiten und die Kosten für die Anpassung an unterschiedliche Robotersysteme sinken.
Für die virtuelle Entwicklung und Erprobung setzen die Partner auf Nvidia Omniverse und Isaac Sim. Damit lassen sich Produktionsabläufe und Roboteraufgaben zunächst digital simulieren, validieren und optimieren, bevor die Anwendungen in der realen Fertigung zum Einsatz kommen.
Schaeffler und Wandelbots arbeiten auf diesem Gebiet bereits seit 2025 zusammen. Damals präsentierten sie gemeinsam mit Nvidia einen Ansatz, bei dem Robotikabläufe zunächst virtuell entwickelt und anschließend auf reale Systeme übertragen werden. Die neue Vereinbarung soll diese Zusammenarbeit auf eine breitere industrielle Grundlage stellen. Sie ergänzt zugleich die bestehende Technologiekooperation zwischen Schaeffler und Nvidia. Schaeffler verfolgt dabei das Ziel, bis 2030 mindestens die Hälfte seiner Werke in die Omniverse-Umgebung einzubinden. Ein weiterer Bestandteil der neuen Plattform ist ein sogenannter Skill Store. Dort sollen Anwendungen, Modelle und technisches Wissen gesammelt werden. Einmal entwickelte Fähigkeiten könnten damit unabhängig vom jeweiligen Robotersystem wiederverwendet und perspektivisch auch externen Anwendern zur Verfügung gestellt werden.
Die Partnerschaft fügt sich in Schaefflers Strategie ein, klassische Automatisierung um lernfähige und flexibel einsetzbare Robotiksysteme zu ergänzen. Im Interview mit AUTOMOBIL PRODUKTION hatte Produktionsvorstand Jochen Schröder Ende September erläutert, dass fest installierte Automatisierung bei schwankenden Stückzahlen und Produktionsprogrammen zunehmend an wirtschaftliche Grenzen stoßen könne. Physical AI eröffne dagegen Möglichkeiten, bisher unwirtschaftliche Automatisierungsaufgaben zu erschließen.
Für Christian Piechnick, CEO und Mitgründer von Wandelbots, liegt die nächste Herausforderung deshalb vor allem in der industriellen Umsetzung: „Entscheidend ist jetzt, dass Fähigkeiten effizient entwickelt, auf unterschiedliche Systeme übertragen und zuverlässig in der Produktion eingesetzt werden können.“