Mazda demonstriert mit Carbon Capture eine ungewöhnliche Abgastechnik: Ein Verbrenner, der unter bestimmten Bedingungen mehr CO2 bindet als er ausstößt. Der Langstreckentest auf dem Fuji hat gezeigt, wie ernst es der Hersteller meint.
Das Carbon-Capture-Verfahren von Mazda soll das CO2 aus den Motorabgasen chemisch speichern – und die Bilanz so deutlich aufbessern.Mazda
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Mazda geht nur allzu gerne seinen ganz eigenen Weg.
Wankeltechnik, der Verzicht auf leistungsstarke Turbotriebwerke oder die
Kompressionszündung bei Benzinern belegen, dass der Autobauer aus Hiroshima
vieles einfach anders macht als der internationale Wettbewerb. Selten war der
Ansatz in den vergangenen Jahren so vielversprechend wie beim
Carbon-Capture-Verfahren – zumindest für die Verbrennerfans.
Viel Inhaltliches bietet der Begriff nicht, doch letztlich
bedeutet Carbon Capture, dass die neue Abgastechnik von Mazda dafür sorgt, dass
die Luft mit jedem Kilometer mehr entlastet wird, den ein entsprechend
ausgestattetes Fahrzeug mit Verbrennungsmotor bewegt wird. Erstmals gezeigt
wurde Carbon Capture in diesem Herbst auf der Japan Mobility Show, die als
Nachfolger der Tokyo Motor Show jedoch ihre einstige Bedeutung in der
weltweiten Autoindustrie weitgehend verloren hat.
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Vom Showcar zum Rennlabor auf dem Fuji Speedway
Doch was mit der
Zukunftsstudie des Mazda Vision X-Coupés im strahlenden LED-Licht des
Messestandes in Szene gesetzt wurde, erfuhr seine Beweisführung wenige Wochen
später auf dem Mount Fuji Racetracks. Denn als der umgebaute Mazda 3 mit der
Startnummer 55 nach exakt vier Stunden über die Ziellinie donnerte, feierte das
Team den 35. Platz beim Super Taikyu Langstreckenpokal deutlich überschwänglicher
als man es von einem Ergebnis im hinteren Mittelfeld erwarten würde.
Ende 2025 konnte die Technik unter Rennbedingungen in einem umgebauten Mazda 3 überzeugen.Mazda
Es ging dabei weniger um den Rang 35 im Novemberrennen als
vielmehr, dass die Zukunftstechnik des Abscheideverfahrens unter
Rennbedingungen durchgehalten hatte. War es auf der Japan Mobility Show mit dem
Mazda Vision X-Coupé ein 5,05 Meter langes Coupé, dessen Zweischeiben-Kreiskolbenmotor mit Turboaufladung
und Elektrounterstützung nicht allein eine Systemleistung von 375 kW / 510 PS
bot, sondern rein elektrisch 160 Kilometer zurücklegen konnte, so war es im
Renn-Mazda-3 ein normaler Benziner, der durch das Abscheideverfahren und CO2-neutralem
Kraftstoff zum rasenden Rennlabor wurde. Letztlich nimmt das Auto bei der Fahrt
mehr CO2 auf, als es ausscheidet und jeder gefahrene Kilometer ist so indirekt ein
Beitrag zum Klimaschutz.
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Die einfache Formel: je mehr Kilometer das mit der
Technik ausgestattete Fahrzeug unterwegs ist, umso weniger CO2 ist in der
Atmosphäre. „Der Slogan ‚Fahrfreude ist der Motor für eine nachhaltige Zukunft‘
bringt nicht nur Mazdas Grundgedanken zum Ausdruck, sondern auch den Kern
unserer zukünftigen Herausforderungen“, erläutert Masahiro Moro, Präsident und
CEO von Mazda, „im Rahmen unserer gemeinsamen globalen Mission der
Klimaneutralität ist Mazda überzeugt, dass Fahrfreude ein Motor für positive
Veränderungen in Gesellschaft und Umwelt sein kann. Wir setzen uns weiterhin
dafür ein, den Wunsch all jener zu erfüllen, die Autos lieben und so lange wie
möglich Auto fahren möchten.“
Für den ungewöhnlichen
Reinigungsprozess gelangen die Abgase des Verbrennungsmotors vor dem Ausstoß über
den Auspuff auf eine poröse Zeolith-Struktur: Dieses natürliche Vulkangestein
sorgt dafür, dass das CO2 über zwei Parallelstränge nebst Gebläse und einen Abscheider
getrennt wird. So zweigen die Gebläse abwechselnd einen Teil der Motorabgase
ab, führen diese durch einen Entfeuchter und anschließend durch den CO2-Abscheider
auf Zeolith-Basis. Ist der eine Abscheider voll, wechselt das System auf die bereitstehende
Paralleleinheit. Die so CO2-reduzierten Abgase werden erst anschließend zurück
in den Auspuffstrang geleitet.
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Der gefüllte Abscheider wird so stark erhitzt, dass
das gespeicherte CO2 abgebrannt wird und in einem Zusatztank – ebenfalls mit Zoelith
gefüllt – chemisch gebunden wird. Das so im Auto gesammelte CO2 kann nach Idee
von Mazda zur Herstellung von Kunststoffen oder zur Anreicherung von
Gewächshäusern genutzt werden. Da der grün produzierte Kraftstoff die
CO2-Bilanz um 90 Prozent reduziert und die Abscheidung 20 weitere Prozent
einspart, gibt es letztlich je Kilometer eine positive CO2-Bilanz. Der Termin
für einen Serieneinsatz steht noch nicht fest – zunächst sollen in den nächsten
Jahren weitere Härtetests – auch in Langstreckenrennen die Entwicklungen
vorantreiben.
Das im Auto gesammelte CO2 kann nach Idee von Mazda zur Herstellung von Kunststoffen oder zur Anreicherung von Gewächshäusern genutzt werden.Mazda
Verbrennungsmotor bleibt fester Bestandteil der Mazda-Strategie
Mazda bleibt bei seiner
Strategie, dass Verbrennungsmotoren im weltweiten Antriebsportfolio eine
nennenswerte Rolle spielen sollen. Erst vor drei Jahren stellte der Autobauer
aus Hiroshima eine neue Generation von Dieselmotoren mit 3,3 Litern Hubraum und
sechs Zylindern vor, die eigens neu entwickelt wurden. Daneben gibt es hauseigene
Benziner – bevorzugt ohne Aufladung und Hybriden – mit und ohne Stecker. In
Sachen Elektroantriebe fährt Mazda bisher in der dritten Reihe, denn die Elektroversuche
waren wenig erfolgreich. Bestes Beispiel: der MX-30, der für mehr Reichweite
mittlerweile sogar einen Range-Extender verabreicht bekam. Besser wurde es erst
mit dem 4,92 Meter langem Mazda 6e, der als coupéhafte
Fließhecklimousine zusammen mit dem chinesischen Kooperationspartner Changan
Automobile entwickelt wurde und mittlerweile auch in Europa angeboten wird.