Sensorik-Experten stellen sicher, dass nur angenehm riechende Materialien und Komponenten zum Einsatz kommen.BMW Group
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Wer an die Mobilität von morgen denkt, hat meist lautlose
E-Antriebe, riesige Screens und smarte Software im Kopf. Was kaum jemand auf
dem Zettel hat: Geruch. Genau daran arbeitet BMW in München mit großer
Präzision. Zwischen Pipetten, Proben und hochempfindlicher Messtechnik wird
dort die Atmosphäre der neuen Modelle fein kalibriert – noch bevor überhaupt
ein Rad rollt.
Der Rundgang durch das BMW-Geruchslabor wirkt wie eine
Factory Tour der Sinne. Statt Clay-Modellen oder Hochvoltbatterien prägen
Materialproben und Messkurven das Bild. Im Zentrum steht die Innenraum-Luftqualität – ein Thema, das die Nische der Komfort-Features längst verlassen
hat. Für die Münchner ist die Luftqualität im Innenraum eine zentrale
Produkteigenschaft, eng gekoppelt an die Nachhaltigkeitsstrategie des Konzerns.
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Gesundheit und Wohlbefinden sind für uns ein integraler Bestandteil der Produktnachhaltigkeit.
Nils Hesse, BMW Group
Wie Nachhaltigkeit den Innenraum prägt
Mithilfe des Gaschromatographen lassen sich schlecht riechende Materialien entlarven.BMW Group
Gerade beim neuen i3 fällt die Herausforderung groß aus. Das
Fahrzeug setzt stärker auf Sekundärmaterialien und innovative
Werkstoffkonzepte. Doch ökologische Exzellenz genügt nicht; sie muss auch
sensorisch überzeugen. Ein nachhaltiger Werkstoff, der einen störenden
chemischen Eindruck hinterlässt, wird schnell selbst zum Akzeptanzproblem.
Nils Hesse, Vice President Produktnachhaltigkeit der BMW
Group, ordnet das Thema strategisch ein: „Gesundheit und Wohlbefinden sind für
uns ein integraler Bestandteil der Produktnachhaltigkeit. In einer Welt mit
wachsendem Gesundheitsbewusstsein verändert sich die Wahrnehmung von
Lebensräumen – und das Auto macht hier keine Ausnahme.“
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Das Zusammenspiel der Werkstoffe
Im Labor zeigt sich, warum Geruchsentwicklung kein
isolierter Prozess ist. Ein Fahrzeuginnenraum bildet ein komplexes Gefüge aus
Kunststoffen, Textilien, Klebstoffen und Beschichtungen, die auf Hitze und
Feuchtigkeit unterschiedlich reagieren. Dr. Andreas Wehrmeier, Leiter
Innenraumluftqualität und Verdunstungsemissionen, erklärt hierzu: „Vor allem
ist das Zusammenspiel aller Materialien im Fahrzeuginnenraum entscheidend. Erst
im Gesamtverbund wird das tatsächliche Geruchserlebnis bestimmt.“
Darum prüft das Labor nicht nur kleine Proben, sondern
komplette Bauteile und ganze Innenräume unter realitätsnahen Bedingungen. Eine
aktive Rolle übernimmt hier der sensibel schnüffelnde Mensch, der neben
modernster Analytik ein unersetzlicher Faktor bleibt.
Premium bei der Innenraumqualität heißt bei BMW nicht: mehr
Duft, mehr Wirkung, mehr Inszenierung. Sondern genau das Gegenteil. Statt
künstlicher Beduftung oder einer aufdringlichen olfaktorischen Signatur setzt
der Münchner Autobauer auf Zurückhaltung. Und auf die „Materialehrlichkeit“,
wie es Annabelle Coffinet, Kreativdirektorin für Duftkompositionen bei BMW, nennt:
„Sie führt zu einem Geruch, der hochwertig, authentisch und angenehm dezent
bleibt.“ Premium sei ein Innenraumgeruch, „der keine Reibung erzeugt
und den Passagieren ein Gefühl von Sicherheit und Ruhe vermittelt, ohne sich in
den Vordergrund zu drängen“.
Was oberflächlich wie ein weicher Wohlfühlfaktor erscheinen
mag, ist längst zu einem harten Entwicklungsfaktor geworden. Der Geruch liegt
an der Schnittstelle von Materialstrategie, Design und Qualitätsmanagement. Wer
heute ein Premiumfahrzeug entwickelt, muss verstehen, dass die Marke nicht nur
gesehen und gefühlt wird. Sie atmet bereits beim ersten Öffnen der Tür mit.
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So prüft BMW Gerüche im Innenraum
BMW testet den Innenraumgeruch in mehreren Stufen.
Das Fahrzeug soll so natürlich wie möglich riechen.BMW Group
Zuerst
werden einzelne Materialien wie Kunststoffe, Schäume und Textilien auf
abgegebene Stoffe, VOCs und Formaldehyd geprüft.
Danach folgen Bauteile und
kleine Baugruppen in temperaturgeregelten Prüfkammern unter realistischen
Bedingungen.
Ergänzend bewerten geschulte Prüferinnen und Prüfer die
Luft sensorisch in möglichst geruchsneutralen Räumen.
Anschließend untersucht
BMW komplette Fahrzeuginnenräume, weil das Zusammenspiel mehrerer unauffälliger
Teile dennoch auffällige Gerüche erzeugen kann.
Am Ende zählt die
Gesamtbewertung im kompletten Fahrzeug.
Ziel ist kein künstlich parfümierter Innenraum, sondern
ein natürlicher, dezenter und hochwertiger Eindruck. Dafür kombiniert BMW
Messtechnik mit menschlicher Wahrnehmung und bezieht laufend neue Erkenntnisse
aus Gesundheitsforschung, Toxikologie und Sensorik ein.