Chinesen in Mittelamerika

GAC expandiert nach Mexiko mit flexiblem Montagewerk

GAC will noch dieses Jahr in Mexiko ein flexibles Montagewerk für Verbrenner, Hybride und E-Autos eröffnen. Der Schritt ist Teil der globalen Expansionsstrategie des chinesischen OEMs und zeigt, dass der mittelamerikanische Markt an Bedeutung gewinnt.

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Luftansicht eines Industriekomplexes mit vielen Solarpanels auf den Dächern
Als erster chinesischer Automobilhersteller mit einem Werk auf mexikanischem Boden unterstreicht GAC seinen langfristigen Wachstumsanspruch in Lateinamerika.

Die Entscheidung für ein Montagewerk in Mexiko spiegelt laut GAC das Vertrauen in das Potenzial des heimischen Marktes sowie in die Leistungsfähigkeit der mexikanischen Automobilindustrie und Fertigung wider. Sie ist Teil des Ansatzes „In Mexico for Mexico“. Mit diesem Kurs will der chinesische Konzern seine globale Strategie „One GAC 2.0“ vorantreiben. Im Mittelpunkt stehen nachhaltiges Wachstum, lokale Entwicklung und größere Nähe zu den Endkunden.

Als erster chinesischer OEM mit einem Werk auf mexikanischem Boden unterstreicht GAC seinen langfristigen Wachstumsanspruch in Lateinamerika. Das Unternehmen macht damit deutlich, dass es nicht nur auf die aktuelle Marktlage reagiert, sondern auch künftige Veränderungen frühzeitig antizipieren will. Langfristig soll der Schritt als Basis für den weiteren Ausbau der Produktionskapazitäten sowie für eine Ausweitung von Forschung und Vertriebsaktivitäten dienen.

Betrieb des neuen Montagewerks

Zum Produktionsstart soll das Werk zunächst mit einem flexiblen Montageschema arbeiten. In dieser ersten Phase wird die Fabrik in der Lage sein, verschiedene Antriebsarten zu fertigen – vom klassischen Verbrenner über Hybrid- und Plug-in-Hybrid-Modelle bis hin zu batterieelektrischen Fahrzeugen.

Auch bei den Fahrzeugsegmenten setzt GAC auf Flexibilität. So sollen je nach Nachfrage und Marktlage Limousinen, SUVs, Pick-ups und Crossover montiert werden können. In Mexiko gefertigt werden sollen unter anderem der EMZOOM, der GS8 und der AION UT. Hinzu kommt der GS7, der in naher Zukunft auf dem mexikanischen Markt eingeführt werden soll.

Mexiko als zentraler Wachstumsmarkt für chinesische OEMs

GACs Ausbaupläne in Mexiko kommen nicht aus heiterem Himmel. Sie folgen einem breiteren Trend: Chinesische Hersteller wachsen derzeit rasant – besonders im größten Land Mittelamerikas. Im Geschäftsjahr 2025 wurden 625.187 Neufahrzeuge aus China nach Mexiko exportiert. Damit war Mexiko im vergangenen Jahr das wichtigste Zielland für chinesische Fahrzeugexporte.

Auch wenn GAC voraussichtlich der erste chinesische Hersteller mit einem Montagewerk in Mexiko sein wird, ist das Unternehmen längst nicht allein. Nach einer Delegationsreise nach Brasilien und Mexiko berichten Medien, dass SAIC-GM-Wuling, das China-Joint-Venture von General Motors, sich in fortgeschrittenen Gesprächen über eine Fahrzeugproduktion in Mexiko befindet.

Zugleich berichtete Reuters, dass BYD und Geely sowie das vietnamesische Unternehmen VinFast zu den Finalisten im Rennen um das COMPAS-Werk von Nissan und Mercedes-Benz in Aguascalientes zählen. Die Fabrik soll im kommenden Monat den Betrieb einstellen.

Rasantes Wachstum in der ersten Hälfte der Dekade

Die Präsenz chinesischer OEMs auf dem mexikanischen Automobilmarkt ist in den vergangenen fünf Jahren deutlich gewachsen. Ihr Marktanteil lag 2020 faktisch noch bei null und dürfte mittlerweile bereits rund zehn Prozent der Verkäufe ausmachen. Mit GACs Bekenntnis zur lokalen Produktion in Mexiko, ähnlichen Überlegungen bei SGMW, BYD und Chery sowie neuen Playern wie Xpeng, das kürzlich seine Elektro-SUVs G6 und G9 in Mexiko eingeführt hat, dürfte der Einfluss chinesischer Hersteller in Mexiko vorerst weiter zunehmen.

Eine stärkere Verlagerung der Fahrzeugproduktion in das mittelamerikanische Land würde die Lieferketten chinesischer OEMs grundlegend verändern – weg von einem stark importlastigen Modell hin zu einer regionaleren Aufstellung in Nord- und Lateinamerika. Durch die näher an den Endkunden gelagerte Montage könnten Hersteller Transportkosten senken, Lieferzeiten verkürzen und Risiken aus Zöllen und Handelskonflikten beim Import großer Mengen fertiger Fahrzeuge verringern.