Chinesische OEMs ändern Europa-Strategie
Chinesische OEMs haben ihre Europa-Strategie neu ausgerichtet. Während der Heimatmarkt schwächelt, bereitet die EU strengere Regeln vor. Für Hersteller aus China wird Europa damit wichtiger und schwieriger zugleich.
China verliert als Heimatmarkt an Schwung, während Europa den Zugang stärker an lokale Produktion und Wertschöpfung koppeln will. Für chinesische OEMs wird der europäische Markt damit wichtiger, aber zugleich schwerer erreichbar.
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Laut der Ratingagentur Morningstar DBRS gerät das bisherige Exportmodell chinesischer Hersteller von zwei Seiten unter Druck. So nimmt der Heimatmarkt weniger Fahrzeuge auf, während Europa den Zugang zum Markt stärker an lokale Produktion und Wertschöpfung binden will. Der schwächere Heimatmarkt hatte sich bereits in den jüngsten CPCA-Daten gezeigt: Die Pkw-Verkäufe in China gingen im Mai um 22 Prozent zurück, von Januar bis Mai lag das Minus bei fast 20 Prozent. Damit wächst der Druck, Auslandsmärkte stärker zu nutzen.
Warum geraten chinesische OEMs stärker unter Druck?
Der chinesische Automarkt galt lange als Wachstumstreiber der globalen Autoindustrie. Zuletzt haben jedoch geringere Kaufanreize, schwächere Kaufkraft, hohe Preissensibilität und die angespannte Konsumstimmung den Absatz belastet. Auch die Immobilienkrise wirkt auf den Markt, weil größere Anschaffungen für viele Haushalte leichter verschiebbar sind.
Für chinesische OEMs kommt hinzu, dass der Preiskampf im Heimatmarkt anhält. Die Ratingagentur verweist darauf, dass das Pkw-Einzelhandelsvolumen in China in den ersten fünf Monaten 2026 von 8,8 Millionen auf 7,1 Millionen Einheiten sank. BYD verzeichnete demnach weltweit ein Absatzminus von rund 20 Prozent; im Heimatmarkt lag der Rückgang bei 42 Prozent. Damit verändert sich die Rolle der Auslandsmärkte. Exporte dienen inzwischen auch der Auslastung von Kapazitäten und dem Ausgleich der schwächelnden Nachfrage in China.
Warum wird Europa schwieriger?
Der geplante Industrial Accelerator Act der EU könnte den Marktzugang für chinesische OEMs deutlich verändern. Fahrzeuge für öffentliche Beschaffung und Förderprogramme müssten demnach in der EU montiert werden. Für nicht batteriebezogene Komponenten ist ein europäischer Wertschöpfungsanteil von rund 70 Prozent vorgesehen. Batteriezellen wären ebenfalls stärker an lokale Produktion gebunden.
Damit verliert der Export fertiger Fahrzeuge aus China an Attraktivität. Zwischen 2022 und 2025 stiegen die Pkw-Importe aus China in die EU von rund 484.750 auf 1.006.188 Einheiten. Gleichzeitig sank der durchschnittliche Importpreis von etwa 19.000 Euro auf unter 14.000 Euro je Fahrzeug. Diese Zahlen zeigen, wie stark der Markteintritt bisher über Volumen und Preis lief. Genau dieses Modell könnte durch lokale Montagepflichten, europäische Wertschöpfungsanforderungen und Preisregelungen schwerer skalierbar werden.
Darum werden Joint Ventures für chinesische OEMs wichtiger
Unter diesen Bedingungen rücken Joint Ventures und lokale Fertigungspartnerschaften stärker in den Mittelpunkt. Stellantis dient in der Analyse als Beispiel: Der Konzern hatte Kooperationen mit Leapmotor und Dongfeng angekündigt, bei denen europäische Produktionskapazitäten mit chinesischen Plattformen und Technologien kombiniert werden. Erst kürzlich gab der OEM bekannt, die Partnerschaft mit Dongfeng auszubauen.
Für chinesische OEMs kann ein solches Modell den Zugang zu EU-Produktion erleichtern. Für europäische Hersteller können Kooperationen dagegen zusätzliche Auslastung vorhandener Werke bringen. Offen bleibt, ob diese Struktur wirtschaftlich tragfähig bleibt, wenn Kosten, Regulierungsanforderungen und Preiswettbewerb zusammenkommen.
Batteriepartnerschaften werden Teil der neuen Logik
Die Verschiebung reicht über die Fahrzeugmontage hinaus. Auch in der Batterielieferkette entstehen lokale Kooperationsmodelle. Genannt wird CATL als Partner von Stellantis. Geplant ist demnach eine Fertigung von LFP-Batteriezellen in Zaragoza für europäische Elektrofahrzeugplattformen von Stellantis.
Damit verlagert sich der Wettbewerb tiefer in die Wertschöpfungskette. Chinesische Technologie bleibt für Europa relevant, wird aber stärker an lokale Produktion, Beteiligungsstrukturen und regulatorische Vorgaben gebunden.
Was bedeutet das für deutsche Autobauer?
Für deutsche Hersteller entsteht eine doppelte Herausforderung. In China trifft ihre Modellpolitik auf einen schwächeren Markt. Volkswagen erklärte bereits, der chinesische Automobilmarkt stehe unter zunehmendem Druck und rechnet im Jahresverlauf mit keiner Erholung.
Gleichzeitig wächst der Wettbewerbsdruck in Europa. Chinesische Hersteller brauchen Auslandsmärkte stärker, während die EU Importe enger an lokale Fertigung koppeln will. Für VW, BMW und Mercedes geht es damit um Marktanteile in China und um die künftige Struktur des Wettbewerbs in Europa.
Europas Automarkt vor einer neuen Phase
Der Preiswettbewerb über importierte Fahrzeuge könnte an Bedeutung verlieren. Produktionsstandorte, Beteiligungsmodelle, Batterielieferketten und lokale Wertschöpfung rücken stärker in den Mittelpunkt.
Für chinesische OEMs wird Europa damit zugleich Ausweg und Hürde. Der Markt bleibt wichtig, doch der Zugang dürfte stärker davon abhängen, wo Fahrzeuge gebaut werden, welche Partner beteiligt sind und wie viel Wertschöpfung tatsächlich in Europa entsteht.