Produktionsstopp bei Audi wegen Marktschwäche
Audi hat im November an mehreren Tagen die Produktion in Neckarsulm unterbrochen. Medienberichten zufolge sind schwache Nachfrage, hohe Zölle und Lieferengpässe zentrale Gründe. Doch intern wächst der Druck – und es stehen weitere Einschnitte im Raum.
In Neckarsulm produziert Audi unter anderem die neue A5- und A6-Familie sowie den Audi A8. Laut Medienberichten gibt es jedoch einen Nachfrageeinbruch und wirtschaftliche Risiken, weshalb Audi die Produktion am Standort drosselt.
TSP
Laut Medienberichten hat Audi im November an mehreren Tagen die Produktion am Standort Neckarsulm teilweise eingestellt. So schreibt die Tagesschau, dass vor allem die Modelle A5 und A6 betroffen sind, deren Fertigung zeitweise auf Einschichtbetrieb reduziert wurde. Genauer gesagt wird in den Gewerken der neuen Modelle Audi A5 und Audi A6 seit November 2024 in drei Schichten produziert. Der Audi A8 und der Audi e-tron GT werden dagegen in der Frühschicht produziert. Am 14. und 21. November fand bzw. findet am Standort Neckarsulm keine Produktion statt. In der Kalenderwoche 46 wird am Donnerstag in der Frühschicht produziert, in der Kalenderwoche 47 am Montag in der Nachtschicht und am Donnerstag in der Frühschicht. An den übrigen Wochentagen findet die Produktion im Dreischichtbetrieb statt. Die betroffenen Mitarbeitenden werden durch ihre Führungskräfte über die Anpassungen der Produktionsfahrweise informiert.
Das Unternehmen begründet den Schritt mit veränderten Marktbedingungen und wirtschaftlicher Unsicherheit. Zusätzlich belasten hohe US-Zölle sowie ein unsicheres Förderumfeld für E-Autos die Planungen. Die Versorgung mit Halbleitern bleibt angespannt, auch wenn sich die Lage durch neue Lieferungen leicht stabilisiert hat. Perspektivisch steht der Standort unter Druck, da wichtige Nachfolgemodelle verspätet kommen und strategische Entscheidungen zur Zukunft weiter offen sind.
Was steht hinter der Entscheidung zur Produktionsdrosselung?
Audi hat im Werk Neckarsulm an mehreren Tagen im November die Fertigung eingestellt. Konkret wurde an zwei Freitagen gar nicht produziert, an anderen Tagen reduzierte sich die Montage auf eine Schicht. Betroffen sind insbesondere die Modelle A5 und A6. Das Unternehmen passt nach eigenen Angaben das Produktionsvolumen regelmäßig an die aktuelle Marktentwicklung an. Laut dem Bericht der Tagesschau handelt es sich um eine Reaktion auf eine schwächere Nachfrage – konkrete Absatzzahlen für die betroffenen Modelle wurden nicht genannt. Der Produktionsstopp verdeutlicht jedoch, dass selbst etablierte Standorte von kurzfristigen Marktschwankungen betroffen sind.
Welche wirtschaftlichen Unsicherheiten beeinflussen die Produktion?
Die Entscheidung zur Reduzierung der Fertigung steht im Zusammenhang mit einer angespannten wirtschaftlichen Gesamtlage. Zwischen Januar und September 2025 hat Audi weltweit rund 1,18 Millionen Fahrzeuge verkauft – ein Rückgang von 4,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Hinzu kommen zusätzliche Belastungen durch hohe US-Zölle, die laut Unternehmensangaben bis Jahresende zu Mehrkosten von rund 1,3 Milliarden Euro führen könnten. Auch das Förderumfeld für Elektromobilität sei unklar, was strategische Planungen erschwere. Diese Gemengelage zwingt Audi zur Anpassung seiner Produktions- und Investitionsentscheidungen – mit direkten Auswirkungen auf die Belegschaft und die Auslastung einzelner Werke.
Lieferengpässe und Produktionsrisiken
Neben der Nachfrageproblematik bleibt auch die Versorgung mit elektronischen Bauteilen ein Risiko. Insbesondere die Chip-Knappheit hatte die Automobilproduktion in den letzten Jahren immer wieder gebremst. Aktuell hat sich die Situation leicht entspannt, da der niederländische Hersteller Nexperia wieder liefert. Zwar bezieht Audi selbst keine Chips direkt von diesem Zulieferer, viele indirekt abhängige Lieferketten sind jedoch betroffen. Deshalb wird die Produktion in Neckarsulm derzeit nur auf Wochenbasis geplant. Kurzarbeit konnte bisher verhindert werden, bleibt bei erneuten Störungen in der Lieferkette jedoch ein realistisches Szenario.
Was bedeutet das für die Perspektive in Neckarsulm?
Die Unsicherheiten betreffen nicht nur die aktuelle Produktion, sondern auch die mittelfristige Planung des Standorts. Laut einer Unternehmenssprecherin sind die Modellwechsel der Audi A5- und A6-Familie nahezu
abgeschlossen. Damit habe der Standort zwei wichtige Meilensteine in der größten
Anlaufphase der Werkgeschichte erfolgreich gestemmt. Der Hochlauf des neuen
Audi A6 für einige bedeutende Überseemärkte ist in Vorbereitung – ebenso die
Komplettierung des Portfolios mit weiteren wichtigen Motor- und
Ausstattungsvarianten. Für die Integration der neuen Derivate werden die
Fahrweise sowie Fertigungsprozesse flexibel angepasst. Zudem die Sprecherin auf Nachfrage von Automobil Produktion darauf hin, dass „wir am Standort Neckarsulm über Vorjahresniveau fertigen.“ Gleichzeitig habe man es mit erheblichen wirtschaftlichen
Unsicherheiten zu tun, welche die gesamte Branche treffen und unter anderem aus
der herausfordernden Zollsituation in den USA sowie einem unsicheren
Förderumfeld bei E-Modellen resultieren. „Deshalb überprüfen wir regelmäßig unsere Produktionsvolumen an allen Standorten und reagieren flexibel auf aktuelle Nachfrageveränderungen aus den Märkten.“
Auf der jüngsten Betriebsversammlung in Neckarsulm forderte der Betriebsrat laut einem Bericht des SWR konkrete Aussagen zur Modellstrategie, zur Sicherung der Arbeitsplätze und zu möglichen neuen Werken im Ausland. Die Zukunft des Werks bleibt damit eng an strategische Entscheidungen des Konzerns gekoppelt.