Chery übernimmt Nissan-Werk in Südafrika
Chery baut seine Fertigung in Afrika aus und übernimmt das ehemalige Nissan-Werk in Rosslyn. Ab 2027 sollen dort SUV-Modelle von Chery, Jaecoo und Jetour produziert werden. Chery will in Südafrika 3.000 Jobs schaffen und ein lokales Zulieferer-Netzwerk aufbauen.
Das ehemalige Nissan-Werk im südafrikanischen Rosslyn geht nun in den Besitz von Chery über.
Nissan
Chery treibt seine internationale Expansion voran und hat Nissans
ehemaliges Fahrzeugwerk Rosslyn bei Pretoria offiziell übernommen. Mit der
Eröffnung des Standorts vollzieht das Unternehmen in Südafrika den Schritt vom
Importeur zum lokalen Produzenten. Die Serienfertigung soll nach umfassenden
Modernisierungsarbeiten Mitte 2027 anlaufen.
Das Werk wurde ursprünglich 1963 errichtet und gehörte
zuletzt Nissan. Chery hatte die Übernahme bereits Anfang des Jahres
angekündigt. Nun wurde die Transaktion im Beisein hochrangiger
Regierungsvertreter aus Südafrika und China offiziell abgeschlossen.
50.000 Fahrzeuge Kapazität pro Jahr geplant
Nach Angaben des Herstellers soll die Anlage zunächst auf
eine Jahreskapazität von 50.000 Fahrzeugen im Ein-Schicht-Betrieb ausgelegt
werden. Während der Hochlaufphase in der zweiten Jahreshälfte 2027 rechnet
Chery zunächst mit einer Produktion von rund 15.000 Fahrzeugen. Für die
Modernisierung von Infrastruktur und Produktionsanlagen wolle der Konzern
mehrere Millionen US-Dollar investieren, sagte ein Chery-Manager gegenüber Medienvertretern.
Eine genaue Summe wurde nicht genannt.
Gefertigt werden sollen zunächst Modelle der Marken Jetour,
Jaecoo und Chery. Genannt wurden unter anderem die SUV-Baureihen Jetour T1,
Jaecoo J5 sowie der Chery Tiggo 4. Der Jaecoo J5 soll sowohl mit
Verbrennungsmotor als auch als elektrifizierte Variante vom Band laufen.
Fokus auf Lokalisierung und Zulieferer
Chery kündigte zudem ein umfangreiches
Lokalisierungsprogramm an. Bis 2028 soll ein lokaler Wertschöpfungsanteil von
zunächst 40 Prozent erreicht werden. Dafür untersucht das Unternehmen derzeit
potenzielle Tier-1-Zulieferer in Südafrika. Gleichzeitig plant Chery,
insbesondere Komponenten für Elektrofahrzeuge und intelligente Fahrzeugsysteme
über chinesische Lieferanten nach Südafrika zu bringen.
Die Übernahme sichert zugleich bestehende Arbeitsplätze.
Alle 692 Mitarbeiter des Werks sollen übernommen werden. Darüber hinaus
erwartet Chery die Schaffung von nahezu 3.000 direkten und indirekten
Arbeitsplätzen entlang der Wertschöpfungskette.
Südafrika wird zum Afrika-Hub
Langfristig soll Rosslyn weit mehr sein als ein reiner
Produktionsstandort. Chery plant den Ausbau zu einem regionalen Automotive-Hub
mit Forschung und Entwicklung, Lieferkettenmanagement und
Qualifizierungsprogrammen.
Konzernchef Yin Tongyue betonte die lokale Verankerung der
Investition: „Chery Auto wird sein Bestes tun, um sich in jedem Markt, in den
es eintritt, in die lokale Wirtschaft, die lokale Gemeinschaft und die Zukunft
dieses Landes zu integrieren.“
Teil der globalen Expansionsstrategie
Die Investition in Südafrika steht im Kontext der
zunehmenden Internationalisierung chinesischer Automobilhersteller. Angesichts
des intensiven Wettbewerbs und bestehender Überkapazitäten im Heimatmarkt bauen
chinesische OEMs ihre Produktions- und Vertriebsstrukturen weltweit aus. Chery
verfolgt dabei das Ziel, Südafrika als regionales Zentrum für Produktion,
Export, Forschung und Entwicklung sowie operative Aktivitäten auf dem
afrikanischen Kontinent zu etablieren.
Mit dem Werk in Rosslyn erhält Chery nicht nur Zugang zu
einer etablierten Produktionsbasis, sondern auch zu einem der wichtigsten
Automobilstandorte Afrikas. Für die südafrikanische Automobilindustrie bedeutet
der Eigentümerwechsel zugleich den Erhalt industrieller Kapazitäten, die
andernfalls nach dem Rückzug Nissans unter Druck geraten wären.