BYD schaltet in Europa einen Gang hoch. Doch beim chinesischen Automobilhersteller ist nicht alles Gold, was glänzt. Die Schwäche auf dem Heimatmarkt wächst – Erfolg auf dem Alten Kontinent ist wichtiger denn je.
Wolfgang GomollWolfgangGomoll
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Unter Druck: BYD-Gründer und -Präsident Wang Chuanfu.BYD
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Diese BYD-Aktion hat wegweisenden Charakter: In Offenbach
eröffnete der chinesische Autobauer seine Deutschlandzentrale. Nicht unbedingt
der glamouröseste Standort. Allerdings einer mit Aussagekraft. Die Büroflächen
befinden sich in Sichtweite zum deutschen Hauptquartier der Hyundai Motor
Company. Damit ist die Stoßrichtung klar: Man will den Koreanern zwischen
Flensburg und Garmisch-Partenkirchen den Rang ablaufen. „Unser strategisches
Ziel ist es, in fünf Jahren als europäischer Hersteller wahrgenommen zu werden.
Selbstverständlich mit chinesischem Hintergrund“, stellt BYD-Deutschlandchef
Lars Bialkowski unmissverständlich klar. Mit
Ankündigungen ist das bei BYD so eine Sache: Schon 2024 hatte
BYD-Vizepräsidentin Stella Li das Ziel ausgegeben, im Jahr darauf 50.000 Autos
in Deutschland zu verkaufen. Dieser Plan scheiterte krachend. Es waren weniger
als die Hälfte. Jetzt soll es dieses Jahr klappen.
Schwäche in der Heimat
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Die Zeichen stehen gut. Laut den Zahlen des
Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) kam BYD in Deutschland von Januar bis Mai 2026 auf
19.993 Pkw-Neuzulassungen. Allein im Mai waren es 6.168 Fahrzeuge, womit der
Automobilhersteller auf 2,6 Prozent Marktanteil kam und gegenüber dem
Vorjahresmonat um 232,1 Prozent zulegte. Der Löwenanteil entfällt auf die
Plug-in-Hybriden. Mit 4.290 Fahrzeugen und einem Marktanteil von 15,35 Prozent
ist der chinesische Autobauer in diesem
Monat die Nummer eins bei den PHEVs. Das illustriert einen deutlichen Wandel in
BYDs europäischen Expansionsplänen. Statt der reinen Elektromobillehre predigen
die chinesischen Vertriebsstrategen nun die Teilzeitstromer. Autos mit
Verbrennungsmotor widersprechen eigentlich dem jahrelang propagierten
BYD-Selbstverständnis als Technologiekonzern. Der Gesinnungswandel ist
notwendig. Das Exportgeschäft ist für den Autobauer aus Shenzhen essenziell, da
man auf dem Heimatmarkt nach wie vor schwächelt.
Immerhin kam BYD im Mai 2026 weltweit auf 383.453 verkaufte
New Energy Vehicles (NEV). Das entspricht einem minimalen Plus von 0,26 Prozent
gegenüber dem Vorjahr und beendet eine achtmonatige Serie rückläufiger
Monatszahlen. Das klingt nach einer Trendwende. Aber der Detailblick offenbart
die Probleme in China: Dort verkaufte der Autobauer im Mai lediglich 222.809
Fahrzeuge. Ein sattes Minus von 24,07 Prozent gegenüber 2025. Diese Bilanz ist
weit mehr als eine Momentaufnahme. BYD meldet von Januar bis Mai 2026 weltweit
1.405.039 verkaufte NEVs. Ein Minus von 20,32 Prozent gegenüber dem
Vorjahreszeitraum. Der Export stützt die Bilanz massiv: Die
Auslandsauslieferungen legten im selben Zeitraum von 374.217 auf 616.907
Einheiten zu, also um rund 64,9 Prozent. Allerdings kompensiert dieser Boom die
Schwäche in China nicht vollständig. Im Heimatmarkt sank der Absatz von
1.389.152 auf 788.132 Fahrzeuge, ein Rückgang um 601.020 Einheiten
beziehungsweise 43,3 Prozent. Der Export fängt damit nur gut 40 Prozent des China-Einbruchs
auf. Die absoluten Zahlen offenbaren die Schieflage der Gesamtbilanz. Unterm
Strich liegt der Konzernabsatz 358.330 Fahrzeuge unter dem des Vorjahres.
Nur drei Kilometer vom ungarischen Regierungssitz entfernt: die Europazentrale von BYD im Herzen Budapests.BYD
Dementsprechend gnadenlos ist die Situation in China. Geely,
Leapmotor, Great Wall Motor, Chery, Xpeng, Li Auto, Aito und zahllose kleinere
Hersteller drücken mit neuen Modellen und immer kürzeren Entwicklungszyklen in
den Markt. Die Regierung versucht zwar gegenzusteuern, indem sie die
Rabattschlacht unterbinden will. Doch der Verdrängungswettbewerb bleibt. Das
heißt: Europa ist nicht mehr nur Kür – ein Zusatzgeschäft, das man gerne
mitnimmt –, sondern eine überlebenswichtige Notwendigkeit. „Das ist der
Übergang vom China-Scale-Modell zum Global-Scale-Modell. Also von einem vom
Heimatmarkt getriebenen Wachstum zu einem, das vom Export abhängig ist. Für die
chinesischen Hersteller gilt: Wer gegen die starke Konkurrenz bestehen will,
wird zunehmend auf Auslandsmärkte angewiesen sein“, stellt Philipp Seidel,
Automobilexperte bei Arthur D. Little, fest.
BYD will diesen Schritt konsequent vollziehen. Eine
europäische Produktion ist notwendig, um die EU-Zölle auf die eigenen BEVs zu
umgehen. Aber auch hier läuft nicht alles nach Plan. Ursprünglich sollte im
ersten europäischen Werk im ungarischen Szeged Ende 2025 das erste Auto vom
Band laufen. Jetzt beginnt die Produktion des Dolphin Surf im vierten Quartal
dieses Jahres. In Europa sollen künftig vier Modelle produziert werden, davon
300.000 in Ungarn. Ursprünglich sollte die zweite Fabrik in der Türkei mit
einer Jahreskapazität von 150.000 Autos gebaut werden.
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Spanien im Visier
Doch das Projekt liegt vorläufig auf Eis. BYD sucht offenbar nach einer zweiten europäischen
Produktionsstätte und bevorzugt die Übernahme eines bestehenden Werks in
Südeuropa, vermutlich in Spanien. Die politische Großwetterlage in dem
südeuropäischen Land spielt dem Autobauer aus dem Reich der Mitte in die
Karten. Der spanische Premierminister Pedro Sánchez hat Mitte April 2026 in
Peking eine Reihe von Gesprächen mit der chinesischen Führung geführt und
positioniert sich mittlerweile als Brücke zwischen China und der EU. Angeblich
gab es genau wegen dieses Kurses Streitigkeiten beim G7-Gipfel. BYD bleibt indes
am Ball. BYD-Chefstratege Alfredo Altavilla erklärte kürzlich, dass für neue
Greenfield-Werke wegen möglicher EU-Regeln zur lokalen Wertschöpfung schlicht
keine Zeit mehr sei. Also müsse man ein Brownfield-Werk finden, übernehmen und
umbauen. Ein Kandidat ist offenbar eine Stellantis-Fabrik.
Dies macht den enormen Druck deutlich, unter dem der
chinesische Autobauer steht. Noch ist die Erfolgsgeschichte nicht in Stein
gemeißelt. Philipp Seidel sieht das ähnlich: „BYD ist nach wie vor einer der
Kostenführer durch Skalierung und Integration, aber in einer gefährlichen
Übergangsphase. Entscheidend werden jetzt Marge pro Exportfahrzeug,
Lokalisierungsgeschwindigkeit, Markenaufbau und Servicequalität außerhalb
Chinas. Außerdem darf man den Anschluss bei den Themen SDV und AD nicht
verlieren.“