VW Mitarbeiter vor einem 3D Drucker

Volkswagen will das 3D-Druckverfahren nur einsetzen, wenn es nachhaltig ist. (Bild: Volkswagen)

3D-Drucker gehören längst zur Standard-Ausstattung vieler Autohersteller und Zulieferer. Gerade wenn es um kleinere Stückzahlen, Sonderanfertigungen oder Ersatzteile für Oldtimer geht, ist die additive Fertigung ein Gamechanger. Je nach Hersteller werden die Chancen und Risiken des Verfahrens jedoch anders bewertet. Im Rahmen des Additiv Automotive 2.0 diskutierten Thomas Stein, Projektleiter AM bei Volkswagen und Matthias Schmid, Deputy Head of Center of Competence 3D-Printing von Daimler Trucks, über die Hürden der Technologie.

Jüngst häuften sich Berichte über Produktfälschungen bei verschiedenen OEMs. Allein von Mercedes-Benz seien 2021 mehr als 1,86 Millionen gefälschte Produkte beschlagnahmt worden. Ein Problem, was der Stuttgarter Autobauer nicht exklusiv gepachtet hat. Auch Thomas Stein von Volkswagen mahnt vor den Risken – insbesondere beim 3D-Druck: In der Regel reiche der Datensatz, um ein Teil auf irgendeinem Drucker weltweit nachzubilden. Es müsse nachweisbar sein, von wem ein Teil wirklich produziert wurde. Ein außen angebrachtes Kennzeichen reiche nicht aus, so der Experte.

Das Problem sei zwar nicht neu, für Stein stehen die Hersteller mit Blick auf die additive Fertigung aber noch mal vor einer ganz anderen Herausforderung. Diese Sorge zeigt: Gerade bei neuen Technologien wandeln die Hersteller oftmals auf einem schmalen Grat zwischen Offenheit und Sicherheit. Matthias Schmid von Daimler Trucks hat beides zugleich im Blick und warnt davor, sich von den Themen Produkthaftung und Produktpiraterie ausbremsen zu lassen. „Man braucht immer ein paar Believers, die das ganze Thema anschieben“, so Schmid.

Volkswagen wägt Grenzen des 3D-Drucks ab

Ein großer Vorteil der additiven Fertigung ist der hohe Individualisierungsgrad. Besondere Kundenwünsche können exakt erfüllt werden. Kleine Stückzahlen stellen ebenso wenig ein Problem dar wie komplexere Teile. Hier punkten 3D-Drucker bereits heute. Sobald es jedoch um Masse geht, betonen alle Hersteller die Bedeutung der Wirtschaftlichkeit.

„Bei Stückpreisen geht es um jeden Cent“, stellt Thomas Stein klar. Dem Kunden sei es egal, wie sein Auto gefertigt wurde. Es werde passende Qualität erwartet und die Abnehmer seien in der Regel nicht bereit, mehr zu bezahlen, nur weil etwas additiv produziert wurde. „Wir nutzen 3D-Druck nicht zwanghaft“, so Stein. Es sei wichtig, zu erkennen, wo die Grenzen der Technologie liegen.

Wie nachhaltig ist die Additive Fertigung?

Natürlich spielt auch Nachhaltigkeit eine wesentliche Rolle bei der additiven Fertigung. Für Daimler bietet die Technologie eine große Chance. Datensätze könnten künftig um die Welt geschickt und in Printer Hubs genau dort gedruckt werden, wo man die entsprechenden Teile benötigt, beschreibt Matthias Schmid die Pläne des OEMs.

Etwas zurückhaltender blickt der Experte aus Wolfsburg auf die Thematik: Man müsse in der Lieferantenkette vor und hinter das eigene Tor schauen. Die additive Fertigung laufe aktuell noch etwas abgekoppelt vom Gesamtmarkt. „Es gibt kaum Recyclingmöglichkeiten. Dieses Thema steht bei uns ganz oben auf der Agenda, wenn wir neue Anlagen beschaffen“, erläutert Stein. Bei Daimler Trucks gebe es dieses Problem so nicht. Bei den Stuttgartern werde eher das Mindest von Leuten bemängelt, „die sich schwertun, neu zu denken“, kontert der Head of 3D-Printing, Matthias Schmid.

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