Die Mercedes S-Klasse ist 5,18 Meter lang

Die Mercedes S-Klasse ist 5,18 Meter lang (Bild: Mercedes)

Klar, wir sitzen nicht zum ersten Mal in der aktuellen S-Klasse, zuletzt fuhren wir mal die Langversion. Das hier ist das Modell mit normalem Radstand, was auch noch 3,11 Meter sind, bei einer Gesamtlänge von stolzen 5,18 Meter. Innen macht das vorne keinen Unterschied, für die Fondpassagiere – also die großen Chefs dieser Welt – fällt der Fußraum gegenüber der Langversion (5,29 Meter) ein wenig knapper aus. Was man durchaus verkraften kann.

Natürlich ist das Spitzenmodell aus der alten Mercedes-Welt, bei den Elektrofahrzeugen hat diese Position der EQS inne, eigentlich gar kein Auto zum Selbstfahren. Daher hätten wir während der Testfahrten eigentlich viel mehr Zeit hinten (rechts) verbringen sollen. Aber ach, gutes Personal, in diesem Fall ein Chauffeur, ist ja heutzutage so schwer zu kriegen.

Details werden einer vermeintlichen Modernität geopfert

Also haben wir selbst den Chauffeur gespielt, obwohl es meist nicht viel mehr zu chauffieren gab als uns selbst. Hat trotzdem Spaß gemacht, weil sich die S-Klasse immer wieder überraschend leichtfüßig und agil fahren lässt. Bei 435 PS plus noch 22 weiteren kurzfristig aus dem sogenannten EQ-Boost als elektrischer Unterstützung aus dem Startergenerator ist das Thema Beschleunigung und Endgeschwindigkeit kein Thema. Dank der optionalen Hinterradlenkung mit Einschlägen von wahlweise 4,5 oder 10 Grad fährt sich der schwere Schwabe fast wie ein Kompaktwagen. Wobei er anders als ein solcher auch noch mega-komfortabel ist, dank Luftfederung an beiden Achsen.

Das geschmackvolle Interieur, die hervorragenden Sitze und den tollen MBUX-Sprachassistenten haben wir schon in anderen Zusammenhängen erwähnt. Auch aber, dass die Bedienung nicht komplett perfekt ist. Denn wer die Lautstärke etwa des Radios über Gleitfläche am Lenkrad einstellen will, trifft fast nie auf Anhieb das gewünschte Niveau und muss, unwürdig bei einem solchen Auto, meist mehrfach hin und her schubbern, bis die Lautstärke stimmt. Ein kleines Beispiel dafür, wie man Innenräume einer vermeintlichen Modernität opfert, obwohl die ideale Verstellung der Lenkradlautstärke unserer Meinung nach schon gefunden ist, nämlich in Form eines simplen Drehrades. Aber der war wahrscheinlich für die S-Klasse nicht fein genug.

Grundpreis 129.100 Euro: Mercedes hat kräftig an der Preisschraube gedreht

Warum wir uns darüber so aufregen? Na, weil es sonst so wenig aufzuregen gibt. Vielleicht noch über den Verbrauch, der 3 bis 4 Liter über dem Normwert von 8,2 Litern lag. Und dies, obwohl die S-Klasse gar nicht so sehr zu einer schnellen Fahrweise animiert, sondern eher zum Gleiten. Wobei ein Blick auf das serienmäßig Head-up-Display zeigt, dass wir gerade angesichts des Komforts und der Ruhe an Bord doch schon die 180-km/h-Grenze überschritten haben.

Apropos Serie: Auch bei Mercedes sind die Zeiten vorbei, in denen selbst eine S-Klasse in der Basis noch recht nackt war. Heute sind Dinge wie ein Navi, das erwähnte MBUX-System, zwei große, hochauflösende Displays (12,3 Zoll für den Fahrer und 12,8 in der Mitte), Ledersitze, Memory-Paket oder eine Servoschließung der Türe und natürlich die formidable Luftfederung Serie. Was man bei einem Grundpreis von 129.100 Euro ja auch erwarten darf, zumal Mercedes seit dem Marktstart vor zwei Jahren kräftig an der Preisschraube gedreht hat.

Trotzdem bleibt in der Preisliste noch genügen Raum für sinnvolle Zusatzausgaben und für Kurioses. Zu letzterem zählen sicher die 137 Euro Aufpreis für den Aschenbecher, der früher Teil der Serienausstattung war, dann weggelassen werden konnte und für dessen Wiedereintritt ins Cockpit nun bezahlt werden muss. Aber wer raucht heute schon noch, geschweige denn in einem solchen Auto? Also das Geld gespart und lieber 119 Euro für den um 11 auf 76 Liter erweiterten Tank bezahlt, denn – siehe Verbrauch – Tankstellen sieht man als Fahrer eines S 500 mit Sechszylinder-Motor häufig genug.

Weitaus teurer kämen unsere anderen Wünsche, die Hinterachslenkung (1.547 Euro), das fantastische Digital Light (2.250 Euro) oder der Drive Pilot für 5.950 Euro, dem man auf der Autobahn die S-Klasse schon fast komplett anvertrauen kann.

Noch ein Wort zum Design: Es ist erstaunlich, wie relativ filigran das Fahrzeug trotz seiner Ausmaße wirkt. Wenn man mal von der Front absieht, wo der sehr groß geratene Kühlergrill deutlich auf die asiatische Kundschaft abzielt. Verständlich, verkauft Mercedes doch rund ein Drittel aller S-Klassen in China. Davon abgesehen bleibt die S-Klasse trotz der modulierten und muskulösen Karosserie aber recht zurückhaltend, was die anderen Verkehrsteilnehmer dankend zur Kenntnis nehmen – falls es ihnen auffallen würde.

Denn die S-Klasse ist in Deutschland doch recht selten im Alltag anzutreffen. Und mit dem Start des neuen EQS, also quasi der elektrischen S-Klasse, ist für viele Vorstände das Elektroauto zur Pflicht und zum fahrenden Beweisstück nachhaltigen Handelns geworden. Ja, das konventionelle Spitzenmodell der Schwaben scheint irgendwie nicht mehr in die Zeit zu passen. Einen Nachfolger wird es wahrscheinlich so nicht mehr geben. Was dem Erfolg des aktuellen Modells keinen Abbruch tut. Zurecht, denn objektiv betrachtet, handelt es sich bei der S-Klasse immer noch um eines der besten und feinsten Autos, die man fahren kann.

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