Luftaufnahme der Giga-Factory in Berlin-Brandenburg, großer Hallenkomplex in mitten von Laubbäumen

Noch ist die neue Giga-Factory in Berlin nicht komplett ausgelastet - das soll sich im nächsten Jahr ändern. (Bild: Tesla)

Elon Musks Auftritte sind stets mit einer guten Portion Dramatik gewürzt. So auch beim AI Day dieses Jahres, bei dem ein Roboter auf die Bühne lief, in die euphorisierte Menge winkte, Blumen goss und Kisten hin und her trug. Da Elon Musk seine Aktionäre immer bei Laune halten muss, kündigte er an, dass die humanoide Maschine, die den effektheischenden Namen Optimus trägt - nach dem Protagonisten der Transformer-Filme Optimus Prime - weniger als 20.000 Dollar kosten solle und in den Tesla-Fabriken eingesetzt werde. Wann dies stattfinden wird, steht allerdings noch in den Sternen. Bei der blumigen Ankündigung ging es weniger um die Dancing-Machine, sondern um das Motto der Veranstaltung: Künstliche Intelligenz.

Autonomes Fahren wird zum Stolperstein

Sie ist ein unabdingbarer Teil des autonomen Fahrens - eine Baustelle, die Tesla noch fertigstellen muss. Der vom Tesla-Marketing gepriesene Autopilot macht seinem Namen wenig Ehre. Er hat gar zu Unfällen geführt, die von den US-Behörden untersucht werden, was zu einem kurzzeitigen Rückgang des Tesla-Börsenwerts um mehrere Milliarden führte. Die Entwicklung der Software für das automatisierte Fahren geht unterdessen weiter. Mittlerweile nutzen dem Tesla-Autopilot-Direktor Ashok Elluswamy zufolge etwa 160.000 Fahrer Full-Self-Driving-Beta.

Elon Musk erwähnte während des KI-Tags, dass er davon ausgeht, dass die Technik bis zum Ende 2022 serienreif sei. Es müssten allerdings noch weitere Tests erfolgen und es seien einige regulatorische Hürden zu nehmen. Dazu passt, dass Tesla bei neu ausgelieferten Autos nach den Radar- nun auch die Ultraschallsensoren streicht und diese Funktionen durch Kameras ersetzt. Das erneute Vorpreschen Teslas beim autonomen Fahren per FSD rief sofort Widerstand auf den Plan. Der US-Verbraucherschützer und Politiker Ralph Nader bezeichnete den Einsatz dieser Technik als „verantwortungslos“ und forderte die National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA) auf, das FSD-System in allen Teslas zu verbieten.

Musk prognostiziert weiterhin steigende Absatzzahlen

Ungeachtet dessen klingen die Geschäftszahlen ermutigend. So hat Tesla im zweiten Quartal dieses Jahres mehr als 254.000 Fahrzeuge verkauft und einen Umsatz von 16,9 Milliarden US-Dollar sowie einen Gewinn von 2,3 Milliarden US-Dollar erwirtschaftet, was einer Steigerung um 98 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum und einer Umsatzrendite von rund 15 Prozent entspricht. Im dritten Quartal kletterten die Produktionszahlen auf 365.923 und die Menge der ausgelieferten Fahrzeuge auf 343.830. Dies markiert einen neuen Rekord und der US-Konzern liegt damit elf Prozent über den gut 310.000 Auslieferungen des ersten Quartals.

Allerdings hatten Analysten für das Rekordquartal 20.000 Autos mehr erwartet. Tesla begründet das Verfehlen dieser Prognosen mit Problemen in der Transportlogistik. Da die neuen Fabriken in Berlin und in Austin im US-Bundesstaat Texas bei der Produktion weiter Fahrt aufnehmen und laut Musk 1.000 Autos pro Woche (Berlin) beziehungsweise mehr als 1.000 Fahrzeuge (Austin) produzieren sollen, dürfte diese Zahl im nächsten Quartal weiter steigen. Im nächsten Jahr soll dann der Cybertruck neue Umsätze generieren. Gegen Ende des Jahres will man den ersten Semi-Lkw Teslas publikumswirksam an Pepsi ausliefern.

Tesla Semi-Truck an Ladesäule, Foto auf leerem Parkplatz in der Wüste
Tesla's neuer Semi-LKW soll Gütertransporte über weite Strecken elektrifizieren. (Bild: Tesla)

Die üblichen Probleme auch bei Tesla

Tesla hat also die gleichen Probleme, mit denen sich auch die klassischen Automobilbauer bereits seit über einem Jahrhundert herumschlagen. Das wirkt sich auch auf die zukünftige Strategie aus. Wenn Elon Musk seinen Masterplan verkündet, hat das ähnlich prägende Züge, wie man sie auch von einem Ein-Parteien-System kennt. Mit seinem Manifest setzt der CEO die Leitplanken für die nächsten Jahre.

Bei der jährlichen Aktionärsversammlung hob er ein wenig das Tuch von dem wie ein Staatsgeheimnis gehüteten Positionspapier: „Der Tesla Masterplan 3 wird sich im Wesentlichen um Skalierung drehen“, hieß es dazu. Will heißen: Robustes Wachstum ohne extreme Investitionen. Dies über die gesamte Lieferkette hinweg. Ein durchaus notwendiger Schritt, da Tesla eine Produktionsrate von zwei Millionen Autos pro Jahr anstrebt.

Eine verlässliche Lieferkette ist vor allem bei der zunehmenden Zahl von Elektroautos wichtig. Auch Tesla ist mit dem Kampf um Batteriezellen und Halbleiter konfrontiert. Soll aus den steigenden Umsatzzahlen kein Strohfeuer werden, müssen die Herausforderungen gemeistert werden. Und hierbei befinden sich die Amerikaner im Wettstreit mit dem Rest der Automobilindustrie. Der Plan des E-Herstellers sei es, gesund zu wachsen und ein Liquiditätspolster aufzubauen, um zukünftige Krisen zu meistern.

Vom Startup zum etablierten Automobilhersteller

Das Ziel dahinter ist klar: Tesla will sich endgültig als Automobilhersteller etablieren. Deshalb werden Aftersales und Services mit größerer Anzahl und dem höheren Alter der Autos immer wichtiger. Das Flair des jungen und hippen Startups ist verflogen, das automobile Establishment holt in großen Schritten auf und die Qualität der Tesla-Modelle ist nach wie vor nicht über jeden Zweifel erhaben.

Musk betonte unlängst, dass der Service für Bestandskunden eine höhere Priorität einnehmen müsse. Gerade chinesische Tesla-Kunden gehören nicht zu den Geduldigsten. Der Protest einer Tesla-Fahrerin, die sich während der Shanghai Auto Show auf dem Dach ihres Autos stehend über die unzureichende Bearbeitung der schlecht funktionierenden Bremsen beklagte, erregte landesweites Aufsehen und führte zu einer Entschuldigung Teslas.

China ist für den US-Autobauer nach wie vor eine Goldgrube. Laut der China Passenger Car Association hat Tesla in den ersten acht Monaten dieses Jahres rund 400.000 Model 3 und Model Y aus lokaler Produktion verkauft. Dies entspricht einer Steigerung um 67 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Aktuell belegt Tesla in China hinter BYD den zweiten Rang beim Elektroauto-Absatz.

Tesla Cybertruck, SUV mit spitzem Dach auf Landstraße in Wüstengegend
Bei dem amerikanischen Automobilhersteller soll es in Bereichen wie Rendite oder Produktions- und Absatzzahlen stetig nach oben gehen. (Bild: Tesla)

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