Die radikalen Sparmaßnahmen der Autoindustrie im Überblick
Die Autoindustrie steckt tiefer im Jobabbau als erwartet: Laut VDA könnten bis 2035 rund 225.000 Jobs in der deutschen Autobranche wegfallen. Sparprogramme, Stellenabbau und Standortprüfungen zeigen, wie tief der Umbau trifft. Unser Ticker bündelt die wichtigsten Maßnahmen.
Redaktion, dpaRedaktion,dpa
Nach bereits angekündigten Stellenstreichungen stehen laut Medienbericht weitere Jobs bei Porsche auf dem Prüfstand – betroffen sein könnten unter anderem Verwaltung, Management und der Entwicklungsstandort Weissach.
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Der Sparkurs der deutschen Autoindustrie ist längst kein Bündel einzelner Konzernprogramme mehr, sondern Teil eines strukturellen Umbruchs. Nach neuen Berechnungen des Verbands der Automobilindustrie könnten bis 2035 insgesamt rund 225.000 Arbeitsplätze in der Branche wegfallen – 35.000 mehr als bislang angenommen. Bereits zwischen 2019 und 2025 seien laut VDA rund 100.000 Jobs verloren gegangen. Besonders stark trifft der Wandel die Zulieferindustrie, in der der Übergang vom Verbrenner zur Elektromobilität viele Geschäftsmodelle unter Druck setzt.
Die neuen Zahlen verschärfen den Blick auf eine Branche, die seit Monaten von Stellenabbau, Produktionsdrosselungen, Standortprüfungen und Sparprogrammen geprägt ist. Hohe Energie- und Lohnkosten, schwache Absatzmärkte, teure Transformationen und wachsender internationaler Wettbewerb zwingen Hersteller wie Zulieferer zu immer drastischeren Maßnahmen. Schon Ende des dritten Quartals 2025 zählte die deutsche Autoindustrie laut Destatis nur noch 721.400 Beschäftigte – der niedrigste Stand seit 2011. Binnen eines Jahres verschwanden demnach 48.700 Stellen, ein Minus von 6,3 Prozent.
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Was sich in der Statistik abzeichnet, zeigt sich inzwischen in nahezu allen Teilen der Wertschöpfungskette: Volkswagen, Audi, Bosch, Continental, Schaeffler, ZF, Webasto, Porsche, Daimler Truck und viele weitere Unternehmen haben Programme aufgelegt, mit denen Kosten gesenkt, Kapazitäten angepasst und Standorte neu bewertet werden. Dieser Ticker bündelt die wichtigsten Sparmaßnahmen der Autoindustrie – von Stellenabbau über Werksschließungen bis hin zu strategischen Umbauten.
Diese Automobilakteure schlagen einen Sparkurs ein:
Bei Porsche könnten laut dpa zusätzlich zu den bereits bekannten Sparmaßnahmen bis zu 4.000 weitere Jobs wegfallen. Besonders betroffen sein sollen demnach Management und Verwaltung; am Entwicklungsstandort Weissach sollen rund 30 Prozent der Kapazitäten auf den Prüfstand kommen. Porsche bestätigte die konkrete Zahl auf dpa-Anfrage nicht, verwies jedoch auf ein umfassendes Zukunftspaket, das derzeit erarbeitet werde und das Unternehmen schlanker aufstellen soll. Dieses Paket soll bis Ende Juli vorgestellt werden.
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Bereits zuvor hatte Porsche angekündigt, bis 2029 rund 1.900 Stellen abzubauen, hauptsächlich in den Werken Stuttgart-Zuffenhausen und Weissach. Der Abbau soll sozialverträglich erfolgen, da betriebsbedingte Kündigungen bis 2030 ausgeschlossen sind. Geplant sind unter anderem Angebote für Altersteilzeit sowie in Einzelfällen Aufhebungsverträge mit Abfindungen. Zudem sollen natürliche Fluktuation und demografische Entwicklungen genutzt werden, um Nachbesetzungen und Neueinstellungen kritisch zu prüfen.
Hintergrund ist die Absatzkrise des Sportwagenherstellers. Der Absatz von Porsche-Fahrzeugen ging 2024 im Vergleich zum Vorjahr um drei Prozent auf etwa 310.700 Fahrzeuge zurück; besonders stark betroffen war der chinesische Markt mit einem Minus von 28 Prozent. Um langfristig erfolgreich zu bleiben, sollen daher auch die Personalkosten angepasst werden.
„Der Abbau betrifft alle Bereiche – von der Entwicklung, über die Produktion bis zur Verwaltung“, kommentierte Personalvorstand Andreas Haffner den Stuttgarter Nachrichten gegenüber. Bereits 2024 wurden 1.500 befristete Verträge in der Produktion nicht verlängert; für 2025 waren weitere 500 geplant. Insgesamt sind laut jüngstem Bericht die Verträge von etwa 2.000 befristeten Beschäftigten ausgelaufen. Zusätzlich hatte Porsche im Mai angekündigt, drei Tochterfirmen zu schließen, wovon weitere 500 Beschäftigte betroffen sind. Neben dem Stellenabbau ergreift Porsche weitere Sparmaßnahmen, darunter die Deckelung von Mitarbeiterboni. Während im Geschäftsjahr 2023 Boni von bis zu 9.690 Euro gezahlt wurden, sollten diese für 2024 deutlich niedriger ausfallen. Auch das Management soll einen signifikanten Beitrag zum Sparvolumen leisten.
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Mercedes verschärft Sparkurs und löst Proteste aus
Mercedes-Benz verschärft seinen Sparkurs in Deutschland und trifft damit auf Widerstand der IG Metall. Die Gewerkschaft ruft Beschäftigte bundesweit zu Protesten auf. Kundgebungen sind unter anderem an den Standorten Sindelfingen und Untertürkheim geplant. Aus Sicht der Arbeitnehmervertreter richten sich die Maßnahmen einseitig gegen die Beschäftigten und stellten zentrale tarifliche Errungenschaften infrage. Auslöser ist ein Schreiben des Vorstands an die Belegschaft in Deutschland. Darin heißt es, der Stuttgarter Autobauer müsse weiter mit Hochdruck Kosten senken, um bei den Produktpreisen wettbewerbsfähig zu bleiben. Als Sofortmaßnahme sollen rund 90.000 der etwa 108.000 Beschäftigten in Deutschland die tarifliche Sonderzahlung im Juli nicht wie erwartet erhalten. Der jährliche Transformationsbaustein werde demnach auf das kommende Jahr verschoben.
Zugleich rückt der Vorstand die Arbeitskosten stärker in den Mittelpunkt. Prozesse sollten radikal beschleunigt und gewachsene Strukturen verschlankt werden. Die Arbeitsstunde müsse günstiger werden. Aus Sicht des Managements sei der direkteste und fairste Weg, in allen Bereichen für das gleiche Geld mehr zu arbeiten. Über die konkrete Ausgestaltung will der Automobilhersteller in den kommenden Wochen und Monaten mit der Arbeitnehmervertretung sprechen.
Der verschärfte Kurs ergänzt die bereits zuvor angekündigte Neuaufstellung der Pkw-Sparte. Nach einem schwierigen Jahr mit deutlichem Gewinneinbruch hatte Mercedes im Februar Maßnahmen vorgestellt, mit denen die Rendite wieder verbessert werden soll. Die weltweiten Produktionskapazitäten sollen bis 2027 von 2,5 Millionen auf höchstens 2,2 Millionen Einheiten sinken. Zugleich will der Konzern die Produktionskosten um zehn Prozent reduzieren. Helfen sollen effizientere Fertigungsprozesse und der Einsatz digitaler Zwillinge. Auch Materialkosten und Fixkosten sollen sinken, unter anderem durch frühere Einbindung von Lieferanten, stärker standardisierte Bauteile sowie eine schlankere Vertriebsorganisation.
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Auf der damaligen Pressekonferenz hatte Mercedes-Benz betont, in Deutschland keine Stellen abbauen zu wollen. Arbeitsplätze könnten jedoch über natürliche Fluktuation wegfallen. Betriebsbedingte Kündigungen sind durch eine bestehende Vereinbarung grundsätzlich bis 2029 ausgeschlossen, wodurch der Spielraum des Managements begrenzt bleibt. Parallel hat der Konzern seine globale Produktionsstruktur angepasst. Aktivitäten in Hambach in Frankreich, Iracemápolis in Brasilien sowie in CKD-Anlagen in Russland und Indonesien wurden eingestellt. Der Verkauf eines Van-Werks in Argentinien gilt ebenfalls als Teil dieser Neuordnung.
Volkswagen verschärft Sparkurs bis 2030
Volkswagen treibt seinen Restrukturierungskurs weiter voran und will den Konzern bis 2030 deutlich schlanker aufstellen. Auf der digitalen Hauptversammlung im Juni 2026 kündigte Konzernchef Oliver Blume einen Zukunftsplan an, der jährliche Netto-Einsparungen von mehr als sechs Milliarden Euro bringen soll. Im Zentrum stehen der Abbau von Überkapazitäten, eine stärkere Ausrichtung des Produktionsnetzwerks an den tatsächlichen Markterfordernissen sowie schlankere Konzernstrukturen. Werke sollen regionaler, effizienter und wirtschaftlicher arbeiten; zugleich will Volkswagen Modell- und Variantenvielfalt reduzieren sowie Plattformen und Elektronikarchitekturen stärker vereinheitlichen.
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Einen wesentlichen Beitrag zur Kostensenkung sollen bereits vereinbarte Personalmaßnahmen leisten: Bei Volkswagen, Audi, Porsche und Cariad stehen insgesamt rund 50.000 Stellen zur Disposition, allein bei der Volkswagen AG sollen 35.000 Arbeitsplätze wegfallen. Nach Konzernangaben sind bereits mehr als 28.000 Austritte bis 2030 verbindlich vereinbart. Für 2025 beziffert Volkswagen die nachhaltigen Kosteneffekte auf rund eine Milliarde Euro; die Fabrikkosten an den deutschen VW-Standorten seien im Durchschnitt bereits um mehr als 20 Prozent gesunken.
Zusätzliche Brisanz erhält der Sparkurs durch Medienberichte über noch weitreichendere Einschnitte. Demnach sollen intern auch deutlich schärfere Szenarien mit bis zu 100.000 Stellenstreichungen und möglichen Schließungen der VW-Werke Hannover, Emden und Zwickau sowie des Audi-Werks Neckarsulm diskutiert werden. Offiziell bestätigt sind diese Pläne bislang nicht. Der Konzern verweist jedoch seit Monaten auf schwache Ergebnisse, rückläufige Auslieferungen in China und Nordamerika, den Wettbewerbsdruck chinesischer Hersteller sowie zusätzliche Handelsbarrieren. Finanzvorstand Arno Antlitz bezifferte allein die Belastung durch US-Zölle auf rund vier Milliarden Euro pro Jahr. Für die deutschen Standorte dürfte damit der Druck weiter steigen: Selbst wenn Maximalszenarien nicht eins zu eins umgesetzt werden, stehen weitere Kosten-, Kapazitäts- und Strukturverhandlungen bevor.
Die Grundlage für den Einschnitt hatte Volkswagen bereits Ende 2024 im Tarifkonflikt mit Betriebsrat und IG Metall gelegt. Damals vereinbarte der Konzern ein Sanierungsprogramm, das bis 2030 den sozialverträglichen Abbau von 35.000 Stellen in Deutschland vorsieht. In der technischen Entwicklung in Wolfsburg sollen rund 4.000 Jobs wegfallen, die Zahl der Ausbildungsplätze wird ab 2026 von 1.400 auf 600 pro Jahr reduziert. Im Gegenzug wurden Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen; für rund 130.000 Beschäftigte gilt eine neue Beschäftigungssicherung bis 2030. Für einzelne Standorte bleiben die Folgen dennoch einschneidend: Golf und Golf Variant sollen ab 2027 von Wolfsburg nach Puebla in Mexiko verlagert werden, während in Wolfsburg künftig ID.3 und Cupra Born entstehen. In Osnabrück läuft das T-Roc Cabrio nur noch bis Spätsommer 2027, in Dresden endet die Fahrzeugfertigung Ende 2025.
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Proteste gegen IAV-Stellenabbau angekündigt
Der Entwicklungsdienstleister IAV verschärft seinen Sparkurs und will bundesweit rund 1.400 Stellen streichen. Besonders betroffen ist der Standort Berlin: Das Betriebsgelände in Charlottenburg soll bis spätestens 2027 verkauft werden, lediglich ein „kompakter Kern“ der Belegschaft soll in der Hauptstadt verbleiben. Den übrigen Beschäftigten bietet IAV einen Wechsel nach Gifhorn in Niedersachsen an. Das Unternehmen begründet den Schritt mit Überkapazitäten und veränderten Marktbedingungen; die Maßnahmen sollen die Wettbewerbsfähigkeit langfristig sichern und Engineering-Arbeitsplätze in Deutschland erhalten. Die IG Metall kritisiert die Pläne scharf und kündigt Widerstand an. Eine Schließung des Berliner Stammsitzes mit rund 1.250 Beschäftigten werde man nicht hinnehmen, erklärte die Gewerkschaft. Auch der Standort Stollberg in Sachsen ist von den Abbauplänen betroffen; Proteste sind bereits angekündigt.
Bentley startet Sparprogramm trotz Gewinn
Auch bei Bentley steht trotz weiter schwarzer Zahlen ein Sparkurs an. Die VW-Luxustochter hat ein Effizienzprogramm angekündigt, das den Abbau von bis zu 275 Stellen vorsieht, vor allem in Management-Funktionen und nicht-produzierenden Bereichen. Das Unternehmen reagiert damit auf wachsenden Wettbewerbsdruck, sinkende Auslieferungen und die hohen Anforderungen der Elektrifizierungsstrategie. Zwar schrieb Bentley 2025 zum siebten Mal in Folge Gewinn, doch das operative Ergebnis geriet unter anderem durch Plattformkosten sowie Wechselkurs- und Zolleffekte unter Druck. Parallel hält der Hersteller an seinen milliardenschweren Investitionen in den Standort Crewe fest, um das Werk für die Produktion künftiger Elektromodelle umzurüsten.
Trotz der angekündigten Stellenstreichungen will man bei Bentley in Cewe an hohen Standortinvestitionen festhalten, um die Zukunftsfähigkeit des Werkes zu sichern.Jonathan FLEETWOOD
MAN kündigt Stellenabbau am Hauptstandort an
Der Lastwagen- und Bushersteller MAN will in Deutschland rund 2.300 Stellen abbauen. Das soll über 10 Jahre hinweg und "absolut sozialverträglich" passieren, wie ein Sprecher sagte. Kündigungen sind nicht geplant. Betroffen sind vor allem der Hauptstandort München mit 1.300 Jobs, Salzgitter mit 600 und Nürnberg mit 400 Stellen. MAN müsse sich dem "anhaltend schwächelnden Truck-Markt in Deutschland anpassen und seine Kostenposition weiter verbessern", begründet MAN den Schritt. Belastend seien hohe Strom- und Arbeitskosten und der steigende Druck der asiatischen Konkurrenz. Das schlage sich auch auf die Rendite nieder. "Wir gehen jetzt in eine Hochinvestitionsphase und müssen anhaltend Gewinne erwirtschaften, um unser Produktportfolio auszuweiten", sagte der Sprecher.
Bei den Nutzfahrzeugherstellern in Europa fange die Transformation mit elektrischen Trucks gerade erst an .Produktionsstandorte sollen erhalten bleiben. Durch den Abbau fielen zudem weniger Stellen weg, als Mitarbeiter in Rente gingen, heißt es von MAN. Man werde also auch weiterhin Menschen einstellen und bleibe ein heimischer Nutzfahrzeughersteller, mit dann rund 13.000 Mitarbeitern, sagte ein Sprecher. "Alle unsere Produktionsstandorte in München, Nürnberg, Salzgitter und Wittlich sollen erhalten bleiben." Dort werde man über die nächsten fünf Jahre eine Milliarde Euro investieren.
Continental prüft Abspaltung von Contitech
Die ersten Sparmaßnahmen verkündete der Hannoversche Zulieferer Continental im November 2023: In der Automotive-Sparte, in der die Geschäfte mit Displays und Fahrassistenzsystemen gebündelt sind, sollten weltweit rund 5.500 Stellen abgebaut werden, über 1.000 davon an den rund 30 deutschen Standorten. Im Februar 2024 kündigte Conti dann an, rund 7.150 weitere Stellen zu kürzen, davon 5.400 in den Verwaltungsbereichen sowie 1750 Stellen im Forschungs- und Entwicklungsnetzwerk. Rund ein Jahr später meldet der Zulieferer, dass bereits 80 bis 90 Prozent der angekündigten Stellenstreichungen umgesetzt wurden. Angesichts der weiterhin schwierigen Lage in der Automobilbranche will das Unternehmen jedoch bis zum Ende 2026 weitere 3.000 Jobs der schwächelnden Autozuliefersparte kürzen. Einen zusätzlichen Stellenabbau gäbe es auch bei der Softwaretochter Elektrobit mit Sitz in Erlangen und Standorten unter anderem in Berlin, Stuttgart und Braunschweig. Scharfe Kritik kam von der Arbeitnehmerseite. „Wir sind zutiefst besorgt, dass sich die tiefen Einschnitte bei der Automotive Forschung und Entwicklung zu einem umfassenden Kahlschlag ausweiten“, sagte Gesamtbetriebsratschef Michael Iglhaut. „Stellenabbau und Kostensenkungen um jeden Preis“ seien keine tragfähige Zukunftsstrategie.
Auch bei Kunststofftechnik-Tochter Contitech setzt der Zulieferer wie kürzlich verkündet nun den Rotstift an. Um die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern, sollen von 2028 an jährlich 150 Millionen Euro eingespart werden, insbesondere in der Verwaltung, wie es in einer Mitteilung des Unternehmens heißt. Dafür würden vom kommenden Jahr an Tätigkeiten verlagert, Stellen abgebaut und Abläufe angepasst. "Die genaue Zahl der abzubauenden Stellen in Deutschland sowie die Art der Umsetzung hängen von der Ausgestaltung der Maßnahmen in Zusammenarbeit mit den Sozialpartnern ab", teilte Continental mit. Ein Großteil der geplanten Veränderungen entfalle auf die in Hannover ansässigen Bereiche von Contitech. Continental will sich nach der Abspaltung seiner Autosparte Aumovio im kommenden Jahr auch von Contitech trennen. Im Konzern verbleiben soll nur das angestammte Reifengeschäft, auf das rund ein Drittel des bisherigen Konzernumsatzes entfällt.
Auch bei Conti-Tochter Aumovio wird der Sparkurs konkreter. Hintergrund ist die Neuausrichtung der weltweiten F&E-Aktivitäten, von der an den süddeutschen Standorten Ulm, Lindau und Markdorf bis zu 600 Mitarbeitende betroffen sind. Um den Stellenabbau sozialverträglich abzufedern, hat Aumovio mit dem Rüstungselektronik-Spezialisten Hensoldt eine Kooperationsvereinbarung geschlossen. Ziel ist es, betroffenen Beschäftigten neue berufliche Perspektiven zu eröffnen. Hensoldt, das seine Kapazitäten wegen der hohen Nachfrage in der Verteidigungsindustrie deutlich ausbaut, sucht insbesondere Fachkräfte aus den Bereichen Systementwicklung, Software und Elektrotechnik – also genau jene Kompetenzen, die auch bei Aumovio gefragt sind. Aumovio betont dabei seinen Ansatz „Von Arbeit in Arbeit“ und will gemeinsam mit Sozialpartnern und regionalen Unternehmen nahtlose Übergänge in neue Beschäftigung ermöglichen.
Der Continental-Unternehmensbereich ContiTech plant die Einstellung der Produktion an den Standorten Bad Blankenburg (Thüringen), Stolzenau (Niedersachsen) und Moers (Nordrhein-Westfalen) sowie die Einstellung des Werkzeugbaus am Doppelstandort Frohburg und Geithain (Sachsen).(Bild: Continental / Collage)
Bosch plant Einsparungen im Milliarden-Bereich
1.500 Stellen im Dezember 2023, 1.200 Stellen im Januar 2024 und weitere 5.500 Stellen im November 2024: Bosch ist vom Stellenabbau in der Automobilindustrie mit am härtesten betroffen. Besonders betroffen ist der Bereich Cross-Domain Computing Solutions, der für Assistenzsysteme und automatisiertes Fahren zuständig ist. Hier fallen 3.500 Stellen weg, etwa die Hälfte davon in Deutschland. Betroffen sind unter anderem Standorte wie Leonberg, Abstatt, Renningen, Schwieberdingen und Hildesheim. Gründe sind die stagnierende Fahrzeugproduktion, hoher Wettbewerbsdruck und eine geringere Nachfrage nach E-Auto- und Assistenzsystem-Technologien. "Wir werden um einen weiteren Stellenabbau nicht herumkommen", sagte Bosch-Chef Stefan Hartung der Stuttgarter Zeitung und den Stuttgarter Nachrichten Anfang März 2025.
Mitte September äußerten sich auch Markus Heyn, Mitglied der Geschäftsführung und Chairman im Unternehmensbereich Mobilität sowie Bosch-Arbeitsdirektor Stefan Grosch in einem Interview mit der Stuttgarter Zeitung. Laut ihnen sollen die Kosten des Geschäftsbereichs um 2,5 Milliarden Euro pro Jahr sinken. Ende September 2025 verschärfte Bosch seinen Sparkurs deutlich: Die Unternehmensleitung kündigte der Belegschaft ein Maßnahmenpaket an, das weit über die bisherigen Pläne hinausgeht. Bis 2030 sollen in Deutschland rund 13.000 weitere Arbeitsplätze wegfallen – zusätzlich zu den bereits 2024 angekündigten 9.000 Stellen.
AMS Osram baut weltweit tausende Stellen ab
Trotz verbesserter Geschäftszahlen plant der deutsch-österreichische Lichtkonzern AMS Osram einen weltweiten Stellenabbau, der auch einen Standort in Baden-Württemberg betrifft. Nach Angaben des Unternehmens sollen mehrere hundert Arbeitsplätze in Deutschland entfallen. Insgesamt ist der Abbau von rund 2.000 Stellen vorgesehen, davon jeweils etwa 1.000 in Europa und Asien. Ein Teil dieser Maßnahmen war allerdings bereits zuvor angekündigt worden. Zeitgleich präsentierte AMS Osram am Morgen aktuelle Geschäftszahlen, die einen deutlichen Aufwärtstrend erkennen lassen. Demnach ist es dem Konzern gelungen, den Verlust spürbar zu reduzieren. Ungeachtet dessen sind auch am Standort Herbrechtingen im Landkreis Heidenheim, an dem Halogenlampen gefertigt werden, Stellenstreichungen geplant. Wie viele Arbeitsplätze konkret betroffen sind, wollte ein Unternehmenssprecher auf Anfrage nicht beziffern. In Herbrechtingen beschäftigt AMS Osram derzeit rund 470 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Der Schwerpunkt des Stellenabbaus in Europa liegt nach Unternehmensangaben in Deutschland. Im Halbleitergeschäft am Standort Regensburg sollen laut Konzernchef Aldo Kamper eine niedrige bis mittlere dreistellige Zahl an Arbeitsplätzen wegfallen. Betroffen seien vor allem etablierte Produkte, die inzwischen auch von asiatischen Wettbewerbern angeboten würden. Aus Kostengründen werde deren Produktion nach Asien verlagert. In Regensburg entstehe dadurch jedoch Raum für den Ausbau hochautomatisierter Fertigungsprozesse. Weitere Stellen werden im Lampengeschäft abgebaut. Neben dem Standort in Baden-Württemberg betrifft dies insbesondere Schwabmünchen bei Augsburg. Die Schließung des Werks in Schwabmünchen ist bereits seit einiger Zeit bekannt, wird nun aber in den aktuellen Zahlen des Konzerns berücksichtigt. Die IG Metall hatte den dortigen Stellenabbau zuletzt mit 270 Arbeitsplätzen beziffert. Das Geschäft mit klassischen Halogenlampen für Automobile geht seit Längerem zurück, da diese Produkte schrittweise durch LED-Technologie ersetzt werden. Konzernchef Kamper betonte jedoch, dass die Halogenlampen noch über viele Jahre hinweg eine Rolle spielen würden.
Die schweren Zeiten für Automobilhersteller gehen auch am schwedischen Traditionsunternehmen Volvo nicht spurlos vorbei. Der OEM will in seinem angekündigten Sparkurs Tausende Verwaltungsjobs abbauen. Inklusive Beratern sollen weltweit 3.000 Stellen wegfallen, wie das vom chinesischen Geely-Konzern kontrollierte Unternehmen in Göteborg mitteilte. Das seien rund 15 Prozent aller bürobasierten Arbeitsplätze, ein Großteil entfällt dabei auf Schweden. Volvo-Chef Hakan Samuelsson sprach von schwierigen Entscheidungen: „Die Automobilindustrie befindet sich mitten in einer schwierigen Phase." Um diese zu bewältigen müssten die Kosten strukturell sinken, sagte er laut Mitteilung und kündigte Gespräche mit den Gewerkschaften an.
Volvo hatte bereits mit den schwachen Zahlen zum ersten Quartal Ende April verkündet, dass Stellen wegfallen würden und inklusive anderer Maßnahmen insgesamt 18 Milliarden schwedische Kronen (knapp 1,7 Milliarden Euro) eingespart werden sollen. Details waren aber offengeblieben. Für das Paket werden nun erst einmal Sonderkosten von umgerechnet rund 137 Millionen Euro fällig, die im zweiten Quartal verbucht würden. Volvo hatte früh einen Fokus auf reine Batterieelektroautos gelegt und in den vergangenen Jahren des Öfteren unter hohen Kosten für die Batteriematerialien gelitten. Der glücklose Ex-Chef Jim Rowan musste plötzlich gehen, mit Samuelsson übernahm Anfang April ein Manager die Geschicke, der Volvo bereits zuvor viele Jahre geführt hatte. Zuletzt wurde das Umfeld im Verkauf härter. Die Zahlen der ersten drei Monate fielen unerwartet schwach aus, eine detaillierte Finanzprognose traut sich das Unternehmen auch wegen der US-Zölle aktuell nicht zu.
So will Daimler Truck profitabler werden
Der Nutzfahrzeughersteller Daimler Truck will in Europa wettbewerbsfähiger werden und hat sich mit dem Gesamtbetriebsrat auf Eckpunkte für die Standorte in Deutschland geeinigt. Von dem Sparprogramm Cost Down Europe bei der zuletzt schwächelnden Marke Mercedes-Benz Trucks sind sowohl die Produktion als auch die Zentrale, Verwaltung, Vertrieb und Entwicklung und damit rund 28.000 der 35.500 deutschen Beschäftigten betroffen. Neben der Senkung der Materialkosten sind gleichfalls die Personalkosten ein Teil des Gesamtpakets.
So ist auch ein Personalabbau von 5.000 Stellen vorgesehen. An den insgesamt fünf deutschen Standorten in Gaggenau, Kassel, Mannheim, Stuttgart und Wörth sollen die wiederkehrenden Kosten um mehr als eine Milliarde Euro bis spätestens 2030 dauerhaft gesenkt werden. Achim Puchert, als Vorstandsmitglied verantwortlich für Mercedes-Benz Trucks sowie die Regionen Europa und Lateinamerika, erklärte gegenüber der dpa, man werde weitestgehend mit der natürlichen Fluktuation und Altersteilzeit bei der Reduzierung der Personalkosten hinkommen. Aber auch gezielte Abfindungsprogramme seien möglich, hieß es. „In den anderen Funktionen werden wir um einen sozialverträglichen Personalabbau nicht herumkommen", so Puchert.
Dennoch haben sich Unternehmen und der Gesamtbetriebsrat darauf geeinigt, die laufende Beschäftigungssicherung zu verlängern. Gesamtbetriebsratschef Brecht sagte, dies sei ein zentrales Anliegen gewesen: „Sie läuft nun bis Ende 2034. Somit sind betriebsbedingte Kündigungen von jetzt an für zehn Jahre ausgeschlossen. Das gibt zusätzliche Sicherheit für die Kolleginnen und Kollegen in Deutschland." Bei der Leiharbeit gibt es eine einheitliche Lösung: Die Quote wurde auf 18 Prozent erhöht. Das Thema spiele in der Produktion zurzeit eine geringe Rolle, sagte Brecht. An allen deutschen Standorten gibt es aktuell etwa nur 700 Leiharbeiter.
Webasto will im Zuge seiner Sanierung rund 650 Stellen in Deutschland abbauen. Darauf haben sich Management und Arbeitnehmervertreter geeinigt, wie das in Stockdorf vor den Toren Münchens ansässige Unternehmen mitteilte. Der Stellenabbau soll möglichst sozialverträglich ablaufen, Vorstand und Betriebsrat haben einen Sozialplan vereinbart. „Dies war eine schwere, aber angesichts der Marktentwicklung auch bei Webasto unumgängliche Entscheidung“, sagte der erst seit wenigen Wochen amtierende Vorstandschef Jörg Buchheim laut Mitteilung.
Webasto beschäftigte Ende 2024 weltweit gut 16.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon aber nur 3.700 in Deutschland. Die Vereinbarung bedeutet, dass in den heimischen Standorten knapp jede sechste Stelle wegfallen soll. „Die geplanten Personalmaßnahmen werden wir mit größtem Respekt für die soziale Sicherheit unserer Mitarbeitenden und im Einklang mit unserer Unternehmenskultur umsetzen“, sicherte Buchheim der Belegschaft zu. Eine Transfergesellschaft soll den betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter maximal zwölf Monate bei der Suche nach einer neuen Tätigkeit unterstützen. Der Stellenabbau soll schon Ende dieses Jahres vollzogen sein.
Der Stellenabbau soll schwerpunktmäßig die Unternehmensverwaltung und Entwicklung treffen, aber auch die Kapazitäten der Produktion sollen an die gesunkene Nachfrage „angepasst“ werden. Betroffen sind demnach die Standorte Gilching, Hengersberg, Neubrandenburg, Utting sowie die Stockdorfer Zentrale. Webasto war im vergangenen Jahr in finanzielle Schieflage geraten und hatte im Dezember eine Stabilisierungsvereinbarung mit den wichtigsten Gläubigern abgeschlossen. Im vergangenen Monat hatte bereits der langjährige Vorstandschef Holger Engelmann Webasto das 124 Jahre alte Familienunternehmen vorzeitig verlassen.
5.600 Stellen - 2.600 davon in Deutschland - sollen bis Ende September 2027 im zur Sparte Digital Industries (DI) gehörenden Automatisierungsgeschäft von Siemens wegfallen. Insgesamt plane der Zulieferer weltweit rund 6.000 Stellen zu streichen. Veränderte Bedingungen in zentralen Märkten machten Anpassungen notwendig, hieß es von Siemens selbst. „Insbesondere der deutsche Markt ist seit zwei Jahren rückläufig. Daher müssen Kapazitäten in Deutschland angepasst werden.“ Insgesamt werde der Personalbestand in Deutschland aber „in der Tendenz konstant“ bleiben, da Siemens in anderen, wachsenden Bereichen rekrutiere. Denn im Automatisierungsgeschäft war der Umsatz zuletzt deutlich abgesackt, aber insgesamt laufen die Geschäfte bei Siemens derzeit gut: Im ersten Quartal machte der Konzern einen Gewinn von 2,1 Milliarden Euro.
Von der Arbeitnehmerseite kam Kritik. „Wir haben kein Verständnis für die geplanten Maßnahmen bei der DI und sind angesichts der massiven geplanten Abbauzahl überrascht und verärgert“, sagte die Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats und stellvertretende Vorsitzende des Aufsichtsrates, Birgit Steinborn. „Wenn die One Tech Company ein Wachstumsprogramm sein soll, dann fordern wir, dass Arbeitsplätze nachhaltig geschaffen statt zugunsten der Profitmarge abgebaut werden“, so Steinborn. Unter diesem Titel hat Siemens vergangenes Jahr ein Programm angekündigt, mit dem unter anderem Einheiten stärker zusammengebracht werden sollen.
Nach einem schwierigen Jahr 2024 mit rückläufigen Verkaufszahlen reagiert Audi mit einem umfangreichen Sparprogramm. Die Notwendigkeit ist offensichtlich: Der weltweite Absatz sank um 11,8 Prozent auf 1.671.218 Fahrzeuge, wobei keine Region von den Rückgängen verschont blieb. Besonders betroffen waren China und die USA, während Europa mit einem Minus von 5,9 Prozent vergleichsweise glimpflich davonkam. Eine besonders schwerwiegende Maßnahme: Audi streicht bis Ende 2029 insgesamt 7.500 Stellen in Deutschland, um jährlich über eine Milliarde Euro einzusparen. Die Einigung mit dem Betriebsrat sieht vor, dass es bis Ende 2033 keine betriebsbedingten Kündigungen geben wird. Der Stellenabbau betrifft vor allem den „indirekten Bereich“ und soll Bürokratie reduzieren.
Parallel investiert Audi acht Milliarden Euro in die deutschen Werke. In Ingolstadt wird ein weiteres Einstiegs-Elektromodell gefertigt, während Neckarsulm durch Digitalisierung und KI gestärkt werden soll. Zudem prüft Audi die Produktion eines zusätzlichen Modells am Standort und richtet einen Standortfonds über 250 Millionen Euro ein. Die Mitarbeiter müssen sich zudem auf finanzielle Einschnitte einstellen: Die Ergebnisbeteiligung wird strukturell umgebaut und gekürzt. 2023 lag die Prämie noch bei 8.840 Euro pro Mitarbeiter, dürfte aber künftig geringer ausfallen.
Fast täglich tauchen neue Meldungen über immer extremere Sparmaßnahmen der Automobilunternehmen auf. So brandaktuell auch die kolportierte Ausgliederung der Antriebssparte bei Zulieferer ZF. Wie das Handelsblatt berichtet, prüfe das Unternehmen unter dem Namen Projekt Verde eine Abspaltung seiner zweitgrößten Division, die mehr als 32.000 Beschäftigte umfasst und mit einem Umsatzvolumen von über elf Milliarden Euro knapp ein Viertel des Konzernumsatzes umfasst. Besprochen habe ZF dieses Projekt, das wichtige Standorte wie Schweinfurt, die Zentrale in Friedrichshafen und das Getriebewerk in Saarbrücken betreffen würde, auf einer Betriebsversammlung am 18. Februar.
„In der Division Elektrifizierte Antriebstechnologien bündelt ZF alle Pkw-Antriebsvarianten – von konventionellen über Plug-in-Hybrid- bis zu rein elektrischen Antrieben. Diese Geschäftseinheit leidet in besonderem Maße unter dem verzögerten Anlauf der E-Mobilität, den hohen Kosten und daraus resultierenden geringen Margen im traditionellen Getriebe-Geschäft", kommentierte ein ZF-Sprecher auf Anfrage von Automobil Produktion. „Um dieser Division wieder profitables Wachstum zu ermöglichen und die dafür nötigen Investitionen zu tätigen, prüfen wir derzeit strategische Kooperationen und Partnerschaften. Sie können sich auf einzelne Komponenten oder auch die gesamte Division beziehen. Dazu sind wir auch im regelmäßigen Dialog mit der Arbeitnehmervertretung.“ Den Status dieser Überlegungen wolle man öffentlich nicht kommentieren, so der Sprecher. Bereits im Juli 2024 schockte der Zulieferer mit Sparmaßnahmen: Bis zu 14.000 Stellen wolle man bis zum Ende des Jahrzehnts streichen, knapp 2.000 am Standort in Saarbrücken. Der zunächst bis Ende 2025 angepeilte Jobabbau in Saarbrücken soll ZF zufolge vor allem mit dem Auslaufen befristeter Verträge erreicht werden. Sollte sich die Auftragslage weiter nicht bessern, könnten dort bis Ende 2028 demnach sogar 4.500 der rund 10.000 Arbeitsplätze wegfallen. Das hoch verschuldete Unternehmen hatte sich zuvor ein strenges Sparprogramm auferlegt, um innerhalb von zwei Jahren seine weltweiten Kosten um ungefähr sechs Milliarden Euro zu reduzieren, hieß es.
Der Automobilzulieferer hat im Jahr 2024 einen Nettoverlust von knapp über einer Milliarde Euro verzeichnet, nachdem im Vorjahr noch ein Gewinn von 126 Millionen Euro erzielt wurde. Hauptursache für dieses negative Ergebnis waren hohe Rückstellungen für Umbaukosten in Höhe von rund 600 Millionen Euro. Der Umsatz sank um etwa elf Prozent auf 41,4 Milliarden Euro, was einem Rückgang von 5,2 Milliarden Euro gegenüber 2023 entspricht. Das bereinigte operative Ergebnis (EBIT) lag bei rund 1,5 Milliarden Euro, etwa 900 Millionen Euro weniger als im Vorjahr.
Der Automobil- und Industriezulieferer Schaeffler hat im vergangenen Jahr schwächer abgeschnitten als vom Markt erwartet. So stieg der Umsatz zwar von 16,3 Milliarden auf 18,2 Milliarden Euro, wie das Unternehmen anhand vorläufiger Zahlen mitteilte. Analysten hatten jedoch im Schnitt mit 18,5 Milliarden Euro gerechnet. Treiber des Anstiegs sei vor allem die Konsolidierung von Vitesco ab dem vierten Quartal gewesen, hieß es. Wie viele andere strauchelnde Zulieferer hatte Schaeffler Ende 2024 bereits einen deutlichen Stellenabbau verkündet: 4.700 Arbeitsplätze, 2.800 davon in Deutschland, sind planmäßig von diesen Maßnahmen betroffen und sollen bis 2027 abgebaut werden. Zwei europäische Standorte stünden zudem vor einer endgültigen Schließung.
Angesichts anhaltender finanzieller Schwierigkeiten hat Nissan unter der Leitung von CEO Makoto Uchida ein umfassendes Restrukturierungsprogramm initiiert, das auf die Stabilisierung des Unternehmens abzielt. Diese Maßnahmen folgen auf wiederholte Quartalsverluste und das Scheitern der Fusionsgespräche mit Honda. Nissan plant, innerhalb der nächsten zwei Jahre drei Produktionsstätten zu schließen. Die erste Schließung betrifft ein Werk in Thailand im Sommer 2025; die Standorte der beiden weiteren, die bis März 2027 stillgelegt werden sollen, wurden nicht bekannt gegeben. Zusätzlich werden in den US-amerikanischen Werken in Smyrna, Tennessee, und Canton, Mississippi, die Schichten reduziert, was zu weiteren Arbeitsplatzverlusten führt. Diese Maßnahmen zielen darauf ab, die weltweite Produktionskapazität um eine Million Einheiten auf vier Millionen Fahrzeuge pro Jahr zu senken.
Im Rahmen der Restrukturierung werden weltweit 9.000 Stellen abgebaut, was etwa 6,7 Prozent der globalen Belegschaft von 134.000 Mitarbeitern entspricht. Zudem ist eine Reduzierung der Führungspositionen um 20 Prozent geplant, um Entscheidungsprozesse zu straffen und die Effizienz zu erhöhen. Trotz der aktuellen Herausforderungen betont CEO Uchida die Bedeutung von Autonomie und die Notwendigkeit, das Potenzial von Nissan voll auszuschöpfen. Das Unternehmen bleibt offen für alternative Partnerschaften und fokussiert sich auf strategische Projekte, einschließlich der fortgesetzten Zusammenarbeit mit Honda im Bereich softwaredefinierter Fahrzeuge.
Obwohl der ElringKlinger-Konzern vorläufig „insgesamt solide Geschäftszahlen" verkünden konnte, leitet der Automobilzulieferer ebenfalls drastische Sparmaßnahmen ein. „Trotz hoher Investitionen in den Zukunftsfeldern haben wir einen starken operativen Free Cashflow erzielt und konnten die Nettofinanzverbindlichkeiten auf den niedrigsten Stand seit dreizehn Jahren senken. Mit dieser Entschuldung haben wir die Finanzierungsstruktur von ElringKlinger verbessert und ein festes Fundament für die weitere Transformation des Konzerns geschaffen. Nichtsdestotrotz sind die Rahmenbedingungen herausfordernd und erfordern ein klares, konsequentes Vorgehen", kommentiert CEO Thomas Jessulat.
Um den Konzern in diesem herausfordernden wirtschaftlichen und politischen Umfeld resilient aufzustellen, hat der Vorstand ein strategisches Maßnahmenpaket beschlossen und stellt unter anderem das Systemgeschäft bei elektrischen Antriebseinheiten ein. Zudem hat der Automobilakteur zum 31. Dezember 2024 den im Oktober unterzeichneten Verkauf zweier Gesellschaften in der Schweiz und in den USA rechtlich vollzogen. Diese Veräußerung erfolgte vor dem Hintergrund, dass hohe Investitionen zur kompetitiven Fortführung notwendig gewesen wären und den Konzern auf seinem Weg der Transformation eingeschränkt hätten. Vor dem Hintergrund der herausfordernden Situation in der weltweiten Automobilbranche reduziert ElringKlinger außerdem seine Standorte und plant, neben dem Werk in Thale, Deutschland, auch den US-amerikanischen Standort in Fremont, CA, stillzulegen. Beide Werke sollen Mitte des Jahres aus dem Konzernverbund ausscheiden.
Thyssenkrupp will weltweite Kosten senken
Der auch als Autozulieferer agierende Stahlkonzern Thyssenkrupp baut in der entsprechenden Sparte Stellen ab. „Ziel ist eine weltweite Senkung der Kosten um über 150 Millionen Euro, dies soll unter anderem durch einen Abbau von rechnerisch rund 1.800 Arbeitsplätzen erreicht werden“, teilte Thyssenkrupp Automotive Technology mit. Nach Unternehmensangaben hatte Thyssenkrupp Automotive zuletzt knapp 31.300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Kosten senken will Thyssenkrupp Automotive Technology konkret durch eine Anpassung der Investitionen, eine Reduzierung des gebundenen Betriebskapitals sowie einen vorübergehenden Einstellungsstopp, insbesondere für Positionen oberhalb einer bestimmten Gehaltsgrenze. Die Kostensenkungen ergänzten ein konzernweites Programm. „Die Diskussionen um neue Zölle erzeugen weitere Unsicherheit“, sagte der Chef der Automotive-Sparte, Volkmar Dinstuhl.