Der VW ID.3 von vorne und hinten.

Insbesondere die Elektromodelle der Kernmarke Volkswagen konnten die Absatzrückgänge etwas abmildern. (Bild: Volkswagen)

Als VW-Chef Herbert Diess im Sommer 2021 auf dem Mittellandkanal vor dem Werk in Wolfsburg auf einem Elektro-Surfbrett seine Runden drehte und den Mitarbeitern für ihren Einsatz dankte, strahlte der CEO mit den Halbjahresergebnissen noch um die Wette: In den ersten sechs Monaten 2021 verbuchte der nach Umsatz größte Automobilkonzern der Welt einen Rekordgewinn von 11,4 Milliarden Euro, der Konzernumsatz lag bei knapp 130 Milliarden Euro.

Und während das Twitter-Danksagungsvideo von Diess noch viral ging, zog über der Wolfsburger Konzernzentrale bereits nach der Coronapandemie der nächste große Schatten auf: der Versorgungsengpass mit Halbleitern. Die Chipkrise hat den Konzern weiter fest im Griff. Kurzarbeit, Produktionsausfälle und lange Lieferzeiten sind die Folge. Insgesamt 800.000 Fahrzeuge könnten dem Halbleitermangel bei Volkswagen, Audi, Skoda, Seat und Co. zum Opfer fallen. Und ein Ende der Misere ist aktuell noch nicht in Sicht.

Volkswagen nimmt bei E-Mobilität Fahrt auf

Die Wolfsburger Kernmarke hat sich von dem pandemiebedingten Absatzeinbruch von 2020 mittlerweile erholt. Bei den Absatzzahlen spielen insbesondere die teil- und vollelektrischen Fahrzeuge eine gewichtige Rolle: In den ersten neun Monaten 2021 wurde mit 167.800 BEV (plus 169 Prozent) und 86.900 PHEV (plus 98 Prozent) ein neuer Rekord bei den weltweiten Auslieferungszahlen für E-Fahrzeuge erzielt. Damit ist der Volumenhersteller laut eigenen Angaben in Europa bei vollelektrischen Fahrzeugen Marktführer und möchte auch in den USA und China ein gewichtiges Wort in der E-Mobilität mitreden.

Die ID.-Familie wächst dabei kontinuierlich weiter. Neben dem Auftaktmodell ID.3, das seit Marktstart mehr als 144.000-mal bestellt wurde, stehen aktuell auch die SUVs ID.4 und der etwas sportlichere ID.4 GTX bei den Händlern. Für den chinesischen Markt hat der Volumenhersteller mit dem ID.6 ein vollelektrisches Familien-SUV entwickelt, das seit seiner Markteinführung im Sommer 2021 bisher mehr als 7.000-mal verkauft wurde. Im Rahmen der Strategie „Accelerate“ plant der OEM zudem, jedes Jahr mindestens ein weiteres vollelektrisches Auto auf den Markt zu bringen. Seit diesem Jahr stehen der ID.5 und der ID.5 GTX bei den Händlern.

Audi überzeugt mit starker Rendite

Nach dem Einbruch infolge der Pandemie bewegt sich Audi operativ und finanziell wieder auf einem respektablen Niveau. So lagen das operative Ergebnis, das Ergebnis vor Steuern und vor allem der Netto-Cashflow im Gesamtjahr 2021 wieder über dem Vorjahr. Die operative Umsatzrendite des Ingolstädter Premiumherstellers erreichte 9,5 (2020: 0,3) Prozent und landete damit innerhalb der selbstgesteckten Ziele zwischen neun und elf Prozent.

Einen wichtigen Beitrag für das respektable Ergbnis leisteten der Q5 und der vollelektrische E-Tron GT, mit dem die Ingolstädter E-Auto-Pionier Tesla Paroli bieten wollen. Zudem verabschiedet sich Audi bis 2026 komplett vom Verbrennungsmotor und setzt exklusiv auf E-Modelle. Bis es so weit ist, bespielt der Herstellermit dem Elektro-SUV Q6 E-Tron, der aufgefrischten A8-Limousine und einem neuen A3 noch die gesamte Antriebsklaviatur.

Seat ist auf Erholungskurs

Wohl kaum ein Land hat die Pandemie so schwer getroffen wie Spanien und mit ihm ist auch VW-Tochter Seat durch ein Tal der Tränen gegangen. 2020 brach der Umsatz um mehr als ein Viertel ein. Mittlerweile blickt man am Hauptsitz in Martorell zumindest etwas optimistischer in die Zukunft. Verantwortlich dafür ist vor allem die Performancemarke Cupra.

Allein in Deutschland macht sie fast schon die Hälfte des Gesamtabsatzes von Seat aus – Tendenz weiter steigemd. „Cupra wird eine immer wichtigere Rolle im Seat-Konzern spielen“, betont CEO Wayne Griffiths. Mit dem vollelektrischen Cupra el-Born und dem Formentor VZ5 hat die Performanceabteilung bereits zwei Verkaufsschlager in ihren Reihen. Bei der Kernmarke erhalten der Seat Ibiza und der Arona in diesem Jahr ein Facelift.

Verschiedene schwarze Fahrzeuge der Seat-Performancemarke Cupra
Dank der guten Absatzzahlen von Cupra erholt sich Seat sukzessive vom Nachfrageeeinbruch. (Bild: Seat)

Skoda übernimmt mehr Verantwortung im Konzern

Ähnlich wie bei den spanischen Kollegen gestaltete sich auch die Gefühlslage bei Skoda. Die Tschechen haben in den mehr als 20 Jahren Zugehörigkeit zum Volkswagen-Konzern eine rasante Entwicklung hingelegt, vom östlichen Mauerblümchen zur Säule des Volumengeschäfts.

Und obwohl selbst im ersten Coronajahr mehr als eine Million Fahrzeuge an Kunden ausgeliefert wurden, ist die Euphorie der vergangenen Jahre in Mladá Boleslav etwas verflogen. Bei der Rendite liegen die Tschechen infolge der aktuellen Chipkrise jetzt nur noch bei 6,8 Prozent. Davor wähnte man sich bereits in Rendite-Gefilden der Premiumschwester Audi.

Der Bedeutung von Skoda für den Gesamtkonzern tut dies indes keinen Abbruch. Neben Indien übernimmt der OEM mit den Regionen Russland und Nordafrika weitere Verantwortung für wichtige Absatzmärkte. In Sachen Elektrifizierung setzen die Tschechen in diesem Jahr nach den Absatzerfolgen mit dem Enyaq iV auf eine Coupé-Version des SUV-Stromers.

Porsche und Lamborghini mit vollen Auftragsbüchern

Wohl kaum ein Autobauer ist so krisenfest wie Sportwagenhersteller Porsche. Der Zuffenhausener OEM wies selbst während der Pandemie solide Ergebnisse vor und sorgte dafür, dass die Sorgenfalten in der Konzernzentrale im Zuge des allgemeinem Markteinbruchs nicht noch größer wurden.

Die Auftragsbücher sind gut gefüllt. Insbesondere der vollelektrische Taycan verzeichnet stetig steigende Verkaufszahlen. „Der Taycan ist ein sehr innovatives Fahrzeug und bei unseren Kunden sehr beliebt. Unsere frühzeitig aufgesetzte E-Mobilitätsstrategie geht auf“, sagt Oliver Blume, Vorstandsvorsitzender bei Porsche.

Auch Lamborghini wirtschaftet äußerst erfolgreich. Die Bücher sind laut Unternehmensangaben dank der hohen Nachfrage über das gesamte Produktportfolio voll. „Die Marke Lamborghini nimmt mit ihrer umfassenden und stark nachgefragten Modellpalette von V10- und V12-Fahrzeugen sowie dem Super-SUV Urus eine extrem starke Position ein“, freut sich der Vorsitzende und CEO des Autoherstellers, Stephan Winkelmann. „Das Unternehmen hat nicht nur die schwierigen Rahmenbedingungen der letzten 18 Monate bewältigt, sondern auch sein Verkaufsvolumen kontinuierlich gesteigert.“

Softwarekompetenz steht bei VW im Fokus

Die starken Ergebnisse insbesondere im Luxussegment mit Porsche und Lamborghini geben dem Wolfsburger Konzern auch die finanziellen Freiräume, um das Thema Fahrzeugsoftware weiter zu forcieren. Mit der Cariad, die 2019 als Car.Software-Organisation aus der Taufe gehoben wurde, möchte Volkswagen den Eigenanteil an Software im Fahrzeug von aktuell unter zehn in den nächsten vier Jahren auf 60 Prozent steigern. Aktuell arbeiten rund 4.000 Entwickler in der Abteilung – Tendenz steigend.

Neben Software gilt im Konzern das autonome Fahren als wichtiges Zukunftsfeld. Gemeinsam mit dem KI-Startup Argo AI sowie dem hauseigenen Ridepooling-Dienst Moia entwickelt Volkswagen Nutzfahrzeuge (VWN) aktuell den selbstfahrenden ID.Buzz AD. Ein Prototyp soll dann ab 2025 auf Hamburgs Straßen zum Einsatz kommen.

„Für Moia als Mobilitätsservice und Flottenbetreiber ist das autonome Fahren ein wichtiger Bestandteil unseres Geschäftsmodells. Städte auf der ganzen Welt wollen ihren Verkehr effizienter und klimafreundlicher gestalten. „Autonomes Ridepooling kann die städtische Mobilität verbessern, die Sicherheit im Straßenverkehr erhöhen und damit die Städte zu lebenswerteren Orten machen“, sagt Moia-CEO Robert Henrich. So kommt das Self-Driving-System von Argo AI in einer Version des künftigen ID.Buzz von Volkswagen Nutzfahrzeuge zum Einsatz. Ziel ist die Entwicklung eines Ridehailing- und Pooling-Konzepts, ähnlich dem heutigen Angebot von Moia.

Autonome Shuttles von Volkswagen-Tochter Moia, die beim Ridepooling zum Einsatz kommen sollen
Volkswagen Nutzfahrzeuge, Moia und Argo AI erproben derzeit in einem Pilotprojekt ein autonomes Ridepooling-System in Hamburg, das 2025 in Serie gehen soll. (Bild: Volkswagen)

2025 als Zielmarke für selbstfahrende Pkw

„Mitte dieses Jahrzehnts können sich unsere Kunden dann in ausgewählten Städten mit autonomen Fahrzeugen zu ihrem jeweiligen Zielort bringen lassen“, ergänzt Christian Senger, Bereichsleiter Autonomes Fahren bei Volkswagen Nutzfahrzeuge.

Im Zuge ihrer Kooperation haben die Ford Motor Company und Volkswagen Nutzfahrzeuge zu gleichen Teilen in das auf Softwareplattformen für autonomes Fahren spezialisierte Unternehmen Argo AI investiert. Das Ziel: die konsequente und schnelle Entwicklung und Nutzung autonomer Systeme. Neben der Erstinvestition in Höhe von einer Milliarde US-Dollar brachte Volkswagen zudem seine Tochtergesellschaft AID (Autonomous Intelligent Driving) in Argo AI ein.

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