Das weltweite Produktionsnetzwerk von Mercedes-Benz
Mercedes-Benz ordnet sein weltweites Produktionsnetz neu. Kecskemét wächst massiv, Kapazitäten in Deutschland und China sinken, Mexiko fällt weg. Gleichzeitig verteilen sich neue Modelle flexibler auf die Werke.
Dr. Martin LargeDr. MartinLargeCvD Online all-electronics.de / Redakteur aIT/AP
Mercedes-Benz passt sein Produktionsnetz an neue Modelle, Märkte und Kostenstrukturen an. Dabei verändern sich die Rollen einzelner Werke deutlich.Mercedes-Benz / Collage
Während in den vergangenen Jahren vor allem neue Elektrobaureihen in bestehende Werke integriert wurden, greift Mercedes inzwischen tiefer in die Struktur des Produktionsnetzes ein. Die weltweite Pkw-Produktionskapazität liegt 2026 bei rund 2,4 Millionen Fahrzeugen und damit etwa 120.000 Einheiten unter dem Niveau von 2024. Bis 2028 soll sie auf rund 2,2 Millionen Einheiten sinken. Gleichzeitig muss das Netzwerk ungewöhnlich viele Modellanläufe bewältigen. Mercedes-Benz plant zwischen 2025 und 2027 mehr als 40 neue beziehungsweise überarbeitete Modelle.
Mercedes-Benz veröffentlicht anders als Renault keine vollständigen Produktionszahlen für jedes einzelne Pkw-Werk. Einen Vergleich der Standorte ermöglicht jedoch die vom Konzern ausgewiesene Produktionskapazität. Für 2026 beziffert Mercedes-Benz die weltweite Kapazität auf rund 2,4 Millionen Fahrzeuge. Bis 2028 soll sie auf etwa 2,2 Millionen Einheiten sinken.
Europa
Der Produktionsverbund von BBAC in Peking ist 2026 mit rund 680.000 Fahrzeugen der größte Pkw-Produktionscluster von Mercedes-Benz. Dahinter folgen Kecskemét mit 400.000 sowie Bremen, Rastatt, Sindelfingen und Tuscaloosa mit jeweils rund 300.000 Einheiten Kapazität.KI generiert
Kecskemét, Ungarn: 400.000
Bremen, Deutschland: rund 300.000
Rastatt, Deutschland: rund 300.000
Sindelfingen, Deutschland: rund 300.000
Afrika
East London, Südafrika: 100.000
Nordamerika
Tuscaloosa, USA: 300.000
Aguascalientes, Mexiko: 0*
Asien
Peking, China, BBAC: 680.000
*Mercedes-Benz beendet die Fahrzeugproduktion im COMPAS-Joint-Venture-Werk Aguascalientes bis Mai 2026. Die bislang dort vorhandene Kapazität von rund 100.000 Fahrzeugen entfällt damit.
Wichtig für die drei deutschen Werke: Mercedes weist sie auf der Karte gemeinsam als „WEU (mainly GER)“ mit 900.000 Einheiten aus. Im Begleittext konkretisiert der Konzern jedoch ausdrücklich eine deutsche Werkskapazität von rund 900.000 Fahrzeugen beziehungsweise 300.000 Einheiten je Werk. Damit lassen sich Bremen, Rastatt und Sindelfingen jeweils mit rund 300.000 Einheiten ansetzen.
Wie Mercedes-Benz sein Produktionsnetz umbaut
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Mercedes-Benz verschiebt 2026 erhebliche Produktionskapazitäten innerhalb seines weltweiten Werksnetzes. Kecskemét gewinnt 200.000 Einheiten hinzu, während die Kapazitäten in Peking, Deutschland und Aguascalientes sinkenKI generiert
Besonders deutlich wird die Verschiebung beim Blick auf die geplanten Kapazitäten. Für die drei deutschen Pkw-Werke zusammen setzt Mercedes 2026 rund 900.000 Einheiten an, etwa 100.000 weniger als im Vorjahr. Das entspricht rund 300.000 Fahrzeugen je Werk. Kecskemét wächst dagegen auf 400.000 Fahrzeuge und verdoppelt seine Kapazität gegenüber 2025. Für Peking nennt Mercedes etwa 680.000 Einheiten, 120.000 weniger als 2025. Tuscaloosa bleibt bei 300.000 und East London bei 100.000 Einheiten; für beide Standorte weist Mercedes keine Veränderung gegenüber 2025 aus. Aus dem Pkw-Netz verschwunden ist Aguascalientes in Mexiko. Dort endet die Mercedes-Produktion im Joint-Venture-Werk Compas bis Mai 2026; damit entfallen rund 100.000 Einheiten Kapazität.
Parallel hat sich die Diskussion über die Kosten der deutschen Standorte verschärft. Produktionsvorstand Michael Schiebe stellte im September 2026 für den Fall ausbleibender Kostensenkungen auch Werksschließungen in Deutschland in den Raum. Welche Standorte betroffen sein könnten, ist offen.
Hinter den Verschiebungen steckt auch eine stärkere Regionalisierung der Produktion. Mercedes will den Anteil der Fahrzeuge, die in ihrer jeweiligen Absatzregion gefertigt werden, weltweit von 60 auf 70 Prozent erhöhen. In Europa und China sollen jeweils mehr als 80 Prozent der Nachfrage regional produziert werden, in den USA mehr als 50 Prozent. Gleichzeitig soll der Anteil der europäischen Produktion in sogenannten Best-Cost-Ländern von 15 Prozent im Jahr 2024 auf 30 Prozent im Jahr 2027 steigen. Wie wichtig dabei flexible Werke und lokale Fertigung werden, erläutert Produktionsvorstand Michael Schiebe im Interview mit Automobil Produktion.
Insgesamt sind am Standort mehr als 31.500 Menschen beschäftigt, davon rund 19.000 in Produktionsbereichen. Auch der Produktionsverbund rund um Stuttgart gewinnt an Bedeutung. Batterien und elektrische Antriebskomponenten für neue Modelle werden auf mehrere Werke verteilt.
Bremen gehört weiterhin zu den produktseitig breitesten Mercedes-Werken. Rund 10.500 Beschäftigte arbeiten dort. In der Umwelterklärung 2025 nennt Mercedes zehn dort produzierte Modelle: C-Klasse Limousine und T-Modell, CLE Coupé und Cabrio, GLC, GLC Coupé, EQE, Mercedes-AMG SL, Mercedes-Maybach SL und Mercedes-AMG GT. 2026 kam der neue vollelektrische GLC hinzu. Er wird in Halle 9 gemeinsam mit GLC-Modellen mit Verbrennungs- und Hybridantrieb sowie dem EQE produziert.
Der elektrische GLC markiert zugleich den Einstieg des Werks in die neue MB.EA-Fahrzeuggeneration. Die antriebsflexible Linie ermöglicht es Mercedes, die Stückzahlen der unterschiedlichen Antriebe an die Nachfrage anzupassen.
Auch bei den Komponenten arbeitet Bremen mit anderen Standorten zusammen. Seit 2026 liefert Accumotive in Kamenz die neue Batteriegeneration, die elektrischen Antriebseinheiten entstehen im rumänischen Sebeș. Hamburg fertigt Komponenten für die elektrischen Achsen. Zugleich entsteht eine flexible Produktionsachse mit Ungarn: Bei Bedarf soll der elektrische GLC künftig auch in Kecskemét gefertigt werden können.
Diese Rolle spielt Rastatt bei der neuen Kompaktklasse
In Rastatt vollzieht Mercedes derzeit einen umfassenden Modellwechsel. Im Juni 2025 startete die Serienproduktion des neuen CLA. Dafür investierte der Hersteller einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag und baute eine bestehende Montagehalle umfangreich um. Erstmals integrierte Mercedes bei einer Serienproduktion zudem MB.OS in das digitale Produktionsökosystem MO360; auch digitale Zwillinge kamen bei Planung und virtueller Inbetriebnahme zum Einsatz.
Mercedes-Benz will einen größeren Teil seiner Fahrzeuge direkt in den jeweiligen Absatzregionen fertigen. Der weltweite Local-for-local-Anteil soll von 60 auf 70 Prozent steigen – mit besonders hohen Zielwerten für Europa und China.KI generiert
Kein anderes Mercedes-Pkw-Werk verändert seine Rolle derzeit so stark wie Kecskemét. Mercedes hat rund eine Milliarde Euro in den Ausbau investiert. Zwei neue Hallen für Karosseriebau und Montage, ein zweites Presswerk, eine neue Lackiererei und eine Batteriemontage erweitern den Standort. Die Werksfläche wächst von rund 200 auf 440 Hektar. Gleichzeitig steigt die mögliche Kapazität auf 400.000 Fahrzeuge pro Jahr. Mit dem GLB und der neuen elektrischen C-Klasse gewinnt das Werk deutlich an Gewicht. Die C-Klasse ist das erste batterieelektrische Core-Modell aus dem Werk. Mehr als 5.000 Beschäftigte arbeiten inzwischen am Standort.
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Ein Teil der Wertschöpfung wandert ebenfalls nach Ungarn. Karosserieteile und Antriebsbatterien für GLB und elektrische C-Klasse entstehen direkt am Standort. Während in der bestehenden Halle Verbrenner und Elektrofahrzeuge gemeinsam produziert werden können, ist die neu errichtete Halle auf vollelektrische Fahrzeuge ausgelegt.
Der Standort soll zudem enger mit den deutschen Werken verzahnt werden. Der elektrische GLC kann künftig abhängig von der Nachfrage in Bremen oder Kecskemét gefertigt werden. Auch die kommende kompaktere Variante der G-Klasse soll exklusiv in Ungarn entstehen.
Das Joint Venture BBAC bildet in Peking den größten Mercedes-Benz-Produktionsverbund für Pkw. Zum Verbund gehören mehrere Produktionsstätten, darunter die Fahrzeugwerke in Yizhuang und Shunyi.Für 2026 setzt Mercedes rund 680.000 Fahrzeuge an, rund 120.000 weniger als 2025. Rund 11.000 Beschäftigte arbeiten bei BBAC. Zum offiziell ausgewiesenen Produktionsprogramm 2025 und 2026 gehören die Langversionen von A-, C-, E-Klasse, CLA und GLC sowie GLA, GLB, Mercedes-AMG A 35 L, EQA, EQB, EQE und EQE SUV. 2026 kam mit dem GLE L eine weitere wichtige China-spezifische Baureihe hinzu. Ende August lief die lokal produzierte Langversion im BBAC-Werk Shunyi erstmals vom Band. Damit wird ein Modell, das zuvor aus den USA importiert wurde, für den chinesischen Markt lokal produziert. BBAC hat inzwischen mehr als sechs Millionen Fahrzeuge produziert. Das lokale Mercedes-Pkw-Portfolio umfasst laut Konzern 14 Modelle und soll bis 2027 auf 20 lokal produzierte Modelle wachsen.
Tuscaloosa in Alabama bleibt das amerikanische SUV-Zentrum von Mercedes-Benz. Rund 5.800 Menschen arbeiten dort. Im März 2026 feierte der Standort das fünfmillionste seit 1997 produzierte Fahrzeug. Die geplante Produktionskapazität liegt bei rund 300.000 Fahrzeugen pro Jahr. Aktuell entstehen in Tuscaloosa GLE, GLE Coupé und GLS samt AMG-Varianten sowie der Mercedes-Maybach GLS. Hinzu kommen EQE SUV, EQS SUV und Mercedes-Maybach EQS SUV. Rund 60 Prozent der Produktion gehen in den Export. Künftig erweitert Mercedes das Portfolio um den GLC. Produktionsvorstand Michael Schiebe zufolge soll die lokale Fertigung nach 2027 beginnen, zunächst mit der Verbrennervariante. Damit setzt Mercedes seine Local-for-local-Strategie auch in Nordamerika fort.
Das südafrikanische East London ist innerhalb des Produktionsnetzes ein Sonderfall. Rund 2.400 Beschäftigte fertigen dort ausschließlich die C-Klasse Limousine für Rechts- und Linkslenkermärkte. Der Standort gehört zum weltweiten C-Klasse-Produktionsverbund; die aktuelle sechste Generation wird dort seit 2021 gebaut. Für East London sieht Mercedes 2026 eine Produktionskapazität von rund 100.000 Fahrzeugen vor. Damit ist es das kleinste der sieben großen Pkw-Fahrzeugwerke im globalen Netzwerk. Seine Rolle bleibt klar umrissen: Das südafrikanische Werk produziert die C-Klasse insbesondere für Exportmärkte und ergänzt damit die europäischen und chinesischen Produktionsstandorte der Baureihe.